Weltraumteleskop : Happy Birthday, Hubble!
Aktualisiert

Weltraumteleskop Happy Birthday, Hubble!

Seit einem Vierteljahrhundert liefert das Teleskop Hubble faszinierende Einblicke ins All. Dabei waren seine Anfänge alles andere als vielversprechend.

von
jcg
1 / 16
Das wohl berühmteste aller Hubble-Bilder: Die «Säulen der Schöpfung» im Adler Nebel. Diese Falschfarbenaufnahme entstand bereits 1995.

Das wohl berühmteste aller Hubble-Bilder: Die «Säulen der Schöpfung» im Adler Nebel. Diese Falschfarbenaufnahme entstand bereits 1995.

NASA/ESA
Erst 2014 veröffentlicht wurde hingegen dieses farbenfrohe Porträt des Universums. Das Panorama wurde aus mehr als 800 Einzelaufnahmen zusammengesetzt und zeigt rund 10'000 Galaxien.

Erst 2014 veröffentlicht wurde hingegen dieses farbenfrohe Porträt des Universums. Das Panorama wurde aus mehr als 800 Einzelaufnahmen zusammengesetzt und zeigt rund 10'000 Galaxien.

NASA/ESA
Diese fünf grossen Galaxien im Pegasus-Sternbild wurden 1877 von Édouard Stephan entdeckt. Heute tragen sie zu seinen Ehren den Namen Stephans Quintett. Allerdings sind nicht alle Galaxien in der gleichen Region. Die blaue Galaxie ist 40 Millionen Lichtjahre entfernt, die roten rund 290 Millionen.

Diese fünf grossen Galaxien im Pegasus-Sternbild wurden 1877 von Édouard Stephan entdeckt. Heute tragen sie zu seinen Ehren den Namen Stephans Quintett. Allerdings sind nicht alle Galaxien in der gleichen Region. Die blaue Galaxie ist 40 Millionen Lichtjahre entfernt, die roten rund 290 Millionen.

NASA/ESA

Die atemberaubenden Aufnahmen des Weltraumsteleskops Hubble revolutionierten seit 1990 die Astronomie und gehören längst zum Kulturgut der Menschheit. Auch der Schweizer Astronaut Claude Nicollier hat eine besondere Beziehung zu Hubble.

Er begegnete dem ersten Teleskop im Weltraum 1993 zum ersten Mal, und zwar wegen eines peinlichen Geburtsfehlers: Nach dem Start des von der NASA und der Europäischen Weltraumagentur ESA gemeinsam entwickelten Instruments zeigte sich schnell, dass sein 2,4 Meter grosser Hauptspiegel nicht ganz korrekt geschliffen war. Das Ergebnis waren unscharfe Bilder.

In einer Space-Shuttle-Mission 1993 konnten Nicollier und seine Kollegen den «Sehfehler» beheben. Dabei bediente Nicollier gekonnt den Roboterarm und absolvierte auch einen Weltraumspaziergang. Hubble bekam eine Korrekturoptik - eine Art «Brille». Erst danach sei das Instrument für die Wissenschaft von Nutzen gewesen, sagte Nicollier der Nachrichtenagentur sda.

«Meine schönste Mission»

«Es war meine schönste Mission, und sie war wissenschaftlich von grosser Wichtigkeit», erinnert sich der Astronaut. «Ich fühlte mich privilegiert, dabei zu sein.» Noch vier weitere Male nahmen Space-Shuttle-Astronauten Wartungs- und Modernisierungsarbeiten an dem Teleskop vor - 1997, 1999, 2002 und 2009. Nicollier war auch 1999 dabei.

«Was die Wissenschaft dank Hubble gelernt hat, ist enorm», sagte Nicollier. Aber nicht nur das: Die spektakulären Bilder aus dem All hätten die Astrophysik einer breiten Öffentlichkeit nähergebracht. «Hubble hat den Blick der Menschen auf das All und auf unseren Platz im Universum nachhaltig verändert», sagte auch die US-Astronomin Jennifer Wiseman gegenüber der Nachrichtenagentur AFP.

Sterneninseln aufgespürt

Hubble wurde am 24. April 1990 von der US-Weltraumfähre «Discovery» in eine Umlaufbahn gebracht. Aus 560 Kilometern Höhe über der Erde blickt Hubble seither in die Tiefen des Alls - ungestört von der irdischen Atmosphäre.

Hubble spürte Sterneninseln auf, deren Licht für die Reise zur Erde bis zu 13,4 Milliarden Jahre gebraucht hat. Dem Weltraumteleskop gelang damit ein Blick in die Frühzeit des Universums. Daten von Hubble trugen ausserdem zur Bestätigung der Theorie bei, dass sich das Universum beschleunigt ausdehnt - eine Entdeckung, für die drei Wissenschaftler 2011 den Physik-Nobelpreis erhielten.

Das nach dem US-Astronomen Edwin Hubble (1889 bis 1953) benannte Teleskop lieferte zudem Belege, dass die Entstehung von Planeten bei Sternen ausserhalb unseres Sonnensystems häufig vorkommt. «Das sind fantastische Resultate, die vom Erdboden aus nie möglich gewesen wären», sagte Nicollier.

Weltberühmte Bilder

Einer breiten Öffentlichkeit sind unter anderem die spektakulären Hubble-Bilder von planetarischen Nebeln bekannt, die sich beim Tod von sonnenähnlichen Sternen bilden. Für diese Bilder mussten die für Menschen unsichtbaren Infrarot- und Ultraviolett-Aufnahmen des Teleskops im Computer zunächst in sichtbare Farben umgerechnet werden.

Legendär sind auch die Aufnahmen des Weltraumteleskops von Gas- und Staubnebeln in der Milchstrasse, in denen neue Sterne entstehen. Eines dieser Bilder zeigt säulenförmige Gebilde im sogenannten Adlernebel - es wurde unter dem Namen «Säulen der Schöpfung» weltbekannt.

«Ganz wesentlich hat Hubble dazu beigetragen, dass Menschen auf der ganzen Welt heute mit einem Gefühl des Erstaunens auf den Kosmos blicken», bilanziert die Astronomin Wiseman vom Goddard Space Flight Center der US-Weltraumbehörde NASA in Greenbelt (US-Bundesstaat Maryland).

25 Jahre nach seinem Start dürften Hubble noch eine Reihe weiterer Jahre wissenschaftlicher Arbeit beschieden sein, auch wenn sein Nachfolger bereits im Bau ist - 2018 soll das weitaus grössere James Webb Space Telescope starten.

Zoom in den Pferdekopfnebel. (Video: Youtube/Hubble Space Telescope)

(jcg/sda)

Deine Meinung