4 Nati-Kandidaten: Harry Kreis: Simpsons logischer Nachfolger
Aktualisiert

4 Nati-KandidatenHarry Kreis: Simpsons logischer Nachfolger

Eishockey-Nati-Coach Sean Simpson geht. Also stellt sich die Folgefrage: Wer wird sein Nachfolger? Die logische Wahl wäre Harry Kreis.

von
Marcel Allemann

Sean Simpson verlässt die Eishockey-Nati nach der WM im Mai. Es ist bizarr: Beide Seiten wollten den auslaufenden Vertrag eigentlich verlängern, aber man fand sich bei Details nicht. Etwa in der Frage, wie der Job inhaltlich genau definiert wird oder wie die finanzielle Abgeltung im Fall einer Trennung auszusehen habe. Letzte Woche hat Simpson dann reagiert und bei einem Klub unterschrieben. Den Namen darf er nicht verraten, da die Saison für diesen noch läuft, aber es soll sich um einen Verein aus der KHL handeln.

«Es war hart, so zu entscheiden, denn ich war jeden Tag stolz, Nati-Trainer zu sein», sagt Simpson. Und Verbandspräsident Marc Furrer ist sich bewusst, «dass der Schwarze Peter nun beim Verband liegt, aber ich muss hinter den Verträgen, die ich unterschreibe, stehen können».

Grosses Anforderungsprofil

Fakt ist: Ein grosser Trainer geht. Entsprechend gefordert ist Swiss Ice Hockey bei der Suche seines Nachfolgers. Namen gibt es viele – und sie reichen vorerst von Arno Del Curto, Patrick Fischer, Kevin Schläpfer, Marc Crawford, Hans Kossmann über Harry Kreis, Bob Hartley, Slawa Bykow bis hin zu Doug Shedden und Larry Huras. Furrer liess am Montag durchblicken, das Anforderungsprofil an den neuen Mann sei gross.

Er muss Erfolge ausweisen können, das Schweizer Eishockey kennen und nach Möglichkeit eine ähnliche Spielphilosophie pflegen wie Simpson. Ein Doppelmandat Klubtrainer/Nationaltrainer schliesst Furrer aus. 20 Minuten nahm vier Hauptkandidaten unter die Lupe und kommt zum Schluss: Der logische Simpson-Nachfolger wäre Harry Kreis.

Harry Kreis

Der Deutsch-Kanadier wurde in der Schweiz zweimal Meister, in Deutschland zweimal Vizemeister und war als Nebenamt-Assistent von Uwe Krupp und Köbi Kölliker mit Deutschland an drei WM-Turnieren (2010 im Halbfinal auf Kosten der Schweiz). Er spricht Deutsch, kennt unser Hockey und unsere Mentalität, verfolgt eine ähnliche Philosophie wie Simpson, ist ein Players-Coach, verfügbar und interessiert. Gegenüber 20 Minuten sagt der 55-Jährige: «Die Position des Schweizer Nati-Trainers geniesst ein hohes Ansehen – das ist eine interessante Tätigkeit.»

Chancen: 40 Prozent.

Marc Crawford

Die Vertragsverlängerung mit den ZSC Lions befindet sich zwar auf guten Wegen, aber fix ist noch nichts. Deshalb muss der Trainer des Leaders automatisch ein Nati-Thema sein, Olympia-Erfahrung mit Kanada (1998) bringt der frühere NHL-Headcoach ebenso mit. Doch der 53-Jährige nimmt sich selbst fast schon aus dem Rennen, indem er sagt: «Das ist zweifellos ein grossartiger Job, aber ich denke, der Nati-Coach sollte Deutsch sprechen können.» Vertraute Crawfords sagen zudem, der Kanadier brauche die tägliche Arbeit mit dem Team.

Chancen: 20 Prozent.

Arno Del Curto

Immer wenn der Job des Nati-Trainers frei wird, ist Arno Del Curto ein Thema. Logisch, dies muss aufgrund seines Leistungsausweises auch so sein. Doch genauso sicher scheitern jeweils die Verhandlungen, weil sich der Bündner letztendlich nicht von seinem HC Davos lösen kann. Das dürfte dieses Mal kaum anders sein – und ein Doppelmandat ist für den Verband kein Thema. Das Spektakel, mit der charismatischen 57-jährigen Trainerlegende an eine WM oder ein Olympia-Turnier zu fahren, wird uns wohl (leider) auf immer und ewig verwehrt bleiben.

Chancen: 20 Prozent.

Doug Shedden

Leistete in Zug in den letzten Jahren tolle Arbeit, führte Finnland 2008 zu WM-Bronze und spricht dieselbe Hockey-Sprache wie Simpson. Doch sein Image hat in dieser Saison mit der Krise beim EVZ, der ihn trotz Vertrag gerne gehen lassen würde, gelitten. Zudem hinterliess er mit seiner undiplomatischen Art schon viel verbrannte Erde. Daher ein ähnlicher Fall wie bei Larry Huras: Wird einer der beiden Kanadier Nati-Coach, dürften sich WM-Absagen und Nati-Rücktritte unter Spielern wieder häufen – in Richtung Spitzenwerte wie am Ende der Ära Ralph Krueger.

Chancen: 20 Prozent.

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