Aktualisiert 28.07.2016 18:00

Basler StudieHandy-Videos sollen glücklicher machen

Kurze Anleitungsvideos auf dem Smartphone könnten helfen, die Stimmung zu verbessern, wie eine Pilotstudie von Basler Psychologen zeigt.

Basler Wissenschaftler haben bewiesen: Das Schauen von gezielte Videos auf dem Smartphone kann glücklich machen (Symbolbild).

Basler Wissenschaftler haben bewiesen: Das Schauen von gezielte Videos auf dem Smartphone kann glücklich machen (Symbolbild).

Keystone/Remko de Waal

Mit solchen Mikro-Interventionen liessen sich künftig Therapien sinnvoll ergänzen, berichten Basler Forschende mit internationalen Kollegen im Fachjournal «Frontiers in Psychology».

Die Studienteilnehmer fühlten sich wacher, ruhiger und waren besserer Stimmung, nachdem sie psychotherapeutische Übungen am Smartphone durchgeführt hatten. Angeleitet wurden sie dabei durch fünfminütige Videos, wie die Universität Basel am Donnerstag mitteilte. Die Grundlage der Filme sind simpel: Die Probanden werden etwa aufgefordert, sich auf ihre Atmung zu achten oder in aller Ruhe von eins bis zehn zu zählen.

27 Männer getestet

Das Konzept der Muntermacher per Smartphone sei nicht neu, sagt Gunther Meinlschmidt, Professor der Universität Basel, der die Studie durchgeführt hat. «Es gibt bereits Apps zu diesem Bereich, die jedoch nicht wissenschatflich untersucht wurden», sagt er. «Wir wollten jedoch weg vom App, da man mit Videos flexibler arbeiten kann.» Jedes Video sei als einzelner Baustein anzusehen, der individuell zusammengestellt werden kann.

Im Rahmen einer grösseren internationalen Untersuchung liessen die Wissenschaftler um Meinlschmidt 27 gesunde junge Männer die Videos anschauen. Davor und danach bewerteten die Probanden ihre Stimmung – ebenfalls per Fragebogen am Smartphone. Dass lediglich Männer an der wissenschaftlichen Untersuchung teilgenommen haben, sei reiner Zufall, so der Professor.

Zugang erleichtern

Insbesondere Jüngere, die eher selten Therapieangebote wahrnehmen, liessen sich per Smartphone erreichen. Die Wirkung solcher mobiler Mikro-Interventionen wurde aber bisher wenig untersucht, so der Forscher. Mobile Geräte sind zudem im Alltag immer dabei und wären insbesondere in Ländern mit einem Mangel an Therapieangeboten eine wertvolle Unterstützung.

Bei Depression kein Ersatz

Die Pilotstudie zeigt zwar, dass solche Massnahmen vielversprechend sein könnten. Allerdings handelte es sich nur um eine relativ kleine Anzahl Teilnehmer, die zudem nicht an einer psychischen Erkrankung litten.

So räumt denn auch Meinlschmidtgemäss ein: «Nötig sind nun umfassendere Untersuchungen, welche Rückschlüsse zulassen, inwieweit die smartphonegestützten Mikro-Interventionen ursächlich für den Stimmungsanstieg sind, oder Studien mit Patienten mit psychischen Störungen.»

Bei Depressionen oder einer anderen psychischen Erkrankung können die Übungen per Anleitungsvideo die ärztliche Behandlung nicht ersetzen, betonte die Uni Basel. Als eine sinnvolle Ergänzung einer Therapie könnten sich solche Massnahmen jedoch durchaus erweisen. (sda)

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