Familiensache: Hand drauf
Aktualisiert

FamiliensacheHand drauf

GC-Goalie Roman Bürki ist ein
Versprechen für die Zukunft. Das Talent hat er vom Vater.

Martin, 49, Aufbrauser senior

«Für mich war immer klar, dass ich Roman auf seinem Weg zum Profifussballer unterstütze. Ich bereue es nämlich, dass ich im Junioren­alter nicht zu den Young Boys gewechselt habe – meine Eltern waren dagegen. Romans Talent war schon unübersehbar, als er ein kleiner ‹Stönggu› war. Bereits als Fünfjähriger hechtete er wie ein Verrückter dem Ball nach. Ich spürte sein Temperament früh. Das braucht ein guter Torhüter. Roman ist nach wie vor sehr ambitioniert. Immer wenn er uns besuchen kommt, geht er erst mal in den Kraftraum. Mittlerweile ist er erwachsen und steht auf eigenen Beinen – das macht mich stolz. Er kennt die wichtigen Werte im Leben und ist bescheiden geblieben. Das Einzige, was mich stört, sind seine fünf Tattoos. Ich denke, wenn er älter wird, hat er keine Freude mehr daran. Da bin ich altmodisch.»

Roman, 21, Aufbrauser junior

«Ich war ein sehr pflegeleichter Sohn, habe immer nur Fussball gespielt. Alkohol trank ich nie, und in den Ausgang gehe ich erst seit zwei Jahren ab und zu. Mein Vater ist mein Vorbild. Als kleiner Junge stand ich immer hinter seinem Tor beim FC Münsingen. Später tauschten wir die Rollen – ich im Tor und mein Vater als Torwarttrainer dahinter. Seine Kommentare haben mich oft genervt, dafür wusste ich, dass ich mich immer auf ihn verlassen kann. Er hat mich auch unterstützt, als ich meine KV-Lehre abbrach und voll auf die Karte Fussball setzte. Ich glaube, mein aufbrausendes Temperament habe ich von ihm. Wir verlieren beide gar nicht gern. Obwohl mein Vater nie Profi war, hält er noch immer einen Rekord im Schweizer Fussball: Er kassierte 772 Minuten lang kein Tor. Diesen Rekord will ich unbedingt knacken.»

Aufgezeichnet von Benedikt Widmer

Halten und gehalten werden

Der Berner Roman Bürki, hier 1990 als Baby auf der Brust seines Vaters, spielt beim Grasshopper Club Zürich und für die U21-Nati.

Er gilt als eines der grössten Goalie-­Talente des Landes. Er mag ­extravagante Kleider und Tattoos – sein modisches Vorbild ist David Beckham. Auch Romans ­Vater Martin war einst ein ­begnadeter Torhüter. Beim FC Mün­singen war er während 15 Jahren Stamm­keeper. Heute arbeitet er als Heizungsmonteur und ist Goalietrainer bei den YB-Junioren.

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