«Time-out»: Harry, der König von Rapperswil-Jona
Aktualisiert

«Time-out»Harry, der König von Rapperswil-Jona

Die Lakers liegen in den Playout-Halbfinals gegen Ambri 0:3 hinten. Aber Harry Rogenmoser ist unentlassbar. Deshalb bekommt er mit Anders Eldebrink einen Vormund.

von
Klaus Zaugg

Kein anderes Hockeyunternehmen im Land hat eine so bunte Trainer-Ahnengallerie wie die Lakers. Weil es auch mit mehr Geld und einem frisch renovierten Tempel nicht recht aufwärts gehen wollte, haben die Lakers immer verrücktere Trainerexperimente gewagt und zwischen strahlenden Helden, Gauklern und taktischen Finsterlingen so ziemlich alles ausprobiert. Vom strahlenden Helden Bill Gilligan über den garstigen Raimo Summanen, den Gaukler und taktischen Schwindler Morgan Samuelsson und den freundlichen Ausbildner Christian Weber, bis zum defensiven Finsterling John Slettvoll zum PR-Trainer Harry Rogenmoser.

Dabei ist eine klare sportliche Strategie verloren gegangen. Die Spielkultur hat sich in eine kunterbunte Mischung aus verschiedensten spielerischen Varianten, in ein taktisches Multikulti verwandelt. Oder wie es ein charismatischer NLA-Trainer, dessen Name mir soeben entfallen ist, kürzlich treffend formuliert hat: «Gegen die Lakers zu spielen, ist gefährlich geworden. Sie wissen nicht was sie tun, rennen einfach herum und so ist es nicht möglich, sich darauf einzustellen.»

Rogenmoser wäre der perfekte General Manager

Diese taktische Unberechenbarkeit, ja Anarchie, macht die Lakers sympathisch und tatsächlich für jeden Gegner gefährlich. Garantiert ist höchster Unterhaltungswert. Das Problem ist bloss, dass die gegnerischen Trainer im Laufe der Saison doch ein taktisches Mittel gefunden haben. Grundsätzlich gilt: Nur nie die Nerven verlieren. Auch dann nicht, wenn die Lakers in Führung gehen. Abwarten und die Ordnung im Spiel behalten – dann fällt einem gegen diese taktischen Freestyler am Schluss der Sieg in den Schoss.

Mit Harry Rogenmoser haben die Lakers nach Jahren der Anonymität endlich wieder ein Gesicht bekommen. Eigentlich wäre Harry Rogenmoser der perfekte General Manager der Lakers. Der kluge, charismatische Kommunikator mit betriebswirtschaftlichem Grundwissen und sportlicher Kompetenz hätte alles, um ein zweiter Marc Lüthi zu werden. Er könnte Sportchef, Vermarkter und Bürogeneral sein.

Rogenmoser ist ein Motivator, kein Hockeylehrer

Aber er ist Trainer geworden. Eine «Todsünde». Denn Harry Rogenmoser kann den Lakers an der Bande letztlich nicht helfen. Weil er Charisma hat, ist er ein Leitwolf und kann eine Mannschaft durchaus führen. Er könnte es auch im Militär, als Reiseleiter oder in der Privatwirtschaft. Deshalb hat er sich in Zeiten der Not bewährt und die Mannschaft letzte Saison immerhin in der NLA gehalten.

Aber Harry Rogenmoser kann «nur» führen, motivieren und antreiben. Aber er kann einer Mannschaft kein taktisches Konzept beibringen und damit keine Stabilität und Sicherheit geben. Er ist kein Hockeylehrer. Die taktische Ordnung, noch eingeschult von Rogenmosers Vorgängern, hat sich inzwischen aufgelöst.

Entlassung wäre logisch - aber nicht möglich

Eine Entlassung des Trainers wäre also der logische Schritt. Aber das geht nicht. Die Lakers brauchen Harry Rogenmoser. Nicht primär aus sportlichen Gründen. Aber aus psychologischen, marketingtechnischen, wirtschaftlichen, lokalpolitischen, kulturellen und lokal-sozialen Gründen. Er personifiziert die Lakers so wie Marc Lüthi den SC Bern, Felix Hollenstein die Kloten Flyers und Arno Del Curto den HC Davos.

Harry Rogenmoser, der ehemalige Kultstürmer, der charismatischste Spieler der Klubgeschichte, hat diesem langweiligen Sportunternehmen der grauen Mäuse endlich wieder Farbe und Identität gegeben. So wie Marc Lüthi nach den Zeiten der Not (inkl. Nachlassstundung) dem SC Bern. Also ist Harry Robenmoser «unentlassbar» wie Marc Lüthi in Bern, Arno Del Curto in Davos, Chris McSorley in Genf oder Felix Hollenstein in Kloten. Wir haben ja in Kloten soeben erlebt, was passiert, wenn der unentlassbare Hockeygott gefeuert wird. Felix Hollenstein ist unter medialen Fanfarenklängen durch die Vordertüre wieder zurückgekehrt.

Eldebrink soll für taktische Ordnung sorgen

Also behalten die Lakers ihren Trainer Harry Rogenmoser. Sie haben ihn nicht entlassen. Sondern ihm mit Anders Eldebrink einen Vormund zur Seite gestellt. Der Schwede soll den taktischen Haushalt wieder in Ordnung bringen und führen. Nach aussen kann Harry Rogenmoser weiterhin als «Mister Lakers» auftreten. Ohne Macht und echte Verantwortung an der Bande und in der Kabine, aber repräsentativ. Wie die Königin von England. Harry, der König von Rapperswil-Jona. Retten sich die Lakers, dann sollten sie Harry Rogenmoser die Trainertätigkeit verbieten und ihn endlich zum General Manager oder Verwaltungsrats-Präsidenten machen.

Inzwischen ist mir auch klar, warum Felix Hollenstein nach dem Sieg am letzten Dienstag in Langnau (4:3 n.P.) so fix und fertig und froh war, und mit einem verschwörerischen Lächeln sagte, er sei wirklich erleichtert. Weil am Freitag noch etwas ganz Besonderes passieren könnte. Er wolle aber auch nach hartnäckigem Nachfragen nicht sagen, was.

Playout-Final Hollenstein gegen Eldebrink?

Nun wissen wir: Anders Eldebrink steht ab sofort bei den Lakers an der Bande und Hollenstein wusste natürlich am Dienstag schon, dass sein bester Freund mit den Lakers verhandelt. Gegen die Langnauer untergehen und dann womöglich gegen die Lakers, gegen seinen Freund Anders Eldebrink, das Playout-Finale bestreiten – das wäre dann wohl selbst für Klotens «Hockeygott» Felix Hollenstein zu viel geworden. Schlimmer als wenn seine edlen Schäferhunde mitten in der Nacht in ihrem Zwinger durch eine vierhundertpfotige Katzen-Stampede aufgeschreckt würden.

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