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Schock für FamilienHamburger Mädchen sind auf dem Weg zum IS

Zwei junge Frauen sind offenbar nach Syrien gereist. Die deutsch-türkischen Mädchen haben sich innerhalb von zwei Jahren plötzlich radikalisiert.

von
hal
Unter den IS-Kämpfern soll es auch Frauen-Brigaden geben.

Unter den IS-Kämpfern soll es auch Frauen-Brigaden geben.

Sie kommen aus dem Hamburger Vorort Geesthacht, haben türkische Wurzeln, sind aber nicht strenggläubig aufgewachsen. Und doch haben sich zwei junge Frauen aus Norddeutschland in den letzten zwei Jahren radikalisiert – und nun sogar entschieden, sich der Terrororganisation Islamischer Staat anzuschließen.

Die 17-jährige Merve S. und die 18-jährige Ece B. haben sich gemäß des ARD-Magazins «Panorama» Anfang Juni gemeinsam auf den Weg nach Syrien gemacht. Die Reise sei von langer Hand geplant gewesen. In einem Hamburger Reisebüro buchten sie ihre Flugtickets nach Istanbul. Merve S. legte dafür offenbar eine gefälschte Vollmacht vor. Bis vor wenigen Tagen waren die Mädchen noch in Istanbul. Wo sie jetzt sind, ist nicht bekannt.

Ece B. schon einmal durchgebrannt

Für die Familien ist das Ganze ein riesiger Schock. Nach dem Verschwinden seiner Tochter nahm sich der Vater von Ece B. am letzten Wochenende das Leben.

Die 18-Jährige war bereits im November 2014 in die Türkei gereist. Nach Hinweisen aus der Familie konnte die türkische Polizei sie nach zwei Tagen in Istanbul am Flughafen aufgreifen und zurück nach Hause bringen. Auch jetzt stehen die Familien in Kontakt mit den türkischen Behörden. Sie hoffen, dass die Mädchen doch noch zur Vernunft kommen und heimkehren.

Vor zwei Jahren plötzlich radikalisiert

Noch vor zwei Jahren unterschieden sich Merve S. und Ece B. nicht von ihren Freundinnen. Doch dann begannen sie, sich immer stärker zu verschleiern. Einen Monat vor der Reise begann Merve S. auch, auf dem Teppich zu schlafen. «Ich denke mal, dass es wirklich so war, dass sie diesen Weg gehen wollte, dass sie sich darauf vorbereitet hat», so ihre Mutter gegenüber «Panorama«.

Das Landeskriminalamt Schleswig-Holstein hat zwar seit Eces erster Ausreise Kontakt zur Familie. Aber: «Wir hatten keine Anhaltspunkte, dass Ece B. sich radikalisierte oder einer verbotenen Organisation anschließen will», so Sprecher Stefan Jung. «Hätte man das gewusst, hätte man über bestimmte Maßnahmen nachdenken können.»

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