Aktualisiert 06.02.2014 13:58

Devisenskandal

Handyverbot für UBS-Trader

Der Skandal um die Devisenmanipulationen weitet sich aus. Im Fokus der Ermittlungen stehen auch Schweizer Banken. Bei der UBS gilt für Trader während der Arbeit ein totales Handyverbot.

von
ame
Devisenskandal: Für UBS-Trader gilt ein absolutes Handyverbot.

Devisenskandal: Für UBS-Trader gilt ein absolutes Handyverbot.

Die weltweiten Ermittlungen gegen Devisenhändler in den Finanzhäusern nehmen drastisch zu. Im Fokus der Ermittler steht auch die UBS. Wie ein Insider gegenüber dem «Tages Anzeiger» sagte, liegen die Nerven bei der Grossbank blank: «Die Trader haben totales Handyverbot. Nicht einmal aufs WC dürfen sie ihr Telefon mitnehmen.» Auf Anfrage von 20 Minuten weist die UBS darauf hin, dass ein solches Verbot schon seit Jahren gelte. Es diene der Prävention des Insiderhandels.

Die UBS will sich zu den Vorwürfen im Devisenskandal nicht äussern. Sie betont auf Anfrage lediglich, dass sie mit den Behörden zusammenarbeiten und mit Blick auf «bestimmte Personen» passende Massnahmen ergreifen würde. Bereits im Herbst entliess die UBS mehrere Top-Devisenhändler.

Bei den Manipulationsvorwürfen geht es um eine von anderen Märkten her bekannte Praxis: Da die Banker wissen, welche Deals sie für ihre Kunden tätigen werden, können sie die Wechselkurse durch geschicktes Timing gezielt steuern.

Ermittlungen auch gegen Credit Suisse

Vom Skandal betroffen ist auch die Credit Suisse. Wie die Nachrichtenagentur SDA berichtet, hat der New Yorker Bankenaufseher Benjamin Lawsky Einsicht in Unterlagen von mehreren Banken verlangt, darunter auch die Credit Suisse. Diese gibt in einer Stellungnahme aber bekannt, in ihrem Devisen-Handel keine fehlerhaften Manipulationen festgestellt zu haben.

Die Untersuchungen der Behörden sind allerdings noch in vollem Gang. Für CS-Finanzchef David Mathers ist es daher zu früh, eine definitive Aussage zu machen. Die Untersuchungen würden wohl noch mindestens ein halbes Jahr, möglicherweise auch länger, dauern, sagt Mathers an einer Telefonkonferenz am Donnerstag.

Julius Bär von Finma kontaktiert

Ebenfalls in Devisenuntersuchungen verwickelt ist Julius Bär. CEO Boris Collardi bestätigte am Montag, dass die Privatbank von der Finanzmarkaufsicht Finma kontaktiert worden sei. Im Zentrum stünden Banker, die vor Kurzem zur Privatbank gewechselt hätten, sagte ein Sprecher von Julius Bär.

Anfang Oktober 2013 hatte die Finma eine Untersuchung bei mehreren Schweizer Banken gestartet, die sie verdächtigt, Referenzkurse für eine Reihe von Währungen bewusst manipuliert zu haben. Die beiden Grossbanken UBS und Credit Suisse sowie die Schweizerische Bankiervereinigung lehnten damals eine Stellungnahme ab.

Auswirkungen des Skandals kaum abschätzbar

Wie teuer der Skandal fehlbare Banken zu stehen kommen könnte, ist kaum abschätzbar. Eine Busse dürfte aber hoch ausfallen und die Finanzhäuser empfindlich treffen. Zum Vergleich: Infolge des Libor-Skandals musste die UBS 1,5 Milliarden Dollar bezahlen und entging in den USA nur knapp einer Starfanzeige.

Doch nicht nur den Schweizer Banken droht Ungemach. Am Mittwoch meldete die Agentur Bloomberg, dass zwei führende Partner von Goldman Sachs die Bank verlassen hätten. Am Dienstag trennte sich die englische Bank Lloyds von einem Devisenhändler. Die Deutsche Bank setzte drei Händler in New York vor die Tür. Diese Abgänge zeigen, dass die Ermittler ihre Untersuchungen deutlich intensiviert haben. (ame/sda)

Skandal in Chatrooms aufgedeckt

Am Devisenmarkt werden täglich 5,3 Billionen Dollar umgesetzt. Damit ist er der grösste Handelsplatz der Welt, ist bis heute aber unreguliert. Die Devisengeschäfte werden bilateral zwischen den Banken getätigt, satt dass sie wie bei Aktien über öffentliche Plattformen abgewickelt werden. Entdeckt worden sind die Devisenmanipulationen in Chatrooms mit Namen wie «Banditen-Klub» oder «Mafia», in denen sich Devisenhändler mehrerer Grossbanken abgesprochen haben.

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