Aktualisiert

MissbrauchsfallHansjürg S. half bei Konzept mit

Bereits 2003 überdachte die Nathalie Stiftung, wo das Pädo-Monster Hansjürg S. arbeitete, ihre Präventionsmassnahmen. Sehr aktiv daran teilgenommen habe auch Hansjürg S. höchstpersönlich.

von
kub

In den vergangen Tagen hatten bereits mehrere betroffene Heime angekündigt, sie wollten ihre Präventionskonzepte wegen des aktuellen Berner Missbrauchsfalls durchleuchten. Die Nathalie Stiftung hatte schon nach dem Fall von 2003 ihre Strukturen hinterfragt und mit Hilfe der Mitarbeiter einen neuen Verhaltenskodex aufgestellt. Hansjürg S. arbeitete damals in der Stiftung.

Bei dieser Arbeit hat auch das Pädo-Monster Hansjürg S. «sehr aktiv» teilgenommen, wie Toni Matti von der Geschäftsleitung der Nathalie Stiftung im Schweizer Fernsehen sagte. «Er war bei den Sitzungen stets dabei und hat bei den Präventionsmassnahmen mitgeholfen.»

Festgelegt habe man damals «ganz einfache Regelungen» - zum Beispiel, dass bei der Intimpflege Gummihandschuhe zu tragen seien und dass beim Gang auf die Toilette die Tür nicht ganz geschlossen werde. Dass der Tatverdächtige an diesen Regelungen mitarbeitete, «ist im Nachhinein betrachtet ein Wahnsinn», räumte Matti ein.

Überblick über Ermittlungen

Neu überdenken

Der Fall des Berner Sozialtherapeuten, der bis zu 122 Kinder und Behinderte missbraucht haben soll, habe die Heimbranche tief erschüttert. Die heute geltenden Präventionsmassnahmen müssten überdacht und allenfalls überarbeitet werden.

Im Berner Missbrauchsfall hatte ein 13-jähriges Mädchen schon 2003 den heute Tatverdächtigen belastet. Die Ermittler, die damals einen anderen Betreuer des Heims in Gümligen BE im Visier hatten, konnten den Verdacht aber nicht erhärten. (kub/sda)

Europarat erinnert Schweiz an Konvention gegen Kindsmissbrauch

Der Europarat schaltet sich in die Diskussion um sexuellen Missbrauch in Schweizer Heimen ein: Die stellvertretende Generalsekretärin erinnert die Schweiz daran, dass sie die Konvention zum Schutz von Kindern vor sexueller Ausbeutung noch nicht ratifiziert hat.

Eine Ratifizierung dieses Dokuments würde «den heutigen juristischen Rahmen» im Kampf gegen den sexuellen Missbrauch von Kindern mit Sicherheit verbessern, schreibt Maud de Boer-Buquicchio, stellvertretende Generalsekretärin des Europarates, in einer in Strassburg veröffentlichten Stellungnahme.

Das Abkommen sei überdies geeignet, die Präventionsmassnahmen in einem Land zu verbessern, heisst es weiter. Der Bundesrat hat die Konvention im Juni 2010 unterzeichnet. Die Schweiz hat sie aber bislang nicht ratifiziert.

Die neue Justizministerin Simonetta Sommaruga will den Weg zur Unterzeichnung nun ebnen, wie sie diese Woche ankündigt hatte. Als ersten Schritt will sie dem Bundesrat im laufenden Jahr einen Antrag unterbreiten, der die Prostitution von Minderjährigen verbietet.

De Boer-Buquicchio äussert in dem Schreiben generell Besorgnis über den Missbrauch von Kindern in Europa. Die stellvertretende Generalsekretärin wirbt in diesem Zusammenhang auch für die Kampagne «Eins von Fünf» des Europarats. Diese soll Kinder, Eltern und Betreuer ermutigen, gegen sexuelle Gewalt aufzutreten. (sda)

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