Schillernde Figur: Hans W. Kopp ist tot
Aktualisiert

Schillernde FigurHans W. Kopp ist tot

Hans W. Kopp, schillernder Zürcher Wirtschaftsanwalt und Ehemann von alt Bundesrätin Elisabeth Kopp, ist tot. Er starb bereits am Sonntagabend 78-jährig im Unispital Zürich.

von
Franz Ermel

Hans W. Kopp soll heute Mittwoch im engsten Familienkreis in seiner Wohngemeinde Zumikon ZH beigesetzt werden. Dies meldet der «Blick» in seiner aktuellen Ausgabe.

Nationale Berühmtheit erlangte Hans W. Kopp durch die sogenannte Kopp-Affäre, die vor genau zwanzig Jahren die Schweiz erschütterte.

Ihren Anfang nahm die Kopp-Affäre im Herbst 1988, als Drogenfahnder der Bundesanwaltschaft herausfanden, dass die Devisenhandelsfirma Shakarchi Trading AG, zu der Hans W. Kopp enge Geschaftsbeziehungen unterhielt, in eine Geldwäschereiaffäre verwickelt war. Bundesanwalt Rudolf Gerber persönlich entschied aber, Justizministerin Elisabeth Kopp (FDP) nicht über die Verstrickungen zu informieren, um ihr Gewissenskonflikte zu ersparen.

Ein denkwürdiges Telefongespräch

Am 27. Oktober 1988 erreicht die Information Bundesrätin Elisabeth Kopp dennoch - sie erfährt es durch eine persönliche Mitarbeiterin, die es wiederum auf Umwegen erfahren hat. Umgehend ruft Kopp ihren Ehemann an und drängt ihn, aus dem Verwaltungsrat der Shakarchi Trading auszutreten. Hans W. Kopp kommt der Bitte noch am selben Tag nach.

Im Lauf des Novembers dringt Kopps Rücktritt aus dem Shakarchi-VR an die Öffentlichkeit. Die Medien beginnen unliebsame Fragen zu stellen: Erhielt Hans W. Kopp einen Tipp aus dem Justizministerium?

Elisabeth Kopp muss zurücktreten

Am 9. Dezember 1988 berichtet die Zeitung «Le Matin» von einem «Maulwurf» im Justiz- und Polizeidepartement (EJPD), der dem Zürcher Wirtschaftsanwalt den Rücktritt nahegelegt habe. Gleichentags gibt Elisabeth Kopp in einer ausserordentlichen Bundesratssitzung das Telefongespräch mit ihrem Mann zu. Damit ist ihr Schicksal besiegelt. Nur drei Tage später, am 12. Dezember 1988, kündigt sie ihren Rücktritt per Ende Februar 1989 an.

Bezüglich der Indiskretion wird ein Ermittlungsverfahren eröffnet. Am 11. Januar 1989 gelangt Staatsanwalt Hans Hungerbühler mit den Untersuchungsergebnissen an die Öffentlichkeit: Gegen Bundesrätin Kopp und zwei Mitarbeiterinnen aus dem EJPD wird eine Strafuntersuchung wegen Amtsgeheimnisverletzung eingeleitet. Nur einen Tag später, am 12. Januar 1989, tritt Elisabeth Kopp per sofort zurück. Sie fordert das Parlament auf, ihre Immunität aufzuheben.

Eine PUK durchleuchtet das EJPD

Das Parlament hebt nicht nur die Immunität auf, es setzt auch eine Parlamentarische Untersuchungskommission (PUK) ein, die die Führung des EJPD und insbesondere der Bundesanwaltschaft unter die Lupe nimmt. Präsidiert wird die PUK vom damaligen Nationalrat Moritz Leuenberger. In ihrem Bericht kommt das Gremium im November 1989 zum Schluss, dass der Rücktritt von Elisabeth Kopp ein «unvermeidlicher Schritt» gewesen sei - auch wenn «das verhängnisvolle Telefon von Frau Kopp an ihren Ehemann als solches durchaus verständlich» war.

Gegen Elisabeth Kopp war bereits am 20. September 1989, noch vor der Publikation des PUK-Berichts, Anklage wegen Amtsgeheimnisverletzung erhoben worden. Sie wurde indes am 23. Februar 1990 vor Bundesgericht freigesprochen.

Rückzug ins Private

Weniger gut erging es Hans W. Kopp vor Gericht. 1991 verurteilte ihn das Zürcher Obergericht im Prozess um die unter seinem VR-Präsidium 1982 in Konkurs gegangene Anlagefirma Trans-KB wegen Betrugs und Urkundenfälschung zu einem Jahr Haft mit drei Jahren Bewährung. 1997 wurde ihm das Luzerner Anwaltspatent entzogen.

Ab Mitte der Neunzigerjahre wurde es ruhig um das Ehepaar Kopp. Die beiden lebten zurückgezogen in Zumikon und zeigten sich kaum noch in der Öffentlichkeit.

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