St.Gallen: Hanfausstellung an der Offa sorgt für Kritik
Aktualisiert

St.GallenHanfausstellung an der Offa sorgt für Kritik

Ausgerechnet die Stiftung Suchthilfe bringt Cannabis im Rahmen einer Sonderschau an die Offa. Das sorgt bei Politikern für Kritik.

von
taw
SVP-Fraktionspräsident Michael Götte.

SVP-Fraktionspräsident Michael Götte.

«Ich kann es kaum glauben, dass eine Suchthilfe positive Werbung für Cannabis macht. Das ist schon sehr problematisch», so der SVP-Fraktionspräsident Michael Götte. Im Rahmen der Frühlings- und Trendmesse (Offa) in St.Gallen nimmt die Stiftung Suchthilfe mit der Sonderschau «Cannabis – vergessene Medizin» die Diskussion rund um die umstrittene Nutzpflanze auf und thematisiert die Geschichte des Hanfs als Medikament. «Es ist unsere Aufgabe, nicht nur auf die Risiken, sondern auch auf die Vorzüge von Cannabis hinzuweisen», so Geschäftsführer Jürg Niggli (20 Minuten berichtete).

Das sieht Götte anders: «Eine Suchthilfe hat primär die Aufgabe, auf Gefahren hinzuweisen und nicht mit Steuergeldern illegale Substanzen positiv darzustellen.» Kritik an der Frage, ob denn die Suchthilfe die richtige Instanz ist, um eine solche Sonderschau zu veranstalten, versteht Niggli zwar – er fragt aber im Gegenzug: «Wer, wenn nicht wir?» Laut Niggli ist Cannabis ein Thema, das interessiert und bei dem gerade im Bereich Medizin ein Informationsdefizit herrscht. «Wir wollen keinesfalls Risiken verharmlosen oder den Konsum von Cannabis verherrlichen, sondern sachlich informieren», so Niggli.

Nicht gefährlicher als Alkohol

Bis 1951 war das Kraut grundsätzlich erlaubt und als Medizin gegen Migräne, Keuchhusten, Asthma und als Schlaf- und Beruhigungsmittel geschätzt. Apotheken verkauften Cannabisprodukte zum Teil bis Anfang der 1970er-Jahre.Cannabis ist in der Schweiz aber verboten, wenn die Pflanze mehr als ein Prozent der berauschenden Substanz THC (Tetrahydrocannabinol) enthält. In seiner legalen Form – als sogenannter Industriehanf – ist er weder als Droge interessant, noch als Medizin geeignet.

2008 kam es zur Volksabstimmung über die Legalisierung von Cannabis. 63 Prozent der Bevölkerung lehnten es ab, den Besitz, Konsum und Handel von Cannabis wieder zuzulassen. Wer einen Joint raucht, verstösst nach wie vor gegen das Betäubungsmittelgesetz. Der Konsum wird aber nur noch mit einer Ordnungsbusse von 100 Franken bestraft.

Viele Experten seien sich darin einig, dass die gesundheitlichen Risiken nicht grösser seien als beim Alkoholkonsum, sagt Niggli. Unbestritten sei aber die problematische Rolle, die Cannabis etwa im Strassenverkehr spielen könne: Wer kifft, fährt schlechter Auto – dies hat eine Anfang Jahr publizierte Studie ergeben.

Therapie ohne Rausch

Durch die Revision des Betäubungsmittelgesetzes kann das Bundesamt für Gesundheit (BAG) neuerdings auch Ausnahmebewilligungen für natürliches Cannabis erteilen, bisher war dies nur synthetischem THC vorbehalten, das laut Niggli weit weniger wirksam und sehr teuer ist. Die schmerzlindernde und entspannende Wirkung der Pflanze wird wissenschaftlich kaum bestritten. Ihr Einsatz gegen Muskelkrämpfe, etwa bei Multipler Sklerose (MS), und zum Lindern von Nebenwirkungen bei Krebstherapien hat sich bewährt. (taw/sda)

Deine Meinung