Aktualisiert 10.03.2005 15:41

Harter Winter: Wildtiere verhungern

Täglich verhungern Wildtiere in den Wäldern: Im Kanton St. Gallen und in Ausserrhoden wird jetzt zum Teil notfallmässig gefüttert. Vor allem aber brauchen die Tiere Ruhe.

Im Fürstentum Liechtenstein wurde in diesem Winter die Wiltierfütterung verboten, nachdem die Tiere in den vergangenen 60 Jahren gefüttert wurden. Begründung: Damit würden Schäl- und Verbissschäden vermieden. Am Donnerstag protestierten rund 50 Jäger vor dem Regierungsgebäude in Vaduz mit Tierkadavern gegen das Verbot.

Trester, Laubheu und Sprossholz

Auch in Ausserrhoden würden täglich verendete Tiere gefunden, sagte Jagdverwalter Willi Moesch am Donnerstag auf Anfrage. In Ausserrhoden füttern die Jäger die hungernden Tiere mit Trester und Laubheubüscheln. Die Förster wurden angewiesen, gefällte Weisstannen samt Ästen liegen zu lassen, damit die Tiere etwas Sprossholz zum Knabbern haben.

Die Fütterung sei eine Notmassnahme, so Moesch gegenüber der Nachrichtenagentur sda. Üblicherweise werde nicht aktiv gefüttert, um die Tiere so wenig wie möglich zu stören, in Notzeiten, wie in diesem Winter sei aber eine eine aktive Fütterung gerechtfertigt. Denn: Selbst mit Scharren gelingt es dem Wild bei gefrorenem Boden nicht, etwas Essbares zu finden.

Auch Füchse sterben vor Hunger

Neben Hirschen und Rehen sterben auch nahezu täglich Füchse vor Hunger. Raubwild werde aber nicht gefüttert, sagt Moesch und er warnt davor, Abfall hinauszuwerfen, um die Füchse zu füttern.

Füchse benähmen sich bald wie Haustiere: Wenn sie nichts mehr bekämen, rebellierten sie und würden lästig. Dann komme der Ruf nach dem Wildhüter, er müsse die Tiere abschiessen.

Notfütterungskonzept im Kanton St. Gallen

Auch im Kanton St. Gallen besteht ein Notfütterungskonzept, hiess es beim St. Galler Amt für Jagd und Fischerei auf Anfrage. Gegenwärtig werde dort, wo es nötig sei, gefüttert. Grund für die zahlreichen verendeten Tiere seien neben der fehlenden Nahrung vor allem Störungen durch Wintersportler, wie Variantenskifahrer, Schneeschuhläufer und Snöber.

Im Winter laufe der Stoffwechsel der Wildtiere auf Sparflamme, damit sie möglichst wenig Energie verbrauchten und von ihren Reserven zehren könnte, hiess es. Würden sie gestört, verbrauchten sie zu viel Energie. Das könne oft den Tod zur Folge haben.

Wildtiere zu füttern sei heikel. Anderseits seien die Lebensräume derart verändert worden, dass die Tiere fast nicht mehr artgerecht leben könnten. Deshalb seien Notfütterungen vorgesehen.

(sda)

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