Hanf als Kuhfutter: Freispruch für Bauer

Aktualisiert

Hanf als Kuhfutter: Freispruch für Bauer

Obwohl er seinen Milchkühen Drogenhanf zu fressen gab, ist ein 26-jähriger Bauer aus dem Thurgau freigesprochen worden.

Gemäss Gerichtsurteil vom Freitag hat der Bauer aus Amriswil gegen kein Gesetz verstossen, als er seine Kühe letzes Jahr mit Hanf gefüttert hatte. Die gegen ihn ausgesprochene Busse von 500 Franken wegen Verstosses gegen das Lebensmittelgesetz und das Landwirtschaftsgesetz wird deshalb aufgehoben. Der Bauer wird mit 300 Franken entschädigt.

Zwar habe der Bundesrat die Verfütterung von Hanf an Kühe per 1. März 2005 verboten. Wegen einer Unsauberkeit bei der Anpassung eines Gesetzesparagrafen in der Futtermittelverordnung habe das Verbot bis Ende letzten Jahres aber nicht gegolten, sagte der Bezirksgerichtspräsident bei der Urteilseröffnung.

Kein Freipass

Der Freispruch sei jedoch kein Freipass für die künftige Verfütterung von Hanf an Kühe, warnte der Gerichtspräsident den jungen Bauern. Nach der entprechenden Änderung der Futtermittelverordnung habe sich die Rechtslage seit dem 1. Januar 2006 geändert, und das bundesrätliche Verbot gelte.

Der Angeklagte stand am Freitag zum zweiten Mal vor dem Strafgericht, um neue Beweise vorzubringen. Er zitierte aus einem Brief des Thurgauer Landwirtschaftsamtes. Darin stehe, dass Hanf den Tieren nicht schade.

Keine Gefahr für Konsumenten

Zudem habe man nicht stichhaltig nachweisen können, dass die im Hanf enthaltende psychoorganische Substanz THC in die Milch übergehe. Er habe die Konsumenten seiner Milch keiner Gefahr ausgesetzt. Deshalb müsse er freigesprochen werden, hatte der 26- Jährige an der ersten Verhandlung vor dem Bezirksgericht Bischofszell argumentiert.

Gemäss Anklageschrift hatte der Bauer den Behörden im Juni 2005 vorschriftsmässig gemeldet, dass er Hanf der Sorte «Buurehanf» anbaue. Als Verwendungszweck schrieb der 26-Jährige auf das Formular: Fütterung der Kühe.

Von Verbot gewusst

Die Strafverfolgungsbehörden schalteten sich ein. Sie machten den Angeklagten darauf aufmerksam, dass er eine nicht bewilligte Hanfsorte angebaut habe. Das Füttern sämtlicher Hanfsorten an Nutztiere sei verboten.

Im Oktober 2005 entnahm die Polizei im Hanffeld des Bauern Proben und liess diese kriminaltechnisch untersuchen. Die Hanfblüten hätten einen THC-Gehalt von 2 Prozent aufgewiesen, so die Anklageschrift. Der Grenzwert für Industriehanf liege jedoch bei 0,3 Prozent.

Bessere Milch

Trotzdem habe der Bauer seinen Kühen insgesamt 1,3 Tonnen eines Hanf-Maisgemisches verfüttert. Gemäss der Ansicht des Bauers wird die Milch dadurch besser. Zudem seien die Kühe aufnahmefähiger, weshalb Besamungskosten gespart werden könnten.

Gemäss wissenschaftlichen Studien, auf welche sich das Bundesamt für Gesundheit stützt, geht THC in die Milch über. Trinke ein Kind drei bis vier Deziliter Milch, könnte dies eine halluzinogene Wirkung haben, hat eine Studie ergeben. Die Vereinigung Sanasativa, welche den Jungbauern beraten hat, beurteilt diese Untersuchungen als nicht stichhaltig.

(sda)

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