Aktualisiert 22.12.2003 13:54

Harald Schmidt: Abschied ohne Schawi

Nicht ohne rührende Szenen aber garantiert ohne Roger Schawinski wird wohl am Dienstag auf dem deutschen Privatsender SAT.1 die letzte reguläre Ausgabe der «Harald Schmidt-Show» über die Bühne gehen.

Die Belegschaft seiner Produktionsfirma wird mit einem «Werkschor» den Klassiker «White Christmas» zum Besten geben. Das ist aber bisher so ziemlich das Einzige, was über das Finale um 23.15 Uhr bekannt ist.

Was ausserdem durchsickerte: Der neue SAT.1-Geschäftsführer Roger Schawinski wird nicht von Berlin nach Köln reisen, um Schmidts letzte Possen zu beklatschen. Ein Treffen der beiden hat bisher auch noch nicht stattgefunden.

Schmidts trockene Ankündigung, er werde eine «kreative Pause» einlegen, traf die Fernsehnation wie ein Blitz. Aber es eröffnete auch den Raum für Spekulationen: Allgemein wird davon ausgegangen, dass der überraschende und nicht freiwillige Abgang des früheren Sat.1-Geschäftsführers Martin Hoffmann, ein Freund Schmidts, Ausschlag gebend für den Schritt war.

SAT1-Aktie gesunken

Und was wird mit Schmidt? Eine viel gehandelte Variante ist derzeit: Der 46-jährige Entertainer wird tatsächlich eine Pause einlegen und mit einer völlig neuen Idee zur ARD wechseln, die ihm bereits den roten Teppich auslegte.

Nicht auszuschliessen ist aber auch, dass Schmidt mit seiner Produktionsfirma Bonito TV, aber einem anderem Moderator, weiter den SAT.1-Sendeplatz um 23.15 Uhr bedient. Andere mutmassen, dass das Lästermaul vielleicht doch wieder zu SAT.1 zurückkehrt - zu deutlich verbesserten Konditionen.

Das Nachrichtenmagazin «Der Spiegel» berichtete bereits, das Unternehmen sei ihm bei der letzten Offerte entgegengekommen: Zwar sollte die Gesamtüberweisung mit 100 000 Euro pro Show an Bonito TV dieselbe bleiben, sein persönliches Honorar innerhalb dieser Summe von 40 000 auf 50 000 aufgestockt werden. Schmidt unterschrieb trotzdem nicht.

Der Schock lähmte die ProSiebenSAT.1-Führung und die Anleger. Die Aktie sank, obwohl der Verlust der seit acht Jahren ausgestrahlten Show vordergründig finanziell nicht schwer wiegt - indes ist der Imageverlust für ein sensibles, werbefinanziertes System nicht in Zahlen zu messen.

Sandra Maischberger?

In der Folge von Schmidts Abgang kursierten Gerüchte von einem immensen Stellenabbau (von 3000 auf 2000) im Konzern. Auch über die Zukunft von Schmidts rustikaler veranlagtem ProSieben-Pendants Stefan Raab wurde spekuliert - der Sender wies alle Vermutungen zurück: Raab habe bis 2005 verlängert.

Schmidt bringt unterdessen den Zuschauern jeden Tag das Ende seiner Show näher. Vor zwei Wochen irrte er bereits in der Sendung durch das Produktionsgebäude und fand in den Katakomben seinen Redaktionsleiter Manuel Andrack, der bereits eine eigene Show einstudierte.

Noch ist das Ende nicht ganz da: Am 29. Dezember wird Schmidt den SAT.1-Jahresrückblick moderieren, am 8. Januar die Show zum 20. Geburtstag des Senders. Dann füllt SAT.1 die Pause bis zur Nachfolgesendung mit Schmidt-Klassikern.

Wer kommt, ist noch offen. Kaum ein Name, der nicht gehandelt wurde. Zuletzt wurde die bei der ARD glücklose Sandra Maischberger ins Spiel gebracht. Unglaublich viele hätten sich gemeldet, heisst es von SAT.1. «Hier rufen Manager an, die Leute unter Vertrag haben, die kaum drei Worte geradeaus reden können.»

(sda)

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