Aktualisiert 23.01.2008 14:07

Handy zerstören - aus Wut gegen Nokia

Deutschland ist empört über Nokia: Der finnische Konzern will sein Handy-Werk in Bochum schliessen und die Produktion nach Rumänien verlagern. Eine Mehrheit der Deutschen will nun keine Nokia-Handys mehr kaufen. Auch im Internet wird protestiert.

2300 Beschäftigte verlieren ihren Arbeitsplatz. Doch nicht allein diese Tatsache sorgt in Deutschland für Empörung. Das Nokia-Werk arbeitet profitabel, und die Finnen haben 88 Millionen Euro Subventionen für den Standort im strukturschwachen Ruhrgebiet erhalten. Die Verlegung der Produktion nach Rumänien sorgt entsprechend für Unverständnis. 15 000 Personen demonstrierten am Dienstag in Bochum für den Erhalt des Werks.

Damit nicht genug: Gemäss einer von «Spiegel Online» veröffentlichten Umfrage wollen 56 Prozent der Deutschen keine Nokia-Handys mehr kaufen. 68 Prozent der 1000 befragten Bundesbürger zeigten sich überzeugt, der finnische Konzern habe einen Image-Schaden erlitten. Auch Politiker beteiligen sich am Nokia-Boykott: SPD-Fraktionschef Peter Struck will sein Handy austauschen, und CSU-Verbraucherminister Horst Seehofer lässt sogar für sein ganzes Ministerium prüfen, ob ein Boykott zulässig ist. «Das Verhalten der Nokia-Manager erzürnt mich», sagte Seehofer der «Bild»-Zeitung.

Angesichts des Volkszorns gehen die Finnen in die Offensive. Konzernchef Olli-Pekka Kallasvuo gab gegenüber dem «Handelsblatt» Fehler bei der Kommunikation zu, verteidigte aber den Schliessungsentscheid. Nokia produziere in Bochum etwa sechs Prozent aller Handys, der Standort aber verursache «rund 23 Prozent unserer gesamten direkten Lohnkosten». Man wolle aber «eine für alle akzeptable und faire Lösung finden».

Protest im Internet

Der Protest hat sich derweil längst ins Internet ausgedehnt. Auf mehreren Websites können die Bundesbürger ihrem Unmut Ausdruck geben. Kreative Geister toben sich auf YouTube aus (siehe Video). Das Satiremagazin «Titanic» dagegen zielt mit seiner Karikatur in Anspielung auf unheilvolle Zeiten (siehe rechts) auf die Zwiespältigkeit des Widerstands. Denn kritische Stimmen sehen im Nokia-Entscheid eine logische Folge der Globalisierung und einer fragwürdigen Subventionspolitik der deutschen Regierung.

(pbl)

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