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Peterskapelle LuzernHandyklingeln statt Glocken irritiert Passanten

Novum in der Stadt Luzern: Ab sofort bis am 30. Juli ertönt vom Turm der Peterskapelle kein Glockengeläut sondern Handy-Klingeltöne. Dies im Rahmen eines Kunstprojekts.

von
Simon Wespi

Bei der Peterskapelle in Luzern erklingen während zwei Wochen Handy-Klingeltöne statt Glocken. (Video:sda)

Es ist kein Witz. Die nächsten zwei Wochen ertönen am Kapellplatz Handy-Klingeltöne statt Kirchenglocken. Seit mehreren Monaten schweigen die Glocken der Peterskapelle. Denn das älteste Kirchengebäude der Stadt Luzern wird zur Zeit erneuert.

Die verstummten Glocken der Peterskapelle haben nun Klarissa Flückiger und Mahtola Wittmer, Studenten der Hochschule Luzern (HSLU), auf die Idee für ihre Kunstinstallation «Zeitzeichen» gebracht: «Wir fragten uns, wie Anwohner, Passanten und Touristen reagieren würden, wenn das Glockengeläut durch einen Handyklingelton ersetzt würde.»

Zum Nachdenken anregen

Bis zum 30. Juli wird in unregelmässigen Abständen und Längen anstelle des klassischen Glockengeläuts ein Handyklingelton vom Kirchturm zu hören sein. Damit wollen die beiden HSLU-Studentinnen Passanten und Touristen einerseits überraschen und irritieren, aber auch zum Nachdenken anregen.

Heute seien Handytöne präsenter und verbreiteter als Kirchenglocken. «Ertönt ein Handyklingelton, reagieren die meisten Menschen sofort. Es könnte schliesslich eine wichtige Person anrufen, es könnte etwas geschehen sein oder man könnte etwas verpassen», so die Kunststudentinnen.

Ist das Handy der moderne Gott?

Flückiger und Wittmer fragen sich auch: «Wen fragen die Menschen heute um Rat, wenn sie Hilfe brauchen? Mit wem kommunizieren sie, wenn sie alleine sind? Hat der Handyklingelton also die Kirchenglocken ersetzt? Und ist das Handy der moderne Gott?»

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Die nächsten zwei Wochen ertönen am Kapellplatz Handy-Klingeltöne statt Kirchenglocken. Denn das älteste Kirchengebäude der Stadt Luzern wird zur Zeit erneuert und wird in nun für ein Kunstprojekt genutzt.

Die nächsten zwei Wochen ertönen am Kapellplatz Handy-Klingeltöne statt Kirchenglocken. Denn das älteste Kirchengebäude der Stadt Luzern wird zur Zeit erneuert und wird in nun für ein Kunstprojekt genutzt.

Keystone/Alexandra Wey
Die Künstlerinnen Mahtola Wittmer und Klarissa Flueckiger, von links, Studentinnen der Hochschule Luzern, kamen auf die Idee für die Kunstinstallation der Handy-Klingeltöne.

Die Künstlerinnen Mahtola Wittmer und Klarissa Flueckiger, von links, Studentinnen der Hochschule Luzern, kamen auf die Idee für die Kunstinstallation der Handy-Klingeltöne.

Keystone/Alexandra Wey
«Wir fragten uns, wie Anwohner, Passanten und Touristen reagieren würden, wenn das Glockengeläut durch einen Handyklingelton ersetzt würde.»

«Wir fragten uns, wie Anwohner, Passanten und Touristen reagieren würden, wenn das Glockengeläut durch einen Handyklingelton ersetzt würde.»

Keystone/Alexandra Wey

Am Montagvormittag hatten die beiden Kunststudentinnen den Kirchturm für ihre Toninstallation umgebaut. Bei der Glocke befinden sich nun ein Lautsprecher und ein Mischpult, in dem das Klingelzeichen gespeichert ist. Flückiger und Wittmer bestimmen selbst, wann und wie lange das Kirchturm-Handy klingelt. Um die Auflagen der Nachtruhe nicht zu verletzen, ertönen diese jedoch nur zwischen 8 Uhr morgens und 20 Uhr abends. Sie lösen den Ton jeweils via Smartphone aus.

Bei der katholischen Kirche der Stadt Luzern fand man diese Idee des Projekts super: «Die Hochschule ist auf uns zugekommen und es ist toll, dass wir während des Umbaus zusammen etwas auf die Beine stellen können», sagt Projektleiter Florian Flohr. Dieses Projekt sieht die Kirche als Chance: «Wir können zeigen, das die katholische Kirche nicht nur traditionell ist, sondern dass wir auch die heutige Zeit in den Blick nehmen. Was heute die Menschen interessiert, sind halt Klingeltöne und die bestimmen manchmal das Leben», so Flohr.

«Originell und Zeitgemäss»

Bei den Passanten kommt der ungewohnte Klingelton gemischt an: «Ich finde dies originell und zeitgemäss», sagt etwa ein Luzerner. Anders tönt es bei einer Passantin aus Bern: «Ich finde dies sehr unpassend. Es hat keinen Zusammenhang mit der Kirche.» Die Peterskapelle wird noch bis am 8. Dezember saniert, bevor sie wieder öffentlich zugänglich sein wird.

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