Bergprodukte: Handel verschmäht Älpler-Logo des Bundes
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BergprodukteHandel verschmäht Älpler-Logo des Bundes

Produkte aus den Schweizer Alpen sollen bundeseigene Logos tragen. Das kommt bei den grossen Detailhändlern nicht gut an. Auch ein Markenexperte zweifelt am Sinn der Aktion.

von
Valeska Blank

Neue Labels sollen ab Juli 2014 Schweizer Alp- und Bergprodukte zieren. Entworfen hat die grünen und blauen Logos mit angedeutetem Berggipfel und Schweizerkreuz der Bund. «Wo Alp draufsteht, soll auch Alp drin sein - das werden die Logos garantieren», sagt Jürg Jordi vom Bundesamt für Landwirtschaft (BLW) zu 20 Minuten.

Nur Produkte, welche die Anforderungen der Berg- und Alpverordnung erfüllen, dürfen sich mit den neuen Garantiezeichen schmücken. «Bei diesen Produkten ist klar geregelt, welche Rohstoffe die Hersteller verwenden dürfen und wo sie sie verarbeiten müssen», erklärt Jordi. Bei Produkten mit den neuen Logos könne der Konsument sicher sein, dass es sich tatsächlich um ein Schweizer Alpprodukt handle und nicht um eine Mogelpackung.

Coop und Migros setzen auf Eigenmarken

Die Lancierung des bundeseigenen Berglabels kommt für viele zu spät. Die Grossverteiler Migros und Coop betreiben mit ihren Marken «Heidi» und «Pro Montagna» seit mehreren Jahren ihre eigenen Logos für Alpenmilch, Bergkäse & Co. Die Nummern eins und zwei im Schweizer Detailhandel werden die grünen und blauen Berggipfel des Bundes darum nicht einsetzen. «Aus unserer Sicht braucht es für die Berg- und Alpprodukte keine staatlichen Zeichen», sagt Migros-Sprecherin Martina Bosshard.

Für BLW-Sprecher Jordi haben die neuen Garantiezeichen dennoch ihre Berechtigung. «Schliesslich helfen wir so den Produzenten aus den Bergregionen, sich besser zu vermarkten.» Ausserdem punkte das Bundes-Logo mit einer hohen Verlässlichkeit für die Konsumenten. «Gegenüber privaten Anbietern geniesst der Bund einen gewissen Glaubwürdigkeitsbonus», so Jordi.

Im Detailhandel sieht man das anders: «Die Vorschriften für unsere Pro-Montagna-Produkte sind sehr streng und gehen teilweise über die Anforderungen des Bundes hinaus», sagt Coop-Sprecher Ramón Gander.

«Zum Scheitern verurteilt»

Nicht alle Grossunternehmen verschliessen sich gegen das Berg-Logo des Bundes. Laut dem Landwirtschaftlichen Informationsdienst LID prüft etwa die Detailhandelskette Spar, ob gewisse Produkte künftig mit dem neuen Label vermarktet werden. Auch der Branchenprimus Emmi will das neue Alp- und Berglabel bei gewissen Produkten verwenden.

Auf wenig Anklang stossen die grünen und blauen Berggipfel hingegen bei Markenexperte Thomas Ramseier von der Agentur Brandpulse. «Im Detailhandel herrscht eine wahre Markeninflation - jedes zusätzliche Label verunsichert die Konsumenten noch mehr.» Da die finanziellen Mittel des Bundes zur Bekanntmachung beschränkt seien, sei das Projekt wohl zum Scheitern verurteilt.

BLW-Sprecher Jordi räumt denn auch ein, dass ausser einem Flyer keine weiteren Marketingmassnahmen geplant sind. «So wird das Logo nie einen grossen Status erreichen», so Markenexperte Ramseier. Investiert hat der Bund für die Entwicklung des Logos 45'000 Franken.

Konsumentenschutz wenig begeistert

Die Stiftung für Konsumentenschutz (SKS) steht dem Berg- und Alpzeichen des Bundes skeptisch gegenüber. Ausser, dass die Produkte aus den jeweiligen Landwirtschaftszonen stammen und Auflagen in Bezug auf die Herkunft des Futter erfüllt werden müssen, würden keine Anforderungen bezüglich naturnaher Produktion oder tierfreundlicher Haltung gestellt, schreibt die SKS. «Damit ist ein staatliches Label nicht gerechtfertigt», so Geschäftsleiterin Sara Stalder. (vb)

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