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Schweizer Schläger in DeutschlandHarte Strafe für Münchner Prügler zu erwarten

Nach der brutalen Prügelattacke von Schweizer Jugendlichen in Deutschland laufen die Ermittlungen in München auf Hochtouren. Ein psychiatrisches Gutachten wird erstellt, die Vorstrafen abgeklärt. Klar ist aber jetzt schon: Den drei Tätern drohen drakonische Strafen. Sie werden bereits mit den berüchtigten Münchner «U-Bahn-Schlägern» verglichen.

von
Katharina Bracher

Tag drei nach der brutalen Amokattacke von drei Zürcher Schülern. Die Münchner Staatsanwaltschaft arbeitet auf Hochtouren: Derzeit wird abgeklärt, wie stark der Drogen- und Alkoholeinfluss war, unter dem die Schläger standen. Staatsanwalt Laurent Lafleur erwartet die Ergebnisse der Blutanalyse in den nächsten Tagen.

Auch die psychische Verfassung stehe im Zentrum der Ermittlungen der Münchner Staatsanwaltschaft. «Wir wollen von jedem der drei ein psychiatrisches Gutachten», wie Lafleur gegenüber 20 Minuten Online sagte.

Einer der Täter ist der 16-jährige Mike. Auf den Bildern (siehe Diashow) wirft er sich mit seinen Kollegen in Posen, wie das viele andere in seinem Alter auch machen. «Wir hätten ihm so eine Tat nie zugetraut, er ist ein friedlicher Junge», sagten Schulkollegen zu 20 Minuten Online. Die Familie lebe schon lange in dem Dorf, er sei nie negativ aufgefallen.

Prügelten die Küsnachter Schläger bereits in der Schweiz?

Wer der oder die Haupttäter waren, ist noch nicht klar. Gemäss Schweizer Strafregister seien die verhafteten Jugendlichen jedoch nicht vorbestraft. «Jeder der drei gab jedoch von sich aus an, bereits polizeilich aufgefallen zu sein», wie Staatsanwalt Laurent Lafleur sagt. Einer der mutmasslichen Täter gab bei der Einvernehmung sogar an, ein Anti-Agressions-Training absolviert zu haben, das von den Behörden angeordnet wurde. Warum ihm diese Massnahme aufgebrummt wurde, ist ebenso unklar wie die Frage, ob der Schüler bereits vor der Tat am Dienstag in der Schweiz als Schläger bekannt war. «Wir versuchen in diesem Zusammenhang, mit der Zürcher Jugendstaatsanwaltschaft in Kontakt zu treten», so Lafleur. Dort wolle man zuerst die Richtigkeit dieser Angabe überprüfen und allenfalls den Grund, der zu dieser Massnahme führte, erfahren.

Heute wurde in München offenbar über neue Schritte entschieden. Laut Staatsanwalt Laurent Lafleur steht im Zentrum der Abklärungen auch das soziale Umfeld der Schweizer Jugendlichen. Ob dafür deutsche Ermittler in die Schweiz geschickt werden, ist laut Lafleur noch nicht entschieden.

Offensichtliche Parallelen zu den «U-Bahn-Schlägern»

Vor allem in deutschen Medien wurden Parallelen gezogen zwischen dem Blutrausch der drei Schweizer Jugendlichen mit den sogenannten «U-Bahn-Schlägern», die vor zwei Jahren in einer Münchner U-Bahn-Station einen 76-jährigen Mann brutal zusammengeschlagen und ihm schwerste Kopfverletzungen zugefügt hatten. Die beiden Täter, die damals 20- und 18-jährig waren, wurden von der Münchner Strafjustiz für Schweizer Verhältnisse drakonisch bestraft. Der Richter verzichtete sogar darauf, den Älteren der beiden dem Jugendstrafrecht zu unterstellen und brummte ihm 12 Jahre gemäss Erwachsenenstrafgesetz auf. Der Jüngere erhielt achteinhalb Jahre Jugendstrafe. Pikant: Hätten die seit zwei Tagen inhaftierten Schweizer Jugendlichen ihren Blutrausch in der Schweiz ausgelebt, wären sie zu maximal vier Jahren Jugendstrafe verdonnert worden.

Deutsche Gangart mit jugendlichen Straftätern härter als in der Schweiz

Laut Staatsanwalt Laurent Lafleur sei der Vergleich des aktuellen Falls mit den «U-Bahn-Schlägern» von 2007 durchaus angebracht: «Aufgrund der massiven Gewaltanwendung und der Sinnlosigkeit der Tat sind die Fälle tatsächlich ähnlich», sie seien aber nicht identisch, wie Lafleur betont. Denn damals hatte das Opfer vor dem Übergriff die zwei Täter auf das Rauchverbot in der U-Bahn-Station hingewiesen. So nichtig dieser Anlass auch sei, er stellt laut Staatsanwalt Lafleur den entscheidenden Unterschied dar: «Für den aktuellen Fall gab es nicht den geringsten Anlass, was die Sinnlosigkeit der Tat zusätzlich hervorhebt.» Mit einem harten Strafmass müssen die drei Schüler wohl rechnen, denn gegen die «U-Bahn-Schläger» ermittelte damals dieselbe Untersuchungsbehörde unter Oberstaatsanwalt Beckstein.

Strafvollzug möglicherweise in der Schweiz

Dass die Täter bald aus der Untersuchungshaft entlassen werden, sei zum jetzigen Zeitpunkt nahezu ausgeschlossen, so der zuständige Staatsanwalt Lafleur. Es sei jedoch möglich, dass die drei Jugendlichen - nach einem entsprechenden Urteil - ihre Strafe in der Schweiz verbüssen: «Es würde allenfalls sogar Sinn machen, denn dann wären die Jugendlichen wenigstens in der Nähe ihres angestammten Umfeldes.»

Küsnachter Schulbehörden wussten nichts von Vorstrafen ihrer Schüler

Weder die Polizei noch die Jugendstaatsanwaltschaft dürfen Auskunft über laufende Strafverfahren oder -massnahmen geben, da sie an das Amtsgeheimnis gebunden sind. Aus diesem Grund erfuhr die Küsnachter Schulbehörde erst von den Münchner Strafuntersuchungbehörden, dass die drei inhaftierten Berufswahlschüler in der Schweiz bereits polizeilich bekannt waren. Informationen zu den Vorstrafen der drei mutmasslichen Täter darf daher lediglich die Münchner Staatsanwaltschaft publik machen. (ap)

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