22.02.2019 10:32

Mobilezone

Handykunden nervt der 100-Franken-Gutschein

Mobilezone bietet Kunden 100-Franken-Gutscheine an, wenn sie zu Hause einen Makler empfangen. Das stört Konsumentenschützer.

von
B. Zanni
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An der Kasse bot ein Mobilezone-Verkäufer einer Kundin an, den Betrag für eine SIM-Karte mit einem 100-Franken-Gutschein zu verrechnen. Gleichzeitig machte er sie darauf aufmerksam, dass sie im Gegenzug mit einem verbindlichen Termin für eine Versicherungsberatung von Global Sana einverstanden sein müsse.

An der Kasse bot ein Mobilezone-Verkäufer einer Kundin an, den Betrag für eine SIM-Karte mit einem 100-Franken-Gutschein zu verrechnen. Gleichzeitig machte er sie darauf aufmerksam, dass sie im Gegenzug mit einem verbindlichen Termin für eine Versicherungsberatung von Global Sana einverstanden sein müsse.

Keystone/Christian Beutler
Die Kundin unterschrieb und verliess das Geschäft mit neuer SIM-Karte und zwei Franken mehr im Portemonnaie. Hätte sie den Termin nicht wahrgenommen, wäre ihr der Gutschein verrechnet worden.

Die Kundin unterschrieb und verliess das Geschäft mit neuer SIM-Karte und zwei Franken mehr im Portemonnaie. Hätte sie den Termin nicht wahrgenommen, wäre ihr der Gutschein verrechnet worden.

Screenshot/Twitter
Wenige Tage später empfing die Frau einen Makler von Global Sana bei sich zu Hause. Erfolglos versuchte er, ihr während des einstündigen Beratungstermins eine Zusatzversicherung zu verkaufen.

Wenige Tage später empfing die Frau einen Makler von Global Sana bei sich zu Hause. Erfolglos versuchte er, ihr während des einstündigen Beratungstermins eine Zusatzversicherung zu verkaufen.

Skynesher

Eine Mutter schloss für ihre beiden Kinder beim Schweizer Telecomspezialisten Mobilezone kürzlich ein Handy-Abo ab. Für 98 Franken brauchte sie zudem eine SIM-Karte. An der Kasse bot ihr der Verkäufer an, den Betrag mit einem 100-Franken-Gutschein zu verrechnen. Gleichzeitig machte er sie darauf aufmerksam, dass sie im Gegenzug mit einem verbindlichen Termin für eine Versicherungsberatung von Global Sana einverstanden sein müsse. Die Kundin unterschrieb und verliess das Geschäft mit neuer SIM-Karte und zwei Franken mehr im Portemonnaie.

Wenige Tage später empfing die Frau einen Makler von Global Sana bei sich zu Hause. Erfolglos versuchte er, ihr während des einstündigen Beratungstermins eine Zusatzversicherung zu verkaufen. Hätte sie den Termin nicht wahrgenommen, wäre ihr der Gutschein verrechnet worden.

«Höchst fragwürdige Verträge an der Kasse»

Der Stiftung für Konsumentenschutz SKS ist zurzeit eine Handvoll solcher Fälle bekannt. Cécile Thomi, Leiterin Recht beim Konsumentenschutz, kritisiert das Angebot scharf. Die Kunden fühlten sich überrumpelt. «Es ist höchst fragwürdig, wenn ein Telecomshop seine Kunden an der Kasse Verträge für die Vermittlung von Versicherungen unterschreiben lässt», sagt Thomi. Auch nicht direkt betroffene Kunden stören sich am Gutschein. «Mobilezone ist für mich gerade gestorben», twitterte ein User. Eine solche Geschäftspraktik dürfe nicht unterstützt werden.

Global Sana führt auf ihrer Website 18 Partner auf, darunter auch Krankenversicherer wie Sanitas, Visana, CSS und Helsana. Das Problem greift laut Thomi noch viel weiter. Es stelle sich die Frage, ob Krankenkassen die Gelder der Prämienzahler missbrauchten. «Nicht akzeptabel wäre, wenn Krankenkassen Prämiengelder aus der Grundversicherung dafür einsetzen würden, damit Anbieter, die nichts mit dem Gesundheitswesen zu tun haben, ihnen zu Kundschaft verhelfen.» Ebenso inakzeptabel sei auf der anderen Seite, Kunden an der Kasse mit generell branchenfremden Angeboten zu überrumpeln.

«Global Sana will Kunden nicht belästigen»

Manzur Tan, Leiter Marketing und Vertrieb bei Global Sana, sagt, dass sich die Firma an die Branchenvereinbarung von Santésuisse halte und deshalb keine telefonischen Kaltakquisen mache. Dabei handle es sich um Anrufe ohne Absprache oder Geschäftsbeziehung. Global Sana suche deshalb immer wieder neue Wege, um Beratungsgespräche führen zu können, sagt Tan. «Viele Makler belästigen die Kunden mit nervigen Call-Center-Anrufen, von denen wir uns vehement distanzieren.» Stattdessen nutzten sie die Gutscheine als Weiterempfehlungsmarketing. «Wir wollen die Kunden nicht mit Kaltakquisitionen und Telefonanrufen verärgern.»

Laut Tan bezahlt Global Sana den Beratern einen angemessenen Fixlohn. «Bei einem Vertragsabschluss mit Zusatzversicherung erhalten die Berater je nach Leistung eine Provision von mindestens 40 Franken», sagt Tan. Unter Verkaufsdruck stünden die Makler nicht. «Sie müssen nicht um jeden Preis einen Vertrag abschliessen, um überleben zu können.»

Gregor Vogt, Leiter Marketing und Kommunikation bei Mobilezone, begründet den Gutschein mit einem zusätzlichen Service für die Kunden. Diese erhielten bei Mobilezone eine unabhängige Beratung für ihr Handy, TV und ihren Internetvertrag. «Global Sana bietet eine solche Beratung für entsprechende Versicherungsverträge an.» Finanzielle Informationen über ihren jährlichen Geschäftsbericht hinaus lege Mobilezone nicht offen.

«Wussten nichts von der Praxis»

Die Gutscheine sind nicht im Sinne des Krankenkassenverbands Santésuisse. Die Krankenversicherer bemühten sich um möglichst hohe Qualität bei den Vermittlern, sagt Santésuisse-Sprecher Matthias Müller. «So wollen wir beispielsweise, dass niemand ohne Vorwarnung per Telefon kontaktiert wird.» Auch sollten Kunden nicht quasi zu einem Termin gedrängt werden. «Mit der Aussicht, 100 Franken sparen zu können, geht das in diese Richtung», sagt Müller.

Krankenkassen, die Partner von Global Sana sind, sind über die Gutscheine zudem nicht informiert. «Wir wussten von der Zusammenarbeit mit Mobilezone, nicht aber von dieser Praxis», sagt Helsana-Sprecher Stefan Heini. Sie würden nun mit Global Sana das Gespräch suchen.

«In vereinzelten Fällen gibt es schwarze Schafe»

Der Verband Santésuisse kämpft mit seiner Branchenvereinbarung schon lange gegen Kaltakquisen. Der Verband fordert, diese Standards für Grund- und Zusatzversicherungen gesetzlich zu verankern. So verfolgt der Verband das Ziel einer Einsparung im Bereich der obligatorischen Krankenpflegeversicherung, indem die Finanzierung der Kosten von Kaltakquisen gestrichen und die Finanzierung der Provisionskosten der Vermittler limitiert wird.

Laut Müller arbeiten Krankenversicherer korrekt, transparent und kundenfreundlich. «Allerdings können wir – wie in allen Bereichen auch – nicht gänzlich ausschliessen, dass es in vereinzelten Fällen schwarze Schafe gibt.» Grundsätzlich sei es Sache des Versicherungsberaters, die Qualitätsstandards zu sichern.

So werben Anbieter mit Gutscheinen

Im letzten Herbst warb die Sympany-Versicherung mit dem Slogan «Online abschliessen und Gutschein sichern» für die eigene Grundversicherung. Der Deal: Wird eine Grundversicherung online abgeschlossen, gibts Zalando- oder Migros-Gutscheine im Wert von 100 bis 150 Franken dazu.

Auch die Helsana verteilt Gutscheine an ihre Neukunden. Jedoch nur, wenn sie von einem Bestandskunden vermittelt worden sind. In diesem Falle erhalten beide Gutscheine im Wert von 50 Franken, wahlweise von Media-Markt, Ochsner Sport oder Coop.

Den Stein ins Rollen brachte vor zehn Jahren die Sanitas. Im Kampf um Neukunden setzte man auf folgende Strategie: Wer eine Grundversicherung mit Zusatzversicherung abschloss, erhielt als Antrittsprämie 10'000 Flugmeilen des Swiss-Bonusprogramms Miles&More. Schloss man eine Privatversicherung ab, gabs gar 20'000 Meilen.

Laut der Stiftung für Konsumentenschutz kommt es auch vor, dass Wettbewerbsdurchführer mit einem branchenfremden Anbieter in einer vertraglichen Verbindung stehen. So werden die Teilnehmer eines Wettbewerbs dazu aufgefordert, gleichzeitig den Fragebogen eines branchenfremden Anbieters auszufüllen. (jk)

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