Aktualisiert 22.01.2015 16:15

Integrieren im Unterricht

«Handy-Verbote in der Schule nützen nichts»

Im Kanton Aargau kritisieren Lehrer das rigorose Handyverbot an Schulen. Auch gesamtschweizerisch wird das Thema heiss diskutiert.

von
Cédric Knapp
Soll nicht zuhause bleiben müssen: Smartphone in der Schule.

Soll nicht zuhause bleiben müssen: Smartphone in der Schule.

«Jede Schule kann selber Nutzungsvorschriften festlegen», erklärt Beat Zemp, Präsident des Dachverbands Lehrerinnen und Lehrer Schweiz. «Diese sollten aber pädagogisch sinnvoll sein.» Er selbst hat eine klare Meinung zum Thema: «Eine präventive Massnahme in Form eines Verbots halte ich nicht für sinnvoll.»

Eine Aufhebung des Handy-Verbots wird im Kanton Aargau diskutiert, berichtet die «Aargauer Zeitung». Die Kritik kommt von Lehrern, die das Telefon im Unterricht integrieren wollen, statt es aus dem Schulzimmer zu verbannen.

«Als Alternative zu einem Verbot schlage ich ein Experiment vor, bei dem Schüler eine Woche lang freiwillig aufs Handy verzichten. Das kann für Lehrer und Schüler sehr interessant sein», so Zemp. Den Schülern könne das auch zeigen: Vor 20 Jahren haben alle so gelebt und trotzdem nichts verpasst.

Lilo Lätzsch, Präsidentin des Zürcher Lehrerinnen- und Lehrerverbands, pflichtet Zemp bei: «In der Stadt Zürich gilt eine relativ strikte Regel: Während der Schule ist das Handy weder sicht- noch hörbar. Ich persönlich bin aber der Meinung, dass uns Verbote grundsätzlich nichts bringen.» Sie würde deshalb eher eine pragmatische Lösung vorschlagen. «Das Handy soll im Klassenzimmer tabu bleiben, ausserhalb jedoch benutzt werden dürfen», sagt Lätzsch.

Integration statt Verbot

«Im Vordergrund von Handyverboten steht, dass die Schüler während der Unterrichtszeit nicht abgelenkt werden. Manchmal ist die Versuchung einfach zu gross», beobachtet Bernard Gertsch, Leiter des Verbands Schulleiterinnen und Schulleiter Schweiz. Heutzutage würden die Verbote aber vermehrt gelockert. Moderne Kommunikationstechnologien würden in den Unterricht integriert, indem zum Beispiel versuchsweise mit Tablets gearbeitet wird. «Wir haben positive Erfahrungen damit gemacht. Die Integration neuer Technologien kann sehr lernfördernd sein», so Gertsch.

Auch bei diesen Versuchen bestehe jedoch die Gefahr, auf Social Media abzudriften. Deshalb kommt laut Gertsch eine neue Aufgabe auf die Lehrpersonen zu: «Lehrer müssen sich den gesellschaftlichen Veränderungen anpassen. Dazu gehört auch, den Schülern beizubringen, mit neuen Medientechnologien richtig umzugehen.»

An den PHs werden angehende Lehrer deshalb auf die neue Situation eingestellt. «Wir zeigen auf, dass es mittlerweile auf jeder Schulstufe sinnvolle Anwendungen gibt», sagt Judith Mathez von der Pädagogischen Hochschule der Fachhochschule Nordwestschweiz. «Diese Geräte gehören zum heutigen Leben dazu. Das sollte auch im Unterricht so vermittelt werden.»

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