Aktualisiert 12.05.2012 23:21

GP von SpanienHamilton wird die Pole aberkannt

Lewis Hamilton muss die Pole Pastor Maldonado abgeben. Der Brite stellte sein Auto nach dem Qualifying auf der Strecke ab, anstatt an die Box zurückzufahren.

Lewis Hamilton hatte der gesamten Konkurrenz auf dem Circuit de Catalunya keine Chance gelassen und die 150. Pole-Position für McLaren gefeiert, noch vor dem Abendessen war die Traumfahrt des Briten jedoch nichts mehr wert. Statt vom besten Startplatz muss er das Rennen auf dem Rundkurs 25 km nördlich von Barcelona von ganz hinten in Angriff nehmen.

Hamilton wurde zum Verhängnis, dass die Boxen-Crew von McLaren nicht genug Benzin eingefüllt hatte. Als der 27-Jährige das Auto auf Geheiss seines Teams während der vom Reglement verlangten Fahrt zurück in den «Parc fermé» auf der Strecke abstellte, hatte er noch 1,3 Liter Benzin im Tank. Im «Parc fermé» hätte es für mögliche Tests noch mindestens ein Liter sein müssen, für die Fahrt dorthin hätte der Weltmeister von 2008 aber wohl noch rund zwei Liter gebraucht. Nur bei einem technischen Defekt wäre Hamilton um eine Strafe herumgekommen.

Überraschungs-Mann Maldonado

Nutzniesser von Hamiltons Disqualifikation ist vor allem Pastor Maldonado. Der Venezolaner, der 2010 die GP2-Serie für sich entschieden hatte, darf erstmals in der Königsklasse von ganz vorne starten. Für das in der letzten Saison arg gebeutelte Williams-Team ist es die erste Pole-Position seit Anfang November 2010. Damals hatte der Deutsche Nico Hülkenberg in São Paulo völlig überraschend den besten Startplatz erobert.

In seinen bislang 23 Grands Prix lieferte Maldonado nicht viele positive Schlagzeilen. Der Südamerikaner konnte sich erst fünf WM-Punkte gutschreiben lassen. Nun bietet sich ihm jedoch die grosse Chance, sein heuer in China erreichtes Bestergebnis (Platz 8) markant zu verbessern. In der Vergangenheit galt die Eroberung der Pole-Position auf dem Circuit de Catalunya als halbe Miete für einen Erfolg am Sonntag. Nur einmal seit der Premiere 1991 wurde ein Fahrer auf dem Rundkurs nördlich von Barcelona als Sieger abgewinkt, der nicht in der ersten Startreihe gestanden hatte - Michael Schumacher 1996 bei einem Regenrennen.

Perez nicht vollends happy

Was sich letzte Woche bei den Testfahrten in Mugello und am Freitag im Training in Montmeló angedeutet hatte, wurde in der Qualifikation zum fünften Rennen des Jahres Tatsache: Das neue Aerodynamik-Paket wirkt sich positiv auf die Entwicklung des Sauber C31 aus. Als Sechster gelang Sergio Perez eine persönliche Qualifying-Bestleistung und der vierte Vorstoss in die Top 10 in Folge. Besser als Achter war der 22-jährige Mexikaner vor diesem Wochenende in einer Qualifikation nie gewesen. Nach der Disqualifikation Hamiltons nimmt Perez das Rennen von Startplatz 5 in Angriff.

«Die freien Trainings waren nicht einfach für mich, aber im Qualifying hat sich das Auto wirklich gut angefühlt», berichtete Perez. Der ehrgeizige Mittelamerikaner verwies zugleich auf die geringen Zeitabstände und trauerte gar einer noch besseren Ausgangslage nach. «Es ist fast ein wenig frustrierend, ein etwas besseres Resultat war durchaus in Reichweite.»

Für Perez' Teamkollege Kamui Kobayashi stand am Ende des Tages die 9. Startposition zu Buche. Der 25-jährige Japaner konnte nach dem zweiten Teil wegen eines Hydrauliklecks nicht mehr mittun, sparte aber Reifen fürs Rennen. Die Leistung des Sauber-Teams ist nicht zuletzt deshalb hoch einzuschätzen, da ausser die Hinwiler lediglich Lotus-Renault und Mercedes beide Autos in den «Final» brachten. Mit Jenson Button (McLaren) und Mark Webber (Red Bull) verpassten zwei Fahrer von Topteams den letzten Qualifying-Teil.

«Wir sind sehr glücklich über dieses Resultat. Nach den ermutigenden Tests in Mugello haben wir gehofft, beide Autos in die Top 10 zu bringen», freute sich CEO Monisha Kaltenborn. Mit zwei Autos in den ersten zehn vertreten war Sauber in dieser Saison erstmals Mitte April in Schanghai (Startplätze 3 und 8), danach folgte im Rennen jedoch die grosse Ernüchterung. Die Rückreise aus der chinesischen Metropole traten die Zürcher Oberländer mit lediglich einem Punkt im Gepäck an.

Reifen-Roulette mit Ansage

In Montmeló stehen den Teams erstmals in dieser Saison zwei Reifenmischungen von Pirelli zur Verfügung, die von der Charakteristik her weit auseinanderliegen - weich und hart. Die Zwischenstufe (medium) wurde ausgelassen, um den Teams eine ganze Reihe verschiedener Strategien zu ermöglichen. Der Reifenpoker führte in der finalen Qualifying-Session zur paradoxen Situation, dass noch weniger Fahrbetrieb als üblich herrschte. Sebastian Vettel und Michael Schumacher verzichteten freiwillig auf den Kampf um die besten Startpositionen, um Reifen für das Rennen zu sparen.

Montmeló. Grand Prix von Spanien. Startaufstellung:

1. Pastor Maldonado (Ven), Williams-Renault, 1:22,285.

2. Fernando Alonso (Sp), Ferrari, 0,017 Sekunden zurück.

3. Romain Grosjean (Sz/Fr), Lotus-Renault, 0,139.

4. Kimi Räikkönen (Fi), Lotus-Renault, 0,202.

5. Sergio Perez (Mex), Sauber-Ferrari, 0,248.

6. Nico Rosberg (De), Mercedes, 0,720.

7. Sebastian Vettel (De), Red Bull-Renault (ohne Zeit).

8. Michael Schumacher (De), Mercedes (ohne Zeit).

9. Kamui Kobayashi (Jap), Sauber-Ferrari (ohne Zeit). (si)

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