Hamas-Chef markiert den harten Mann
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Hamas-Chef markiert den harten Mann

Der politische Hamas-Chef Chaled Meschaal hat sich von israelischen Todesdrohungen gegen ihn unbeeindruckt gezeigt.

In einer vom saudiarabischen Fernsehsender El Arabija ausgestrahlten Erklärung sagte Meschaal, die Drohungen seien nicht neu.

Israel hatte nach der gezielten Tötung des Hamas-Führers Abdelasis el Rantisi vom Samstag gedroht, auch Meschaal zu töten. Meschaal betonte, die von Israel verfolgte Strategie der gezielten Tötungen werde die Hamas nicht stoppen.

«Dutzende, Hunderte andere Führer werden nachrücken», sagte der Hamas-Führer. Meschaal leitet das Politbüro der radikalislamischen Palästinenserorganisation Hamas, das seinen Sitz seit 1996 in der syrischen Hauptstadt Damaskus hat.

Israel drohte jedoch nicht nur Maschaal. Sollte die Palästinenserorganisation ihre Machtzentren wegen der Liquidierung ihrer Führer im Gazastreifen nach Syrien verlegen, werde man auch dort angreifen, berichtete die Tageszeitung «Haaretz» unter Berufung auf ein Treffen von Politikern und Verteidigungsexperten.

Kritik aus Europa

EU-Kommissionspräsident Romano Prodi bezeichnete die gezielten Tötungen am Montag als «illegale und unverantwortliche Taten». Er verurteile das Vorgehen der israelischen Regierung «ohne jede Einschränkung», sagte er in Rom.

Auch der Europarat lehnte Israels Vorgehen ab. In einer Erklärung vom Montag heisst es, die Tötung des Hamas-Chefs bedeute eine «Einladung zu neuer Gewalt», die den Interessen Israels nicht diene. Die israelische Regierung habe erneut ihre «Missachtung für die Vorherrschaft des Rechts» gezeigt.

Bei Raketenangriffen militanter Palästinenser wurde am Montag in einer jüdischen Siedlung im Norden des Gazastreifens ein Mann verletzt und zwei Häuser beschädigt, wie eine Sprecherin des Armeehauptquartiers in Tel Aviv sagte.

Scharon sucht Unterstüzung

Unterdessen suchte Regierungschef Ariel Scharon nach Unterstützung für seinen Plan, die Siedlungen in Gaza zu räumen und die palästinensischen Gebiete abzutrennen. Als letzter wichtiger Likud-Minister unterstützte am Montag auch Aussenminister Silwan Schalom öffentlich den Plan des Ministerpräsidenten.

Schalom sagte: «Wir stehen heute vor einer Entscheidung, nach der wir einige Siedlungen für das Wohl der anderen räumen müssen.» Bei einem Besuch in den USA hatte sich Scharon zuvor Unterstützung von Präsident George W. Bush für sein Vorhaben geholt, das gegen die erklärten Interessen der Palästinenser steht.

Chirac: Ja - aber

Mit Einschränkungen begrüsste Frankreichs Staatschef Jacques Chirac den Plan. Er sei «positiv», wenn er mit den Palästinensern abgestimmt werde und eine Etappe auf dem Weg zu einem Palästinenserstaat darstelle, sagte Chirac nach einem Gespräch mit dem ägyptischen Präsidenten Husni Mubarak in Paris.

Mubarak rief die EU und die UNO zu Initiativen für einen neuen israelisch-palästinensischen Dialog auf. Man dürfe Washington aber nicht links liegen lassen, denn die USA blieben «als einziges Land in der Lage, mit den Israelis und den Palästinensern umzugehen».

(sda)

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