Aktualisiert 25.10.2011 23:55

Wegen Gerichtsverfahren

Hanfernte unter den Augen der Polizei

Knatsch um ein Hanffeld im solothurnischen Hersiwil: Nachdem ihn die Polizei daran hinderte, darf der Bauer jetzt doch ernten.

von
Patrick Marbach
Bauer Christian Steiner erntet Hanfpflanzen. (Foto: Alessandro Meocci)

Bauer Christian Steiner erntet Hanfpflanzen. (Foto: Alessandro Meocci)

«Wir reissen dich vom Bock und schlagen dich zusammen»: So sollen Polizisten angeblich den Bauern Christian Steiner bedroht haben, als er am Montag sein Hanffeld abernten wollte. Die Erlaubnis dazu hatte der Hersiwiler gleichentags von der Beschwerdekammer des Obergerichts erhalten. Weil es nach Regen aussah, machte er sich sofort ans Werk. «Doch immer wieder stellten sich die Polizisten vor meinen Traktor», klagt Steiner. Erst gestern konnte er seine Pflanzen schliesslich in die Scheune bringen. Dort wird der Hanf nicht wie vorgesehen zu Duftöl verarbeitet, sondern verwahrt, weil er bis vor Bundesgericht Gegenstand mehrerer Verfahren ist. «Als Droge ist mein Industriehanf ungeeignet, da raucht man besser Heublümchen», beteuert Steiner.

Ganz anders sieht es Oberstaatsanwalt Felix Bänziger: «Weil bei den Pflanzen ein THC-Wert von über einem Prozent festgestellt wurde, gehen wir davon aus, dass es sich um Drogenhanf handelt.» Diese Regelung im Betäubungsmittelgesetzt gilt seit Juli. Steiners Hanf wurde deshalb beschlagnahmt. «Die Beschwerdekammer hat ihm zwar erlaubt zu ernten, aber nur unter polizeilicher Aufsicht und mit Sicherheitsmassnahmen», erklärt Bänziger. Diese Voraussetzungen seien am Montag noch nicht erfüllt gewesen, deshalb habe die Polizei intervenieren müssen. Ob Steiner tatsächlich bedroht wurde, klärt die Kapo Solothurn noch ab.

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