Kosten und Sicherheit: Handys in Kinderhänden
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Kosten und SicherheitHandys in Kinderhänden

Jugendliche und auch Kinder gehen nicht mehr ohne Handy ausser Haus. Sie pflegen damit Freundschaften und surfen unterwegs im Internet. Das kann ins Geld gehen.

von
Angela Meissner

Laut einer Umfrage der Zeitschrift «Beobachter» unter 115 Schulkindern in Zug, Ilanz und Thun haben heute 88 Prozent der 12- bis 14-Jährigen ein Handy. Meist zusätzlich zu Computer, Spielkonsole und Fernseher. Doch mit den Chancen der Geräte sind auch Risiken verbunden.

Kontrolle über die Handykosten

Durch Kostenkontrolle können Sie böse Überraschungen bei der Handyrechnung vermeiden. Kaufen Sie am besten ein Prepaid-Modell. Es hat den Vorteil, dass nur so viel telefoniert werden kann, wie zuvor Guthaben aufgeladen wurde. Ihr Sohn oder Ihre Tochter kann jederzeit schauen, wie viel Geld sie noch auf ihrem Telefonkonto haben.

Legen Sie zu Beginn fest, wie viel vom Taschengeld maximal für das Handy eingeplant werden kann. Die Schweizer Organisation «Budgetberatung», eine Dachorganisation von rund 35 Budgetberatungsstellen, empfiehlt, monatlich zehn bis 20 Franken für Handykosten zu veranschlagen. Ist das Geld Mitte des Monats schon verbraucht, kann eben nicht mehr telefoniert werden. Versprechen Sie auf keinen Fall mehr. So lernt Ihr Sohn oder Ihre Tochter mit Finanzen umzugehen.

Ein Kind braucht nicht von Anfang an ein internetfähiges Handy. Oft haben neueste Modelle viele Extras, die Ihr Kind gar nicht versteht. Wenn es älter ist, kann es selbst einschätzen, ob es so etwas braucht. Hat Ihr Kind Erfahrung mit einem Mobilfunkgerät, können Sie zusammen ein Vertragshandy mit Internetzugang kaufen. Viele Anbieter haben mittlerweile Angebote mit Kostenkontrolle. Fragen Sie beim Kauf danach.

Anonyme SMS

Erhält Ihr Kind ein SMS, dessen Absender Sie und es selbst nicht kennen, rufen Sie auf keinen Fall zurück. Es könnte sich eine teure Mehrwertnummer dahinter verstecken. Machen Sie Ihrem Sohn oder Ihrer Tochter klar, dass Gewinnversprechen in SMS häufig nur ein Vorwand sind, um herauszufinden, ob die Telefonnummer existiert. Weisen Sie sie darauf hin, dass sie auf keinen Fall einer Aufforderung zum Download oder Aufrufen von Webseiten von fremden Absendern folgen sollen. Die Schweizerische Kriminalprävention empfiehlt, solche SMS sofort zu löschen.

Klären Sie Ihren Nachwuchs darüber auf, dass beim Herunterladen von Klingetönen und Musik hohe Kosten entstehen können. Lesen Sie zusammen im Internet vorher nach, was ein Download kosten würde. Telefongespräche aus dem Ausland oder zu einer ausländischen Nummer sind ebenfalls preisintensiv.

Schauen Sie sich gemeinsam mit Ihrem Kind die Telefonrechnung an. Sprechen Sie mit ihnen über unerklärliche und teure Posten.

Geht das Mobilfunkgerät verloren, sollten Sie es sofort sperren lassen. Zusätzlich sollte es immer mit einem PIN-Code, einem Geheimcode, der beim Einschalten einzugeben ist, geschützt werden. So kann niemand auf Ihre Kosten damit telefonieren.

Kontrolle über ungeeignete Inhalte

Mobile Telefongeräte mit Internetzugang oder einer Schnittstelle wie Bluetooth können Plattformen für Inhalte sein, die gegen den Jugend- und Kinderschutz verstossen. Bluetooth macht eine Funkübertragung zwischen Geräten über kurze Distanz möglich.

Es kommt vor, dass auf Schulhöfen Gewaltvideos über das Handy ausgetauscht werden. Auch machen heimlich gedrehte Videoaufnahmen von ahnungslosen Opfern die Runde. Pornografische Internetseiten können ebenso problemlos angeschaut werden. Teenager machen sich strafbar, wenn sie Gewaltdarstellungen und Pornographie untereinander weitergeben, zeigen, vom Internet herunterladen oder herstellen.

Klären Sie Ihr Kind über die Gefahren auf. Fragen Sie von Zeit zu Zeit nach, ob beunruhigende Fotos, Videos oder Nachrichten auf dem Handy aufgetaucht sind. Ist das der Fall oder haben Sie zumindest einen Verdacht, dann lassen Sie sich von der Polizei beraten.

Informieren Sie sich bei Ihrem Anbieter, wie die Schnittstelle Bluetooth deaktiviert werden kann. Erklären Sie Ihrem Sohn oder Ihrer Tochter, dass diese nur angeschaltet sein sollte, wenn sie gebraucht wird.

Fragen Sie beim Kauf des neuen Handys nach, ob der Anbieter eine Erotiksperre aktivieren kann. Bei einigen wird diese automatisch eingestellt, wenn das Gerät auf einen Jugendlichen ausgestellt wird.

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Kostenfallen

Musik: Wer sich Musik aus dem Internet per Handy herunter lädt, muss zum einen die Internetverbindungskosten zahlen. Zum anderen fallen Gebühren für die Musiktitel an. Und: Das Herunterladen von Musik aus dem Internet ist laut der Stiftung für Konsumentenschutz erlaubt, verboten ist jedoch das Heraufladen.

Klingeltöne und Logos: Häufig locken Anbieter mit gratis Klingeltönen in der Fernseh- oder Zeitschriftenwerbung. Dahinter können teure Klingelton-Abonnements stecken. Ungewollt zahlen Sie so monatlich für Extras, die Sie gar nicht wollen. Zudem dauert es zum Teil sehr lang, bis ein Klingelton oder Logo herunter geladen ist. Das verursacht zusätzliche Verbindungskosten.

Fotos und Videos: Das Verschicken von Fotos und Videos, meist per MMS, ist sehr teuer, weil grosse Datenmengen versendet werden müssen. Auch das Herunterladen dieser Dateien aus dem Internet kann teuer werden.

Fremde SMS: Fremde SMS gelangen auf das Handy, weil Kinder zum Beispiel im Internet ihre Nummer weitergegeben haben. Diese SMS fordern mitunter dazu auf, einen Bezahlcode einzugeben oder eine teure Nummer anzurufen. Erklären Sie Ihren Kindern, die Schritte in solchen SMS nicht zu befolgen. Und vor allem sagen Sie Ihrem Kind, dass es nie seine Handynummer im Internet eingeben sollte.

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