Gewinneinbruch: Harter Winter schadet Holcim
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GewinneinbruchHarter Winter schadet Holcim

Von einem möglichen Aufschwung ist in den Halbjahreszahlen des Zementkonzerns Holcim noch nichts zu sehen. Aufgrund von markant tieferem Absatz von Zement und anderen Baustoffen ist der Gewinn im Vergleich zum Vorjahr um 41,2 Prozent auf 787 Mio. Fr. eingebrochen. Holcim führt den Einbruch auf den harten Winter zurück.

Unter Ausklammerung von Währungseffekten und Veränderungen der Konzerngrösse betrug das Minus 33,9 Prozent. Marktbeobachter sind aber dennoch positiv überrascht vom Zementriesen. Dessen Reaktion auf die Wirtschaftskrise hat nämlich offensichtlich gegriffen: Dank Sparmassnahmen ist der Betriebsgewinn im zweiten Quartal mit 21,5 Prozent deutlich weniger stark zurückgegangen als im ersten Quartal.

Damals verzeichnete Holcim noch einen Einbruch des operativen Ergebnisses um über die Hälfte. Wie Konzernchef Markus Akermann am Donnerstag an einer Telefonkonferenz erklärte, hat Holcim in den ersten sechs Monaten seine Fixkosten bereits um 381 Mio. Fr. reduzieren können. Das Sparziel bis Ende Jahr ist nun laut Akermann von ursprünglich 375 auf 600 Mio. Fr. erhöht worden.

Die Kostenreduktionen sind zu einem grossen Teil eine Folge des weltweit eingebrochenen Zementabsatzes. Der markant tiefere Absatz hat denn auch das zweite Quartal geprägt: So hat Holcim weltweit 7,6 Prozent weniger Zement, rund 20 Prozent weniger Zuschlagstoffe und Transportbeton sowie 30 Prozent weniger Asphalt verkauft.

Dementsprechend ist auch der Nettoverkaufsertrag um 19,7 Prozent auf knapp 5,6 Mrd. Fr. tiefer ausgefallen. Mit Ausnahme des Asphaltgeschäfts hat sich der Absatz- und Umsatzrückgang aber etwas abgeschwächt. Dies hat gemäss Holcim aber auch mit dem harten Winter zu tun, der den Konzern Anfang Jahr belastete.

Indien boomt

Bereits wieder ein Absatzwachstum verzeichnen konnte Holcim in den letzten Monaten in Asien, Lateinamerika und Afrika. Insbesondere in Indien stieg der Zementverkauf deutlich an. In Indien, anderen Teilen Asien, aber auch in einigen lateinamerikanischen Märkten und in Afrika rechnet Holcim denn auch für den Rest des Jahres mit einem Wachstum oder mindestens einem ansprechenden Geschäftsverlauf.

In den von der Rezession gebuetelten europäischen und nordamerikanischen Märkten dagegen wird so schnell keine Besserung erwartet. Holcim-Chef Akermann rechnet erst im nächsten Jahr oder gar erst im 2011 wieder mit einer Erholung. Die staatlichen Konjunkturförderungsprogramme dürften sich zudem auch frühstens im Laufe des nächsten Jahres in den Büchern von Holcim bemerkbar machen.

Akermann schloss gegenüber den Medien auch nicht aus, dass aufgrund der tiefen Nachfrage noch weitere Holcim-Werke geschlossen werden könnten. In Spanien beispielsweise, wo der Zementabsatz sich nach dem Platzen der Immobilienblase halbiert hat, hat Holcim ein Zementwerk bereits definitiv geschlossen.

Deutliches Plus an Börse

Für die Schweiz zeigte sich Akermann zuversichtlich. Auf dem Heimmarkt könne wegen der zahlreichen Infrastrukturprojekten mit einem «vernünftigen Wachstum» gerechnet werden. Beim Wohnungsbau in der Schweiz rechnet der Holcim-Chef allerdings nicht mit speziellen Impulsen.

Analysten hatten einen tieferes operatives Ergebnis erwartet und zeigten sich beeindruckt von den Kostensenkungsmassnahmen, die zu einer unerwartet hohen Profitabilität geführt hätten. An der Börse hoben die Holcim-Aktien im frühen Handel um bis zu 7,3 Prozent ab und notierten bei Börsenschliss mit 69,20 Franken weiterhin 5,7 Prozent höher als am Vortag. (sda/dapd)

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