Harvey Keitel wird 65
Aktualisiert

Harvey Keitel wird 65

Schön ist er nicht, eher knorrig, rau und maskulin, mit einer markanten Nase und immer leicht düsteren Augen: Harvey Keitel ist kein Hollywood-Schauspieler im klassischen Sinne.

Ein Star wie sein Freund seit Jugendzeiten, Robert DeNiro, wurde er nie. Seine Charaktere bleiben jedoch einprägsam durch ihre Intensität - angefangen vom brutalen Zuhälter in «Taxi Driver» (1976), über den Judas in «Die letzte Versuchung Christi» (1988) bis zum schüchternen Liebhaber in «Das Piano» (1993). Für viele Kritiker gehört er zu den besten Schauspielern der USA, obwohl er nie einen Oscar gewonnen hat. Am Donnerstag (13. Mai) feiert Harvey Keitel seinen 65. Geburtstag.

Zum Durchbruch beim Film verhalf ihm Ende der 60er Jahre seine Freundschaft mit dem damals noch unbekannten Martin Scorsese. Keitel hatte auf eine Anzeige geantwortet, die Scorsese auf der Suche nach Schauspielern aufgegeben hatte. In dessen autobiografischem Film «Mean Streets» (1973) und dem später gefeierten Film «Taxi Driver », in dem Keitel im damals noch berüchtigten East Village den Zuhälter einer Hure - gespielt von der damals 13-jährigen Jodie Foster - verkörpert, wurden sie gemeinsam bekannt. «Ich fand, er war mir sehr ähnlich, obwohl er ein polnischer Jude aus Brooklyn war», hat Scorsese, Sohn katholischer italienischer Einwanderer, einmal über Keitel gesagt.

Keitel wurde 1939 in dem New Yorker Stadtteil geboren. Sein Vater, ein Hutmacher, stammte aus Polen, seine Mutter aus Rumänien. Sie betrieben kleine Imbissstände, lernten angeblich nie Lesen und Schreiben. Nach dem Militärdienst hielt sich Keitel als Schuhverkäufer und Gerichtsschreiber über Wasser. Seine Schauspielausbildung holte er sich am renommierten Actor's Studio von Lee Strassberg in New York, von Stella Adler und Frank Corsaro. Er nahm jede Rolle an, die er bekommen konnte, und spielte zehn Jahre lang auf allen grossen und kleinen Bühnen - bis er am Broadway landete und in Stücken von Arthur Miller und Sam Shepard auftrat.

Nach «Taxi Driver» gingen die Karrieren für Scorsese, DeNiro und Foster steil nach oben, alle drei wurden zu Superstars. Warum Keitel nicht mitziehen konnte, gehört zu den Mysterien der Filmgeschichte. In den 80er Jahren spielte er nur in unbedeutenden Streifen mit, oft Gangster und Polizisten. Erst 1988 gab ihm Scorsese die Rolle des Judas im umstrittenen «Die letzte Versuchung Christi», und plötzlich war er wieder da.

In Quentin Tarantinos Kultfilmen «Pulp Fiction» und «From Dusk Till Dawn» wurde er berühmt. Als brutaler «Bad Lieutnant » erhielt er einen «Independent Spirit Award» als bester Hauptdarsteller - den Oscar für unabhängige Filme. Heute gehört er zu den gefragtesten Charakterdarstellern, der bis zu sechs Filme pro Jahr dreht. 2001 heiratete er in Jerusalem die israelische Schauspielerin Daphna Kastner, die kurz zuvor kennen gelernt hatte. (sda)

Deine Meinung