«Hanne» : Zahm in der Schweiz, wilder in Deutschland
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«Hanne» : Zahm in der Schweiz, wilder in Deutschland

Die Befürchtungen eines erneuten «Lothar»-Sturms bewahrheiteten sich zum Glück nicht. Das Sturmtief «Hanne» wehte höchstens Bäume um und sorgte am Flughafen Zürich für einige Durchstarts. In Süddeutschland sorgte der Sturm für Überflutungen

Nicht die Winde waren in der Nacht auf Mittwoch vielerorts das Problem, sondern der Regen. Im Kanton Bern und im Aargau mussten die Wehrdienste wegen überfluteter Keller ausrücken, im Bernischen auch wegen Bäumen, die auf Strassen gestürzt waren. MeteoSchweiz mass immerhin Windspitzen von 136 Stundenkilometern im Flachland.

Durchstarts am Flughafen

Im Kanton Zürich wurden bis Dienstag Mitternacht 28 umgestürzte Bäume gezählt. 26 landeten auf Fahrbahnen. 2 der Bäume beschädigten insgesamt 4 Autos. Im Zürcher Unterland kam es während eineinhalb Stunden zu einem Stromausfall. Am Flughafen Zürich Kloten mussten zahlreiche Flugzeuge durchstarten.

In den beiden Basel kippte «Hanne» ein Baugerüst in Sissach BL, knickte eine Strassenlaterne in Reinach BL, warf einen Fischgalgen in Basel um. Daneben wehte sie Bäume und Äste auf Strassen und riss Rolläden ab und Bauabschrankungen um. Im Aargau gingen insgesamt 26 Schadensmeldungen ein.

Zwischen Kandersteg BE und Goppenstein VS nahm die BLS am Mittwoch nach Mittag den regulären Autoverlad wieder auf. Wegen Lawinengefahr im Wallis waren die Autozüge seit Dienstag ohne Halt in Goppenstein nach Brig geführt worden.

Wegen Hochwasser war die Rheinschifffahrt im Raum Basel in der Nacht auf Mittwoch zeitweise eingestellt worden. Die sturmbedingte Hochwasserwelle ebbte aber bereits am Morgen wieder ab. In den Häfen beider Basel waren rund zehn Schiffe blockiert.

Schwere Überflutungen

Wegen gestiegener Pegelstände wurde auch in Süddeutschland an Teilen von Rhein, Mosel und Donau die Schifffahrt eingestellt. Dort sorgte das Sturmtief «Hanne» mit pausenlosem Sturzregen für schwere Überflutungen. In Teilen Baden-Württembergs und Bayerns traten in der Nacht auf Mittwoch Bäche und Flüsse über die Ufer.

Viele Keller liefen voll. Strassen waren durch Wassermassen, Erdrutsche und entwurzelte Bäume blockiert. Im Schwarzwald mussten die Behörden mancherorts zeitweise Hochwasseralarm ausrufen. Es wurden Orkanböen mit Spitzenwerten von Tempo 169 km/h gemessen.

Im mittelfranzösischen Bergdorf Les Egravats ging eine Schlamm- und Felslawine nieder. Mehrere Häuser wurden beschädigt, Menschen wurden aber nicht verletzt. In der Region hatte es in den vergangenen Tagen kräftig geregnet.

Nächstes Tief: «Irina»

Nach den Stürmen der letzten Tage - «Fränzi», «Gerda», «Hanne»- stand am Mittwochabend ein neues Tief namens «Irina» ins Haus. Im Schweizer Mittelland rechnete MeteoSchweiz mit Windspitzen bis 90 km/h, in den Bergen bis 150 km/h.

Zurück ging am Mittwoch die Lawinengefahr: Gemäss dem Eidg. Institut für Schnee- und Lawinenforschung ist sie momentan noch «erheblich». Am Mittwoch konnten viele mittlere und auch grosse Lawinen künstlich ausgelöst werden.

Es steht nun die Auslösung durch Schneesportler im Vordergrund. Die Experten warnen vor dem Verlassen der Pisten: Einzelpersonen können Lawinen auslösen, die vor allem im Wallis, Berner Oberland und in der Zentralschweiz ein grösseres Ausmass annehmen können.

(sda)

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