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«SF bi de Lüt»Hartmann verliert sich in formlosem TV-Potpourri

Diesen Sommer wagte Moderator Nik Hartmann mit «SF bi de Lüt» den Sprung vom Land in die grossen Schweizer Städte. Die einst charmant einfache Serie will zu viel – und verliert sich.

von
kis
Hat Regenschutz gegen Jacket und Wanderstock gegen Oldtimer eingetauscht: Moderator Nik Hartmann kurvt derzeit mit «SF bi de Lüt» durch sieben Schweizer Grossstädte.

Hat Regenschutz gegen Jacket und Wanderstock gegen Oldtimer eingetauscht: Moderator Nik Hartmann kurvt derzeit mit «SF bi de Lüt» durch sieben Schweizer Grossstädte.

Mit den Worten «Oh, jetzt hat es wieder angefangen» eröffnete Moderator Nik Hartmann am Samstagabend seine Live-Schaltung aus St. Gallen. Die Aussage bezog sich auf den Regen. Rückblickend ist sein Zitat jedoch auch bezeichnend für eine Sendung, die ihr Konzept noch finden muss – irgendwo zwischen volksnahem Dorffest und urbanem Unterhaltungs-Format. Und dies obwohl die Ostschweizer Haltestelle bereits die vierte von gesamthaft sieben Städten war. Hartmann wünscht man, dass diese Positionierung bereits vor Sendestart stattgefunden hätte. Wirkt der Moderator doch ungewohnt schwerfällig und - inmitten des chaotischen Potpourris aus Einspielern, Gästen, Auftritten, Aussenmoderationen und weiteren Aktionen – verständlicherweise etwas verloren. Ein bisschen, als hätte man sich beim Brainstorming für das Konzept der Sendung nicht entscheiden können und darum kurzum alle Ideen integriert.

Die für die Sendung natürlichen Terrains wie Wanderwege, Dorfplätze und Schrebergärten zu verlassen, ist mutig. Dennoch wirkt es, als wolle man einem allfälligen Misserfolg des Umzuges in die Stadt mit möglichst vielen Kanonen entgegenstehen. Seziert man die rund zweistündige Sendung nämlich in ihre Einzelteile, finden sich darin gleich mehrere Konzepte, die jeweils separat schon für ein abendfüllendes Programm ausreichen würden.

Castingsshow, Versteckte Kamera, Talkrunde, Wetten, dass..?, oder doch Fernsehgarten?

Vorab wurde ein lokaler Chorsänger gecastet, der live den nervenstrapazierenden Sommerhit «Ai Se Eu Te Pego» vortragen durfte, sodass einem die Ohren bluteten. Die Bühnen-Auftritte von Michael von der Heide, The Baseballs und den Bubble Beatz waren solide, vermochten es aber auch nicht, eine homogene Atmosphäre zu schaffen. Dass Nik Hartmann kein brillianter Talkmaster im klassischen Sinne ist, bewies er auf der Couch mit Ex-Skiweltmeisterin Sonja Nef und Komikerin Regula Esposito gleich zwei Mal – die Dialoge harzten. Ein Glück, dass man zuvor noch Streiche mit einer versteckten Kamera aufgenommen hatte, die man nun wiederum einspielen konnte. Ergänzend wurde die einheimische Bevölkerung mit einer Art Saalwette eingespannt: Siebzig über siebzigjährige FC-St.-Gallen-Fans hätten zum Gewinn der Zuschauer-Wette auftauchen sollen. Schlussendlich waren es gerade einmal deren fünfzehn. Zur Strafe musste der St. Galler Stadtpräsident Thomas Scheitlin eine Bratwurst essen, getunkt in einer der schärfsten Chili-Saucen auf dem Markt.

Weder Fisch noch Vogel

«Nichts für Ungut» entschuldigt sich Hartmann schliesslich bei dem guten Dutzend angereister FCSG-Fans auf der Bühne. Und wiederum kann man seine Aussage auch prima in den Kontext des gesamten Abends stellen. Der erfrischend natürliche Moderator Nik Hartmann wurde Opfer seiner eigenen Sendung. Möglichst viele verschiedene Standbeine erhöhen die Stabilität eines Fundamentes eben nicht immer. Da halfen auch die Würste von Metzgermeister Grill-Ueli nichts mehr – den Brei hat sich Hartmann, in seiner eigenen Küche, von viel zu vielen Köchen, verderben lassen.

Die gesamte Sendung «SF bi de Lüt» finden Sie im Videoportal vom Schweizer Fernsehen.

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