Bruder von Kiko: «Hassan liebt Angela wirklich»
Aktualisiert

Bruder von Kiko«Hassan liebt Angela wirklich»

Angela Magdici und Hassan Kiko sitzen nach mehrwöchiger Flucht in Italien in Haft. Jetzt äussert sich erstmals Hassans älterer Bruder, der in der Schweiz lebt.

von
Qendresa Llugiqi

Rund sechs Wochen waren die Gefängnisaufseherin Angela Magdici und der Häftling Hassan Kiko auf der Flucht – bis sie am Freitagmorgen von der Polizei in der Nähe von Bergamo verhaftet wurden. Bei den Angehörigen von Magdici herrschte völlige Ungewissheit. Auch Kikos Familie habe nicht gewusst, wo er sich aufhält, sagt Hassan Kikos älterer Bruder Ibrahim* zu 20 Minuten. «Ich hatte schon seit einem Jahr keinen Kontakt mit Hassan», so der Syrer, der seit 13 Jahren in der Schweiz lebt.

Seit Hassan Kiko im März 2015 wegen des Vorwurfs der Vergewaltigung eines 15-jährigen Mädchens verhaftet wurde, habe er ihn nicht mehr sprechen können. «Dass mein Bruder verhaftet worden war, erfuhr ich erst durch einen Bekannten.»

Hassan brach den Kontakt ab

Daraufhin habe er vergeblich versucht, bei der Polizei in Erfahrung zu bringen, wo sein Bruder ist. «Man gab mir jedoch keine Informationen.» Erst Monate später habe er von einem anderen Bekannten die Telefonnummer des Pflichtverteidigers erhalten. «Als ich dort anrief, vertröstete er mich», sagt Kikos Bruder. Ein paar Tage später habe der Anwalt ihn aber angerufen und ihm gesagt, dass Hassan ihn nicht sehen wolle und dass er ihn nicht mehr anrufen sollte.

Auch von der Flucht von Hassan mit Angela Magdici habe er erst durch die Medien erfahren – ebenso von der Festnahme der beiden in Italien. «Durch diesen Vorfall ist Hassan jetzt bekannter als Osama Bin Laden», sagt sein Bruder. Auch von der Beziehung seines jüngeren Bruders zu Angela Magdici habe er durch die Medienberichte gehört.

«Mein Bruder hat Gefühle für Magdici»

Ob die Liebe – die laut Magdici der Grund für die Flucht gewesen sein soll – halten wird? «Wenn sie sich wirklich so fest lieben, werden sie auch diese Krise meistern», sagt Ibrahim. Er glaube daran, dass Kiko tatsächlich Gefühle für Magdici hege und sie nicht ausgenützt habe. «Er ist nicht so einer, der Frauen ausnutzt», so der ältere Bruder.

Ibrahim hat auch Hassans Videobotschaft angesehen, das 20 Minuten zugespielt worden ist: «Ich glaube ihm, wenn er sagt, dass er dem Mädchen nichts getan hat», sagt er. «Hassan ist unschuldig, da bin ich mir sicher.» Er erkenne das und er kenne seinen Bruder.

«Er wurde im Gefängnis schlecht behandelt»

Ebenfalls glaube er Hassan Kikos Aussage, wonach dieser im Gefängnis schlecht behandelt worden sei. «Ich war selber für einige Tage wegen einer Schlägerei im Gefängnis und weiss, wie es dort zu und her gehen kann.»

Sein Bruder sei ein Justizopfer und werde nur schlecht behandelt, weil er Ausländer sei, ist Ibrahim überzeugt. «Er erzählt ja im Video, dass es keine Beweise für seine Tat gab und dass er während des Prozesses nicht sprechen durfte. Und dann wurde er im Gefängnis geschlagen.»

Mutter weiss nichts vom Vergewaltigungsvorwurf

Gemäss dem Bruder weiss ihre Mutter, die insgesamt 13 Kinder hat, nichts über den wahren Grund für den Gefängnisaufenthalt ihres Sohnes. Ibrahim: «Weil es ihr gesundheitlich nicht gut geht, mussten wir ihr eine andere Geschichte auftischen.» So habe man ihr erzählt, dass Kiko die Fahrprüfung nicht bestanden und deshalb den Experten geschlagen habe. «Obwohl diese Tat nicht so gravierend ist wie diejenige, die ihm vorgeworfen wird, ist unsere Mutter ausgerastet. Sie ist enttäuscht von Hassan.»

So achte die Familie nun darauf, dass die Mutter keine Nachrichten sieht: «Meine Geschwister schalten dann einfach um. Sie soll nicht an diesem Schmerz sterben.»

*Name geändert.

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