Merz-Nachfolge: Hardlinerin in der Poleposition
Aktualisiert

Merz-NachfolgeHardlinerin in der Poleposition

Wer übernimmt Merz' Sitz? Die FDP-Favoritin kommt aus der Ostschweiz, doch auch andere Regionen und die Wirtschaft dürften Anspruch erheben.

von
Peter Blunschi

Sie ist die «ewige» Favoritin: Karin Keller-Sutter, Regierungsrätin des Kantons St. Gallen. Die 46-jährige Justizdirektorin hat sich als Hardlinerin in der Ausländer- und Sicherheitspolitik einen Namen gemacht, sie wird seit Jahren als Merz-Nachfolgerin gehandelt. «Ich werde mir in den kommenden Tagen eine allfällige Kandidatur sorgfältig überlegen», sagte Keller-Sutter der Nachrichtenagentur SDA. Die FDP des Kantons St. Gallen hofft auf ihre Kandidatur, wie Vizepräsidentin Imelda Stadler sagte.

In letzter Zeit aber wurde vermehrt Kritik an der «Einzelkämpferin» Keller-Sutter laut. Im heutigen Bundesrat brauche es «Brückenbauer», hiess es etwa. Das könnte die Chance sein für Gabi Huber. Die 54-jährige Urner Nationalrätin hat als FDP-Fraktionschefin in Bern zunehmend an Profil gewonnen. Sie hat eine Kandidatur vorerst ausgeschlossen, aber das muss noch nichts heissen.

Bereits werden auch Stimmen laut, die einen Vertreter der Wirtschaft im Bundesrat fordern: Die Berner Freisinnigen haben den 58-jährigen Nationalrat und Maschinenindustriellen Johann Schneider-Ammann als Wunschkandidat benannt. Der Aargauer Nationalrat und Bauunternehmer Philipp Müller gilt ebenfalls als Vertreter der Wirtschaft, aber auch als polarisierende Persönlichkeit. Deshalb könnte der Zürcher Nationalrat und Unternehmer Ruedi Noser (49) zum Thema werden. Die FDP Zürich will eine Kandidatur prüfen.

Tessin will zurück in den Bundesrat

Besonders eindringlich dürften aber die Tessiner Freisinnigen ihren Anspruch anmelden. Der Südkanton ist seit mehr als zehn Jahren nicht mehr in der Landesregierung vertreten und wurde bereits bei der Couchepin-Nachfolge übergangen. Der Merz-Rücktritt dürfte längerfristig die einzige Chance auf eine Rückkehr sein. «Der nächste FDP-Bundesrat muss aus dem Tessin kommen, damit der nationale Zusammenhalt nicht gefährdet wird», hatte Nationalrat Ignazio Cassis bereits letztes Jahr im «Blick» gefordert.

Finanzminister Merz tritt zurück

Der 49-jährige Arzt gilt als möglicher Kandidat und hat dies nicht ausgeschlossen. In Frage kämen auch Staatsrätin Laura Sadis und Parteipräsident Fulvio Pelli. Für ihn dürfte es mit 59 Jahren die letzte Chance auf eine Bundesratskandidatur sein. Bislang hat er sich geziert, doch wenn der Druck in seinem Kanton gross genug wird, könnte er sehr wohl antreten.

Handicap Frau?

Anderen möglichen Bewerbern werden geringere Chancen eingeräumt. Das gilt etwa für die Berner Nationalrätin Christa Markwalder, die als zu jung und zu EU-freundlich gilt. Ohnehin stellt sich die Frage, ob eine Frau bei der FDP überhaupt eine Chance hat, nachdem die SP eine weibliche Nachfolge von Moritz Leuenberger favorisiert. Fünf Frauen im Bundesrat, das ginge vielen wohl zu weit, hat selbst die Aargauer Ständerätin Christine Egerszegi festgestellt. Was auch die Chancen von Karin Keller-Sutter mindern dürfte. Die FDP hat aber den Vorteil, dass die Nachfolge von Merz bereits in der Herbstsession geklärt wird, während die SP bis in den Winter warten muss.

FDP definiert Kriterium

Kurz nach dem Rücktritt von Hans-Rudolf Merz hat die FDP ihr Kriterium für seine Nachfolge präsentiert: Der Kandidat oder die Kandidatin müsse aus der Deutschschweiz oder dem Tessin stammen – mehr nicht. Für die FDP sei es kein Problem, wenn vier oder gar fünf Frauen im Bundesrat vertreten sind. Gabi Huber und Parteipräsident Fulvio Pelli stünden als Kandidaten nicht zur Verfügung, da sie der Evaluationsgruppe für die Nachfolge angehören. Nicht zuletzt besteht auch die Möglichkeit, dass die FDP ihren Sitz verlieren wird – die SVP und die Grünen haben bereits ihre Ansprüche angemeldet.

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