Aktualisiert 05.01.2011 11:49

Nach Daten-GAU

Harte Zeiten für Liechtensteins Treuhänder

Die teilweise Aufhebung des Bankgeheimnisses in Liechtenstein hat die Treuhänder im Fürstentum bis ins Mark getroffen. Das Geschäft mit den anonymen Stiftungen floriert nicht mehr.

Nach dem Datenklau bei der ehemaligen fürstlichen LGT Treuhand ist nichts mehr, wie es einmal war im Ländle.

Nach dem Datenklau bei der ehemaligen fürstlichen LGT Treuhand ist nichts mehr, wie es einmal war im Ländle.

Die Liechtensteiner Treunhandbranche steht vor einem schmerzhaften Umbruch. Der Datenklau bei der ehemaligen fürstlichen LGT Treuhand AG sei der Super-GAU gewesen, die «grösstmögliche Katastrophe für den Finanzplatz Liechtenstein», sagte Rechtsanwalt und Treuhänder Peter Sprenger in einem Interview mit dem Jahresmagazin der Wochenzeitung «Wirtschaft regional» der Vaduzer Medienhaus AG.

Der frühere Parlamentarier ist Vorsitzender des Verwaltungsrates der Administral Anstalt, Sprengers Angaben zufolge einem grösseren Treuhandunternehmen im Fürstentum. Seit dem Ausbruch der Steueraffäre im Februar 2008 mit der Verhaftung des damaligen deutschen Postchefs Klaus Zumwinkel hat die Administral Anstalt laut Sprenger über 20 Prozent der Mandate verloren.

Eine Neugründung pro Woche

Neue Kunden klopfen kaum an die Türe. «Wenn wir heute noch eine Stiftung pro Woche gründen, dann herrscht Freude», sagte Sprenger. In Boomzeiten seien in einer Woche bis zu 25 neue Stiftungen gegründet worden.

«Das Fass hat ein Leck. Und wenn wir dieses Leck nicht bald stopfen, ist es nur eine Frage der Zeit, bis das Fass leer ist», so Sprenger weiter. Neukunden könne er heute nicht mit Sicherheit sagen, wie die Rahmenbedinungen in Zukunft aussähen. Leider fehle die Planungs- und Rechtssicherheit seit längerer Zeit vollkommen.

Diese Unsicherheit wirke bei der Strukturierung von Vermögenswerten «wie Gift». «Wenn man einem Kunden wiederholt und dauerhaft keine Perspektive aufzeigen kann, verliert er das Vertrauen und verlässt Liechtenstein.»

Schweizer Bankgeheimnis im Visier

Der Finanzplatz Liechtenstein diente der internationalen Staatengemeinschaft nach Ansicht des ehemaligen Parlamentariers «nur als Türöffner, um das Schweizer Bankgeheimnis zu knacken». Ein Wirtschaftskrieg sei losgetreten worden, bei dem mit Kanonen auf Spatzen geschossen werde.

Im Interview beklagt Treuhänder Sprenger die fehlende Unterstützung durch die Regierung und ein Stück weit auch durch die Banken. Die Regierung habe bisher 23 Steuerabkommen mit anderen Staaten abgeschlossen, «die unserem Land keine grossen Vorteile bringen». Die Entwicklung laufe momentan ausschliesslich zu Lasten der Treuhänder.

Fusionen und Kooperationen

Ein von der Regierung und dem Fürstenhaus empfohlener Strukturwandel mit neuen, steuerkonformen Geschäftsmodellen lässt sich laut Sprenger «nicht so einfach von oben herab verordnen». Dafür brauche es geänderte Rahmenbedinungen.

In den Köpfen der Treuhänder müsse ein Umdenken stattfinden. Es werde verstärkt zu Fusionen und Kooperationen kommen, erklärte Sprenger: «Denkbar wäre etwa, dass mehrere Unternehmen mit einer ähnlichen Philosophie einen Think Tank an Experten beschäftigen, den die Beteiligten gemeinsam finanzieren.» (sda)

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