Aktualisiert 25.03.2018 06:35

Vladimir Petkovic«Haris ist ein Junge, der vergessen kann»

132 Tage nach den deplatzierten Pfiffen von Basel kehrt Haris Seferovic in ein Schweizer Stadion zurück. Mit einem mulmigen Gefühl – oder Wut im Bauch?

von
E. Tedesco

Im November wurde Haris Seferovic von den eigenen Fans ausgepfiffen. Jetzt redet er erstmals darüber. (Video: 20 Minuten)

Haris Seferovic ist ein Stürmer, der ab und zu daneben schiesst. Man muss aber auch festhalten, dass Haris Seferovic ein Stürmer ist, der trifft – auch in entscheidenden Momenten. In 47 Länderspielen hat er 11 Tore erzielt. In der WM-Qualifikation (10 Spiele/4 Tore) ist er der Nati-Stürmer, der am häufigsten getroffen hat. Nicht aber im Barrage-Rückspiel (0:0) gegen Nordirland. Und dann passierte es: Seferovic wurde bei seiner Auswechslung fünf Minuten vor Schluss gnadenlos ausgepfiffen. Obwohl die Schweizer den Sprung an die WM geschafft hatten. Von den eigenen Fans! Den eigenen Mann!

Erst liess sich Seferovic zu einer abschätzigen Geste hinreissen, dann floss die eine oder andere Träne. Freundin Amina tat via Social Media ihren Unmut kund. SFV-Präsident Peter Gilliéron beklagte eine «fehlende Erziehung» von Teilen des Publikums. Die Nati-Kollegen gifteten in Interviews und Statements gegen besagte Zuschauer – und Seferovic? Er schwieg.

Nach dem Auswärtsspiel in Griechenland testen die Schweizer am Dienstag in Luzern gegen Panama. Mit welchen Gefühlen kehrt der Stürmer in ein Schweizer Stadion zurück? Hat er Bedenken, dass sich die negativen Vorfälle wiederholen – oder freut er sich gar auf Wiedergutmachung? Speziell: Seferovic ist ein Mann aus Sursee und das Freundschaftsspiel in der Swissporarena ein Heimspiel für ihn. Haben die Zentralschweizer eine Antwort auf die Pfiffe von Basel?

Seferovic bricht das Schweigen

Gegenüber 20 Minuten bricht Seferovic nach vier Monaten sein Schweigen. «Was war, ist vorbei und ist vergessen», sagt der 26-Jährige, «wir spielen in Luzern vor eigenem Publikum und wollen auch dieses Spiel gewinnen.» Zum Erfolg gegen Griechenland steuerte Seferovic den Assist zum Siegtreffer von Blerim Dzemaili bei. Für das Selbstvertrauen des Benfica-Reservisten war diese eine Aktion enorm wichtig.

Pfiffe gegen Seferovic

(Video: Tamedia/SRF)

Bei den Lusitanern kam Seferovic 2018 bislang nur 14 Liga-Minuten. In Athen gewährte Nati-Trainer Vladimir Petkovic seinem Stürmer rund eine Stunde Auslauf, ehe er ihn für Mario Gavranovic vom Feld nahm. «Die Situation ist, wie sie ist. Ich gebe mein Bestes, ich fühle mich fit und wenn mir der Trainer die Chance gibt, versuche ich sie zu nützen.»

Der Mann aus Sursee

Der Spruch «Seferovic, der Mann aus Sursee» ist mittlerweile Kult. Kreiert hat ihn TV-Kommentator Sascha Ruefer und Haris Seferovic findet es «schön». (Video: 20 Minuten).

Und was, wenn es nicht klappt und es wieder Pfiffe gibt? «Ich versuche immer zu treffen, und die Tore werden auch wieder kommen. Das Selbstvertrauen stimmt und ich fühle mich wohl – das ist das Wichtigste.»

«Haris ist ein Kämpfer»

Nati-Trainer Vladimir Petkovic sagt, wie Haris Seferovic mit den Pfiffen von Basel und die Rückkehr in ein Schweizer Stadion umgeht. (Video: 20 Minuten)

Nati-Trainer Vladimir Petkovic sagt, wie Haris Seferovic mit den Pfiffen von Basel und die Rückkehr in ein Schweizer Stadion umgeht. (Video: 20 Minuten)

Vorbei und vergessen?

Auf den Vorfall von Basel im November 2017 angesprochen, sagte Petkovic, dass für ihn die Geschichte schon lange vorbei sei. «Wäre die Frage nicht gekommen, hätte ich schon vergessen, was passiert ist. Bei der Gelegenheit will ich aber auch sagen, dass es mir leid tut, dass ich damals nicht in meine Beurteilung miteinbezogen habe, dass auch eine Geste von Haris in Richtung Zuschauer kam. Ich habe das erst zwei Tage später gesehen und hoffe, dass so etwas weder von unserer Seite, noch der Seite unserer Fans aus passiert.»

Trotzdem hatte Petkovic keine Bedenken, dass Haris Seferovic den Schweizern enttäuscht den Rücken kehren und den Rücktritt geben könnte. «Haris ist ein Kämpfer und wird sich immer wieder bestätigen. Das macht er jetzt auch in seiner schwierigen Phase beim Club. Das hat er in der Nationalmannschaft schon gemacht und wird das immer wieder machen», sagt der Tessiner. «Er ist ein Junge, der vergessen kann. Oder zumindest nicht zurückschaut.»

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