Bademeister warnen: Handys in der Badi gefährden Kleinkinder
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Bademeister warnenHandys in der Badi gefährden Kleinkinder

Der Schweizerische Badmeister-Verband schlägt Alarm: Sind die Eltern nur 20 Sekunden unachtsam, kann das für Kinder tödliche Folgen haben.

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chi
Verbot gefordert: Ein Smartphone in einem Freibad. (Symbolbild)

Verbot gefordert: Ein Smartphone in einem Freibad. (Symbolbild)

Keystone/Marius Becker

Wenige Wochen nach Eröffnung der Badesaison hat der oberste Bademeister schon zahlreiche Verwarnungen aussprechen müssen. Michael Kunz, Präsident des Schweizerischen Badmeister-Verbandes (SBV), ist besorgt: «Viele Mütter oder Väter sind in der Badi derart in ihr Handy vertieft, dass sie ihre Aufsichtspflicht nicht mehr wahrnehmen können, sagt er gegenüber der «Schweiz am Wochenende». «Sie sitzen zwar in der Nähe ihrer badenden Kleinkinder, bekommen aber kaum etwas mit.»

Beinahe täglich müsse er Eltern darauf aufmerksam machen und immer wieder Kinder aus dem Wasser ziehen, erzählt der in Bolligen BE tätige Bademeister. Erst kürzlich habe er ein kleines Mädchen aus dem Kinderbecken retten müssen, während die Mutter mit ihrem Smartphone beschäftigt gewesen sei. Diese Entwicklung sei auch in anderen Badis zu beobachten. «Eigentlich müsste man ein Handyverbot zumindest prüfen, denn es geht um Kinderleben», so Kunz.

«In der Badi zu sein ist Knochenarbeit»

Auch Philipp Binaghi von der Schweizerischen Lebensrettungs-Gesellschaft (SLRG) ist mit dem Problem vertraut. «Kinder dürfen nur begleitet ans Wasser, und kleine Kinder müssen sogar stets in Griffnähe beaufsichtigt werden», sagt er in der Zeitung. «Die Bademeister, selbst wenn es mehrere pro Badi hat, können unmöglich Kindergärtner sein.»

Weil Kinder sich unmöglich selber schützen können, seien die Eltern gefordert, sagt Binaghi. «In der Badi zu sein, hat nichts mit Erholen oder so zu tun, das ist harte Knochenarbeit, denn Ertrinken ist bei Kindern die zweithäufigste Unfallursache mit Todesfolge nach Verkehrsunfällen.»

Kinder fallen meistens auf den Vorderkopf

Binaghi zeigt Verständnis für das von den Bademeistern geforderte Handyverbot. «Kinder fallen meistens auf den Vorderkopf und können innerhalb von 20 Sekunden ertrinken.» Für Eltern, die in der Badi am Handy oder am Tablet sind statt bei ihren Kindern, hat er deshalb absolut kein Verständnis.

Die Beratungsstelle für Unfallverhütung (bfu) beschäftigt sich ebenfalls mit dem Thema. Mit Aktionen wolle man die Leute in den Badis sensibilisieren, sagt Sprecher Marc Bächler in der «Schweiz am Wochenende». «Dies passiert unter anderem mit Plakaten, aber auch mit T-Shirts, welche die Badmeister tragen können und damit die Besucher in der Badi auf die Problematik aufmerksam machen.»

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