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Mord in PerugiaHandelte der Mörder allein?

Wer hat die britische Austauschstudentin Meredith Kercher ermordet? Es war allein der bereits verurteilte Rudy Guede, behauptet die Verteidigung von Amanda Knox.

Die Anwälte, die für die Verteidigung von Amanda Knox und Raffaele Sollecito zuständig sind, hatten letztes Wochenende vor den Geschworenen in Perugia das Wort – und stellten eine neue These über die Geschehnisse in der Nacht vom 1. zum 2. November 2007 vor. In jener Nacht, als die Britin Meredith Kercher umgebracht wurde, soll nur der 22-jährige Rudy Guede am Tatort gewesen sein. Guede, ein arbeitsloser Bummler aus der Elfenbeinküste, bekannte sich bereits im Oktober 2008 schuldig und wurde in einem Kurzprozess zu 30 Jahren Haft verurteilt. Ein Fingerabdruck auf Kerchers Kopfkissen war ihm zum Verhängnis geworden.

Eine «genaue Reproduktion» von Raubüberfällen

Die Verteidigung stellte Guede nun als Einzeltäter dar. Die Umstände beim Mord an Kercher seien «genaue Reproduktionen» von Raubüberfällen, die der Afrikaner in der Vergangenheit begangen hatte, erklärten sie dem Richter. Guede, der dabei immer ein Messer benutzte, soll für die Tat das Küchenmesser des Mitangeklagten Sollecito gestohlen haben, um ihn zu belasten.

Die Anwälte schilderten die anderen Einbrüche, in die Guede verwickelt war. So soll er im September 2007 – zwei Monate vor dem Mord – in das Haus eines Paares eingedrungen sein und die beiden mit einem Messer bedroht haben, bevor er flüchtete. Die Verteidiger riefen ausserdem Paolo Brocchi in den Zeugenstand, ein Opfer Guedes. Brocchi erzählte, wie im Oktober 2007 ein Eindringling das Fenster seiner Anwaltskanzlei mit einem Stein zerbrach und einen Laptop und ein Handy aus seinem Büro entwendete. Wenige Tage später konnte die Polizei Guede während eines Überfalls an einer Schule in Mailand festnehmen – er trug die gestohlenen elektronischen Geräte bei sich.

«Diese zwei Beispiele zeigen, dass Guede fähig ist, eine solche Tat allein zu begehen. Er konnte in Herrn Brocchis Kanzlei eine 4,5 Meter hohe Wand hochklettern», schlussfolgerte Sollecitos Anwalt Luca Maori. Seiner Meinung nach wollte Guede in das Haus einbrechen. Als er in Meredith Kerchers Schlafzimmer eindrang, zog sich diese gerade um. Guede soll dann die halbnackte Frau vergewaltigt haben. Damit widerspricht Maori der Theorie der Anklage: Das Fenster von Meredith Kercher, das in einer ähnlichen Höhe wie das von Brocchi liegt, sei von Amanda Knox und Raffaele Sollecito von innen heraus aufgebrochen worden, um einen Raubüberfall vorzutäuschen. Es sei nicht möglich, über ein derart hohes Fenster in das Zimmer zu steigen, behauptet die Anklage.

(kle)

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