Aktualisiert 05.09.2006 16:23

Hanf-Razzia: Kritik an Behörden

Das Grüne Bündnis und das Berner Kulturzentrum Reitschule haben die Stadtbehörden im Zusammenhang mit einer Hanf- Razzia auf dem Balkon einer Reithalle-Wohngegmeinschaft vom Montag kritisiert.

Polizeidirektorin Barbara Hayoz weist die Vorwürfe zurück.

Die Stadtbehörden hätten mit der Razzia ihr Konzept einer umfassenden Drogenpolitik offengelegt, heisst es in einer Mitteilung der Reithalle vom Dienstag.

Ein Dorn im Auge sei den Behörden der Hanfanbau für den Eigengebrauch und nicht die «offene Drogenszene» unter der Eisenbahnbrücke vor der Reitschule, obschon hier eine vor allem für Jugendliche verheerende Durchmischung von harten und weichen Drogen stattfinde.

Runder Tisch geplant

Die Reitschule behalte sich vor, auf diese Provokation mit «spontanen Aktivitäten zu reagieren». Zur Diskussion stehe die Einberufung eines Runden Tisches zur Drogenproblematik. Dazu eingeladen werden sollen in den kommenden Wochen alle Betroffenen, inklusive Behörden und Drogenkosumierende, wie Sandro Wiedmer von der Reitschul-Betriebsgruppe auf Anfrage sagte.

Auch das Grüne Bündnis übte in einer Mitteilung Kritik an Polizei und Gemeinderat. Die Behörden müssten das Betäubungsmittelgesetz zwar umsetzen, hätten dabei «aber durchaus Handlungsspielraum». Das GB erwarte vom Gemeinderat die Zusicherung, dass diese Aktion «nicht als Beginn einer rückläufigen Politik in Sachen Jagd auf Hanfpflanzen» zu werten sei.

Hayoz unbeeindruckt

Die Polizei habe nicht die Wahl, Hanfanbau zu verfolgen oder nicht, sagte die städtische Polizeidirektorin Barbara Hayoz auf Anfrage. Beim Anbau von Drogenhanf handle es sich um ein Offizialdelikt. Zudem sei im konkreten Fall eine Anzeige aus der Bevölkerung erfolgt und die Polizei habe auf Anweisung des zuständigen Untersuchungsrichters gehandelt.

Dass die Polizei die Zustände vor der Reithalle toleriere, stimme nicht, sagte Hayoz. In den vergangenen Monaten seien immer wieder Razzien durchgeführt und Dealer teils bis in die Reithalle verfolgt worden. Bei diesen Gelegenheiten habe die Polizei «von den gleichen linken Kreisen Schelte bekommen, die uns nun ein unverhältnismässiges Vorgehen vorwerfen».

Die Kritiker wüsssten offenbar selber nicht, wass sie wollten, sagte Hayoz. Für den vorgeschlagenen Runden Tisch sei die Stadtpolizei jedoch offen.

(sda)

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