Aktualisiert 07.10.2019 13:45

Sponsored

Happy End für die kranke Kuh Royale

Unterwegs mit der Grosstierärztin: Wieso ein krankes Tier nicht geschlachtet wird und wann man das Fleisch von behandelten Tieren geniessen kann.

1 / 16
Besuch bei einer Patientin: Grosstierärztin Sarah Balzli untersucht Kuh Nevada am Tag nach der erfolgreichen Operation am Magen. Das Tier...

Besuch bei einer Patientin: Grosstierärztin Sarah Balzli untersucht Kuh Nevada am Tag nach der erfolgreichen Operation am Magen. Das Tier...

Giorgia Müller
...hatte ein Problem im Verdauungstrakt. Dank dem Eingriff hat sie nun keine Beschwerden mehr am Labmagen.

...hatte ein Problem im Verdauungstrakt. Dank dem Eingriff hat sie nun keine Beschwerden mehr am Labmagen.

Giorgia Müller
Ihr geht es gar nicht gut: Royale hat zwar ein gesundes Kalb geboren, drei Tage später jedoch hohes Fieber. Das Tier ist 800 Kilo schwer,...

Ihr geht es gar nicht gut: Royale hat zwar ein gesundes Kalb geboren, drei Tage später jedoch hohes Fieber. Das Tier ist 800 Kilo schwer,...

Giorgia Müller

Als Sarah Balzli im bernischen Epsach in den Stall tritt, steht vor ihr eine eine 800 Kilo schwere Kuh mit 41 Grad Fieber. Sie heisst Royale, hat vor vier Tagen ein Kalb zur Welt gebracht und ist offensichtlich nicht in bester Stimmung.

«Dem Kalb gehts gut, doch die Mutterkuh frisst nicht richtig und ist apathisch», sagt Bauer Hans Marolf. Die Grosstierärztin berührt die Kuh sanft am Rücken, sagt ein paar beruhigende Worte und zieht einen Plastikhandschuh bis zur Schulter hoch. Sie steht hinter das Tier und untersucht von Innen die Gebärmutter.

Die Diagnose ist eindeutig: Die Nachgeburt hat sich nicht komplett gelöst, Royale leidet an Gebärmutterentzündung. Balzli entfernt das unerwünschte Gewebe und spritzt der Kuh Entzündungshemmer und etwas gegen das Fieber. Das grosse Tier lässt die Behandlung ruhig über sich ergehen.

Medikamente gehören dazu

Bauer Marolf ist erleichtert: Der Test der Milch zeigt keine erhöhte Keimzahl und kurze Zeit später frisst Royale bereits wieder. Sie wird wohl noch einige Kälber für die Fleischproduktion gebären. Balzli trägt die Behandlung in die Buchführung über die Nutztiere des Hofes ein, verabschiedet sich und fährt weiter zum nächsten Patienten.

Bei ihrer Tour durch das Berner Seeland wird sie auf jedem Hof zu Medikamenten greifen - und spricht zwischen den Behandlungen sehr direkt über dieses Thema, das bei zahlreichen Konsumentinnen und Konsumenten für Verunsicherung sorgt. Balzli versteht die Bedenken, aber für sie ist klar: «Es ist wie bei den Menschen: Medikamente retten auch vielen Tieren das Leben». Eingesetzt werden sie nur, wenn nötig.

Gesunde Tiere sind wichtig

Die Schweiz ist weitgehend frei von hochansteckenden Tierseuchen und die Nutztierbestände haben im Vergleich zum Ausland einen sehr hohen Gesundheitsstatus. Zudem kann Schweizer Fleisch von den meisten Tierarten bis zu den Geburtsbetrieben zurückverfolgt werden.

Die Ursachen für den Gebrauch von Tierarzneimittel sind vielfältig. An diesem Vormittag im Herbst bekommt Nevada Antibiotika und Schmerzmittel, da sie einen Tag zuvor am Labmagen operiert wurde.

Später betäubt die Veterinärin das Kalb Katja für die Enthornung und behandelt Kordula mit einem natürlichen Hormon, um nach der Geburt die Gebärmutter bei der Heilung zu unterstützen. Und ein Wagyu-Kalb aus Balzlis eigener Zucht erhält Antibiotika und Entzündungshemmer, da es sich eine Lungenentzündung geholt hat.

Ihre Arbeit beurteilt die 47-jährige pragmatisch. «Gesunde Tiere sind für alle ein Gewinn. Wenn es ihnen gut geht, haben die Bauern nicht nur weniger Kosten und Verluste, sondern produzieren auch qualitativ bessere Lebensmittel.» Deshalb sei in den letzten Jahren viel in die Tiergesundheit und Krankheitsprophylaxe investiert worden. «Der sogenannte «Kuhkomfort» ist kein hohles Schlagwort.»

Unnötiges Leiden verhindern

Im Gegensatz dazu erlebte Balzli auch schon unschöne Szenen. Sie erinnert sich an den Fall eines Bauern, der seine Kuh trotz schweren Entzündungen am Euter zwei Tage lang ohne Behandlung leiden liess, da er sie partout nicht mit Antibiotika behandeln lassen wollte. «Das ist total unverständlich!», sagt Balzli. Als sie dann endlich alarmiert wurde, war es zu spät und das Tier starb. «Mit einer gezielten Behandlung wäre der Kuh viel Leid erspart geblieben.» Zum Glück habe sie das in den 22 Jahren als Grosstierärztin nur einmal erlebt.

Was viele Konsumentinnen und Konsumenten noch immer nicht wissen: In der Schweiz ist der Einsatz von Medikamenten bei Nutztieren sehr streng geregelt und eingeschränkt. Zur Leistungsförderung sind Hormone und Antibiotika bereits seit 20 Jahren verboten.

Halb so viel Antibiotika

In der Tiermedizin ist der Gebrauch von Antibiotika in den vergangenen zehn Jahren um über die Hälfte zurückgegangen. Und seit Anfang Oktober muss jeder Gebrauch elektronisch erfasst werden.

Die Kontrollen seien so streng, dass sie von der Qualität des Schweizer Fleisches absolut überzeugt sei. «Wenn ein Medikament zu Rückständen im Tier führen kann, dann gibt es automatisch eine Milch- oder Fleischsperre». In dieser Zeit dürfen keine entsprechenden Lebensmittel produziert werden. Bei Kälbern kann diese Sperre bis zu mehreren Wochen dauern.

Aus eigener Erfahrung ist sie überzeugt: «Kein Bauer riskiert, dass seine Produkte nach Kontrollen beanstandet werden.» Die Ausfälle, Zusatzkontrollen und allenfalls Bussen seien sehr teuer, weil dann hohe Verluste und Kosten entstehen. «Und es ist eine Schande, die niemand riskiert». Deshalb isst sie selber nur Schweizer Fleisch.

Der Zukunft schaut Balzli kritisch, aber durchaus positiv entgegen. Der Wettbewerb in der Landwirtschaft sei härter geworden und kleine Höfe verschwinden. Doch um die Tiergesundheit sei es gut bestellt. Und sie sieht das Potential für die qualitativ hochwertigen Erzeugnisse der Schweizer Bäuerinnen und Bauern. Darauf setzt sie auch persönlich.

Mit ihrem Partner züchtet sie Wagyu-Rinder, welche für ihr äusserst schmackhaftes Fleisch begehrt sind. Die Arbeit mit den Tieren braucht Geduld. Sie benötigen viel Pflege und wachsen doppelt so lange, wie andere Fleischrassen. «Mal schauen, wie sich das entwickelt», sagt Balzli und spritzt mit einem Schlauch die Gülle von ihren Stiefeln.

Wie Schweizer Fleisch produziert wird

Noch immer gibt es einige Irrtümer zur Produktion von inländischem Fleisch. Fünf Fakten zum Thema.

GVO-Produkte und Tiermehl

In der Schweiz werden grundsätzlich keine genveränderten Organismen (GVO) zur Fütterung von Nutztieren verwendet. Genausowenig darf das Futter Tiermehl enthalten. Hormone und Antibiotika zur Leistungsförderung sind in der Schweiz bereits seit 1999 verboten. Das alles wird vom Bund kontrolliert. So wird verhindert, dass toxische oder andere unerwünschte Substanzen in das Schweizer Fleisch gelangen.

Strenge Tierhaltung

In der Schweiz gilt eine der strengsten Tierschutzgesetzgebungen weltweit. Und nirgends sonst sind die Tiertransporte so streng geregelt. Zudem fördert der Staat die verantwortungsvolle Haltung – etwa mit dem Programm «Regelmässiger Auslauf im Freien» (RAUS). Von Letzterem profitieren mehr als drei Viertel (76,4 Prozent) der Nutztiere. Und über die Hälfte (58,5 Prozent) lebt nach den Regeln für «Besonders tierfreundliche Stallhaltungssysteme» (BTS).

Optimale Flächennutzung

In der Schweiz eignet sich weniger als ein Drittel der landwirtschaftlich nutzbaren Fläche für den Ackerbau. Über 70 Prozent sind Wiesen, Weiden, Alpen usw.. Sie dienen den darauf lebenden Nutztieren als Lebensgrundlage. So entstehen aus dem Raufutter hochwertige Nahrungsmittel für die Menschen sowie Wolle und Leder.

Wenig Trinkwasser

In der niederschlagsreichen Schweiz werden lediglich 1,9 Prozent des gesamten Frischwassers für die Landwirtschaft verbraucht. Weltweit sind es laut Angaben der UNO 70 Prozent.

Nährstoffreiches Fett

Tierische Fette stehen den pflanzlichen in nichts nach. Sie sind hervorragende Energielieferanten, versorgen uns mit wichtigen Vitaminen, einfach ungesättigten und mehrfach ungesättigten Fettsäuren. Mit Mass genossen machen sie weder schlank noch dick, haben im Körper aber eine sättigende und appetithemmende Wirkung.

Diesen Beitrag hat Commercial Publishing in Zusammenarbeit mit «Schweizer Fleisch» erstellt.

Fehler gefunden?Jetzt melden.