Bernard Bertossa: Harsche Kritik an Bundesanwaltschaft

Aktualisiert

Bernard BertossaHarsche Kritik an Bundesanwaltschaft

Der ehemalige Bundesstrafrichter Bernard Bertossa hat in einem Interview mit der Zeitung «laRegioneTicino» heftige Kritik an der Bundesanwaltschaft geübt. Dieser fehle es an einem Chef mit Führungsqualitäten.

Nebst einer starken Führung fehle der Bundesanwaltschaft (BA) auch die nötige Sichtbarkeit, sagte Bertossa. Der Name von Bundesanwalt Edwin Beyeler sei nur einem kleinen Prozentsatz der Schweizer bekannt. Abhilfe könnte laut Bertossa dadurch geschaffen werden, dass die BA unabhängiger gemacht werde.

Die mangelnde Unabhängigkeit habe man bei der vom Bundesrat beschlossenen Vernichtung der Tinner-Akten gesehen. «Ein unabhängiger Bundesanwalt hätte heftig protestiert und sich aktiv gegen eine solche Anordnung gewehrt.» Doch der aktuelle Chef habe «nicht einmal mit der Wimper gezuckt», sagte Bertossa.

Mutloser Chef

Wenn der Chef nicht den Mut habe, öffentlich gegen eine solche Einmischung des Bundesrates zu protestieren, dann dürfe man sich nicht wundern, wenn die Bundespolizisten und Staatsanwälte des Bundes bei ihrer Arbeit «wenig motiviert» seien, erklärte Bertossa.

Bertossa war Ende 2007 in Pension gegangen, nachdem er die letzten vier Jahre seiner Karriere als Richter am Bundesstrafgericht in Bellinzona verbracht hatte. International bekannt geworden war als Generalstaatsanwalt des Kantons Genf, der sich im Kampf gegen das organisierte Verbrechen profilierte.

Bundesanwaltschaft und Bundespolizei stehen immer wieder in der Kritik. Laut einem von der «SonntagsZeitung» publik gemachten Bericht, der das Justizdepartement EJPD beim früheren Zuger Justizdirektor Hanspeter Uster bestellt hat, bestehen Mängel bei der Zusammenarbeit und bei der Erfassung der geleisteten Arbeit.

(sda)

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