Aktualisiert 06.12.2017 15:59

Luzern

Handyverbot sorgt für Ärger bei Kantischülern

An der Kanti Reussbühl herrscht ein Handy-Verbot. Schüler empfinden dieses als unfair und übertrieben, die Schulleitung hält es für pädagogisch sinnvoll.

von
jas
Das neue Handy-Reglement an der Kantonsschule Reussbühl stösst bei den Schülern auf Unverständnis.

Das neue Handy-Reglement an der Kantonsschule Reussbühl stösst bei den Schülern auf Unverständnis.

Dienststelle Immobilien Kanton Luzern

Seit diesem Schuljahr gibt es an der Kantonsschule Reussbühl in Luzern eine neues Handy-Reglement. «Wir dürfen unser Handy nur noch im obersten Stock gebrauchen. Nicht einmal auf dem Flur oder in der Mensa dürfen wir es benutzen», beklagt sich ein 16-jähriger Schüler, der Mitglied des Schülerrats der Kantonsschule ist. «Auch viele andere der 700 Schülerinnen und Schüler an unserer Kantonsschule finden das neue Reglement echt übertrieben.» Täglich würden einige Handys von den Lehrern beschlagnahmt. Diese landen im Sekretariat – und können erst nach Schulschluss abgeholt werden.

«Wir haben drei Handyzonen»

Früher gab es ein zeitlich geregeltes Handyverbot. Seit diesem Schuljahr ist es örtlich definiert, bestätigt Rektorin Annette Studer von der Kantonsschule Reussbühl. «Wir haben drei Handyzonen.» Nur im Obergeschoss, im Eingangsbereich des Ergänzungsbaus und «draussen auf dem Schulhausareal dürften Nachrichten auf dem Handy gecheckt werden.

Der Schüler klagt jedoch, dass die Handy-Zone im Obergeschloss über die Mittagszeit meist komplett besetzt sei. «Jene, die wirklich arbeiten wollen, können sich nur schwer konzentrieren oder finden überhaupt keinen Platz.» Die Rektorin hingegen sagt, sie habe nicht den Eindruck, dass es zu wenig Platz gebe.

Neues Reglement bereits Lockerung

Das neue Handy-Reglement sei «mühsam», sagt der 16-Jährige. «Wir haben so etwa keine Möglichkeit, schulinterne E-Mails auf unserem Handy zu lesen.» Neulich sei eine Unterrichtsstunde ausgefallen. Kein Schüler wusste davon, da dies per E-Mail kommuniziert wurde. Der Schüler befragte in diesem Schuljahr einige Kollegen über das Handyverbot. Alle seien sich einig. «Wenn es keine Aufhebung des jetzigen Handy-Reglements gibt, wollen wir wenigstens eine Lockerung», so der Kantischüler. Rektorin Studer betont, dass das neue Handy-Reglement bereits eine Lockerung darstelle.

Die Schüler würden sich zudem über die Lehrer nerven, die auf den Gängen ihre Handy benutzen. «Das ist nicht fair und nicht gerade vorbildlich», so der Schüler. «Wenn schon müssten sich alle ans Reglement halten.» Studer widerspricht: «Ich sehe keine Lehrer mit Handys durch die Flure laufen.»

Verbot muss verhältnismässig sein

«Allgemein gilt, dass Schulen pädagogische Gründe haben, wenn sie solch ein Handy-Verbot aussprechen», so Beat W. Zemp vom Dachverband Schweizer Lehrerinnen und Lehrer LCH. Dennoch sei es wichtig, dass die Gründe für ein Verbot klar kommuniziert würden und verhältnismässig seien.

Dass selbst in der Mensa der Kanti Reussbühl ein Handyverbot gilt, begründet Rektorin Studer damit, dass die Mensa ein Ort für die Gemeinschaft und für Gespräche sei. Die ständige Ablenkung durch digitale Medien selbst während des Essens sei problematisch für die Gesundheit und die Konzentrationsfähigkeit. Der Schüler sieht das anders: «Auch wenn ich das Handy etwa in der Mensa benutze, bin ich nicht ausgeschlossen von der Gemeinschaft. Es ist ein wichtiger Bestandteil der heutigen Welt und ein wichtiges Kommunikationsmittel.»

«Wir sind im Gespräch»

Das Handy-Problem wurde bereits vom Schülerrat der Prorektorats-Leitung gemeldet. Es bleibe so, wie es sei, habe die Rektorin den Schülern entgegnet. «Wir sind regelmässig im Gespräch mit dem Schülerrat und müssen erst mal schauen, wie sich das seit letztem August eingeführte neue Handy-Reglement bewährt», sagt Studer.

*Name der Redaktion bekannt

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