Domain-Jubiläum: Happy Birthday, .ch!
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Domain-JubiläumHappy Birthday, .ch!

Noch bevor das World Wide Web erfunden war, erhielt die Schweiz ihre eigene Internet-Endung. Vor 25 Jahren beantragte ein ETH-Professor .ch - und nutzte die Domain als Teil einer Mail-Adresse.

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dsc/pd
Auf 3571 Metern über Meer steht die neue Webcam des Schweizer Internet-Dienstleiters Switch. Die Organisation ist für die Landes-Domain .ch zuständig.

Auf 3571 Metern über Meer steht die neue Webcam des Schweizer Internet-Dienstleiters Switch. Die Organisation ist für die Landes-Domain .ch zuständig.

Es ist das Jahr, in dem Andy Warhol stirbt, die Band Nirvana gegründet wird, Steffi Graf ihr erstes Grand-Slam-Turnier gewinnt und das Vietnam-Kriegsdrama «Platoon» einen Oscar für den Besten Film gewinnt: 1987 wird die Schweizer Internet-Adressendung .ch ins Leben gerufen - sprich registriert. 25 Jahre später feiert Switch, die Verwalterin der Landes-Domain, diese «Geburtsstunde des Internet-Standortes Schweiz», wie aus einer Medienmitteilung vom Donnerstag hervorgeht.

Per E-Mail beantragt

Die Schweizer Landes-Endung konnte 1987 ganz unkompliziert beantragt werden, wie Switch mitteilt: «Für das Anrecht auf .ch wiesen wir uns per E-Mail als die Fachpersonen aus, welche in der Schweiz für Computer-Netzwerke zuständig waren», wird der ETH-Professor Bernhard Plattner zitiert.

Plattner wurde zusammen mit seinem damaligen Doktoranden Hannes Lubich als Halter der .ch-Domain registriert. Das übernahm Jon Postel, Gründer der Internet-Verwaltungsbehörde IANA. «Leider sind die E-Mails beim Transfer von Systemen und Computern irgendwann verlorengegangen», bedauert Plattner. Als er kurz darauf Geschäftsleiter ad interim der neu gegründeten Stiftung Switch wurde, übertrug er die Landes-Adressendung auf Switch - der Grundstein für die heutige Registrierung von .ch-Domains war gelegt.

Internet als Forschungsnetzwerk

Das Internet war 1987 noch ein reines Netzwerk zwischen Hochschulen. «Internet bedeutete damals vorwiegend E-Mail. Auch .ch nutzten wir noch nicht als eigentliche Domain, sondern als Teil der E-Mail-Adresse», erklärt Urs Eppenberger, Leiter der Registrierungsstelle bei Switch. Er war ab Juni 1987 der erste Mitarbeiter von Switch zusammen mit Interims-Geschäftsführer Plattner.

Vorgänger von .ch war die Endung «.chunet». Die Abkürzung steht für Schweizerisches Universitätsnetzwerk, sie wurde ausschliesslich für E-Mail genutzt. Den Fokus auf die Forschung erkennt man auch an den ersten drei Schweizer Internetadressen: ethz.ch, cern.ch und switch.ch.

Den Grundstein für das heutige World Wide Web legte Tim Berners Lee erst 1989 am Forschungszentrum Cern. 1990 wurde das Internet für die kommerzielle Nutzung freigegeben und durfte auch ausserhalb der Universitäten und des amerikanischen Militärs genutzt werden.

In Rechtsstreit verwickelt

Switch ist die halbstaatliche Registrierungsstelle aller Internet-Domain-Namen der Schweiz und Liechtenstein. Die Stiftung sorgt dafür, dass alle Domain-Namen mit der Endung .ch oder .li korrekt vergeben und verwaltet werden. Laut eigenen Angaben garantiert Switch als Non-Profit-Organisation den Zugang der Schweiz zum Internet. «100 Mitarbeitende arbeiten täglich daran, Webtechnologien weiterzuentwickeln, den Wissensaustausch unter Hochschulen zu erleichtern und die Sicherheit des Internets in der Schweiz zu erhöhen.»

Switch ist aber auch in einen langwierigen Rechtsstreit verwickelt. Die private Tochterfirma Switchplus ist ein Webhosting-Anbieter, der die privaten Hosting-Provider konkurrenziert. Eine Allianz aus rund zehn Hosting-Providern hat beim Bakom Beschwerde eingelegt, da Switch mit der Werbung für Switchplus ihre marktbeherrschende Stellung ausnutzen würde (20 Minuten Online berichtete).

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