Aktualisiert 30.09.2014 14:31

Keine Kopfhörer

Handy-Lärm nervt die Pendler

Schweizer Pendler nutzen ihre Smartphones und Tablets ohne Kopfhörer und nerven damit andere Fahrgäste. Die SBB bestätigt das Problem, will aber keine neuen Regeln.

von
N.Saameli
Ein Kind spielt im Zug mit einem Smartphone. Handys und Tablets sind immer häufiger auch eine nervige Lärmquelle.

Ein Kind spielt im Zug mit einem Smartphone. Handys und Tablets sind immer häufiger auch eine nervige Lärmquelle.

Es ist ein seltsamer Lärm, der sich im Waggon des Schnellzugs von Zürich nach Winterthur verbreitet: leichtes Rauschen, Vogelgezwitscher, das Muhen von Kühen, ab und zu ein Ton, der sich nach einem Ploppen anhört - der junge Mann im zweiten Abteil von links spielt auf seinem Handy die Bauernhofsimulation Farmville. Kopfhörer scheint er dafür nicht zu brauchen. Das ganze Abteil hört, wie er mit einem «Wusch» seine virtuellen Kornfelder erntet und laut plätschernd seine digitalen Schafe tränkt.

Handy- oder Tablet-Lärm ist ein Phänomen, das in den letzten Jahren in den Zügen immer häufiger vorkommt, wie SBB-Sprecherin Lea Meyer bestätigt. «Früher hatten die Geräte noch keine richtigen Lautsprecher», sagt sie. «Heute gibt es mehr Möglichkeiten, mit Unterhaltungselektronik Lärm zu verursachen. Da ist es nur eine logische Konsequenz, dass es auch getan wird.»

Sitznachbarn greifen ein

Eine Regelung gegen den Smartphone-Lärm oder gar eine Kopfhörer-Pflicht einzuführen, sei für die SBB hingegen momentan kein Thema. «Unser Zugpersonal legt aber Wert auf Angemessenheit und bittet in Notfall auch mal einen Fahrgast darum, sein Gerät leiser zu stellen.»

Wie Meyer sagt, regeln Fahrgäste Lärmprobleme im Zugabteil meist unter sich. «Nach unseren Erfahrungen weisen die jeweiligen Nachbarn die Kunden auf die Lautstärke hin - etwa ähnlich wie bei sehr angeregten Diskussionen im Zug.» Die Hausordnung der SBB hingegen verbiete den Medienkonsum ohne Kopfhörer nicht konkret.

Die Freiheit des Einzelnen

Für «schlichtweg belästigend» hält Kurt Schreiber, Präsident der ÖV-Lobby Pro Bahn, die Lärmemissionen. «Die Freiheit des Einzelnen muss immer da aufhören, wo sie anfängt, diejenige des anderen einzuschränken», sagt er. Im Fall der kopfhörerlosen Smartphones sei dies klar der Fall.

Für einen Kopfhörerzwang wolle aber auch er sich nicht stark machen. «Ich möchte nicht zu viele Verbote fordern, sondern glaube, man sollte in solch einer Situation den gesunden Menschenverstand walten lassen.» Andere Fahrgäste nicht zu belästigen, sei ja schliesslich auch eine Frage der Höflichkeit und der Erziehung.

Dass diese sich gegen die Lärmbelästigung wehren, hält Schreiber für richtig. Er warnt aber auch davor, zu direkt auf die Missstände hinzuweisen. «Vor kurzem habe ich einen jungen Mitreisenden darum gebeten, seine Füsse im Zug vom Polster zu nehmen. Er hat sich aber geweigert und war sehr unhöflich zu mir.»

Haben Sie schon schlechte Erfahrungen mit Handylärm im Zug gemacht? Erzählen Sie in der Kommentarspalte von Ihren Erfahrungen.

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