Harry zeigt seinen Zauberstab
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Harry zeigt seinen Zauberstab

Ganz oder gar nicht: Harry-Potter-Darsteller Daniel Radcliffe entschied sich für Ersteres. In seiner Rolle im Bühnenstück «Equus» ist Daniel der Grosse in seiner ganzen Pracht zu bewundern.

Einen radikaleren Bruch mit dem Image des putzigen elfjährigen Daniel Radcliffes, der 2001 als Harry-Potter-Darsteller der Welt vorgestellt wurde, kann es kaum geben: Im Theaterstück «Equus» spielt der englische Schauspieler einen Stallburschen, der Sex im Heu hat und im religiös-erotischen Wahn Pferden die Augen aussticht. Und: Nackt muss er sein. Live auf der Bühne.

Bildstrecke: Endlich erwachsen, endlich nackt!

O-Ton Radcliffe: «Ich finde das in Ordnung. 'Equus' ist ein Kultstück. Die Nacktszene gehört dazu. Ich kann das nicht machen und dabei die Hosen anlassen. Das wäre Müll. Wir haben die Szene ein paar Mal bei den Proben gemacht. Ich hatte keine besonderen Bedenken. Nichts hält mich davon ab, mich auszuziehen, wenn die Arbeit es verlangt. Der Schlüssel zu ernsthafter Schauspielerei ist, seine Hemmungen zu verlieren, frei und ohne Angst zu werden.»

Der Sissi-Effekt

Nebst dem Anspruch nach schauspielerischer Authentizität, dürften Karriere-Überlegungen bei Daniel Radcliffe auch eine Rolle gespielt haben. Die Harry-Potter-Serie ist ein riesiger Erfolg. Doch Radcliffe muss sich vom Kinderstar-Label befreien, will er auch nach dem Ende der Serie weiterhin eine Schauspielkarriere haben. Und da kann die öffentlich zur Schau gestellte Nacktheit, Schambehaarung inklusive, durchaus ein emanzipatorischer Akt sein.

Vorreiterin war Romy Schneider: In den Fünfzigerjahren war sie mit den «Sissi»-Filmen der Kinderstar schlechthin. Danach kam die Rebellion: In den Sechzigerjahren änderte sie radikal ihr Image und spielte diverse Nacktrollen in französischen Kunstfilmen.

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