Erneutes Rennen: Hat Cemal A. seinen Bruder angestiftet?
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Erneutes RennenHat Cemal A. seinen Bruder angestiftet?

Das Urteil im Fall Schönenwerd ist noch nicht mal gesprochen, schon sitzt Cemal A. wieder wegen eines Rennens in Haft. Belastet ihn sein Bruder nicht, könnte er ungeschoren davon kommen.

von
amc

Zwei von drei Angeklagten im Schönenwerd-Raserprozess sitzen erneut in U-Haft: Während Vedran B. ohne Führerschein mit seinem gelben Fiat Punto umher gefahren sein soll, ist Cemal A. als Beifahrer seines Bruder der Polizei direkt in die Arme gerast. Die beiden Männer sollen sich mit ihrem Mercedes E 63 AMG bewaffnet in Trimbach SO ein Rennen mit einem Audi S4 geliefert haben. Die Fahrzeuge wurden am Donnerstag kurz vor 20 Uhr innerorts geblitzt, als sie dicht hintereinander mit 109 und 98 Stundenkilometer unterwegs waren.

Wer mitfährt ist nicht mitschuldig

Obwohl die Todesraser unverbesserlich scheinen, durften die neuerlichen Verfehlungen nicht in den aktuellen Schönenwerd-Prozess eingebracht werden, weil die Beweisaufnahme bereits abgeschlossen war. Tatsächlich bleibt aber sogar offen, ob Cemal A. überhaupt für seine neuen Verfehlungen zur Rechenschaft gezogen werden kann. «Er war zwar als Beifahrer dabei, grundsätzlich trägt man als solcher aber nicht die Verantwortung nicht für die Taten des Fahrers», sagt Strafrechtsprofessor Peter Albrecht.

Cemal A. stehe als Beifahrer nicht in der Pflicht dafür zu sorgen, dass sein Bruder anständig fährt. «Er könnte nur haftbar gemacht werden», so Albrecht, «wenn er den Fahrer angestiftet hat oder sie den Entschluss gemeinsam getroffen hätten.» Cemal A. nachzuweisen, dass er seinen Bruder zum offenbar erneuten Rennen animiert hat, ist aber gemäss dem Strafrechtsprofessor genau so schwierig wie ihnen den gemeinsamen Entschluss nachzuweisen. «Die Chance erhöhen würde nur, wenn der Fahrer sich entlasten will und die Schuld auf den Beifahrer schiebt.»

Haftstrafe würde erhöht

Sollte gegen Cemal A. allerdings ein neuer Prozess wegen Gehilfenschaft oder Anstiftung zur der neuerlichen Tat eröffnet werden, hätte er als Wiederholungstäter nichts zu lachen. Das Gericht könnte die beiden Verfehlungen gemeinsam beurteilen. Sollte es dabei zu einem strengeren Urteil kommen, würde die Differenz zwischen den aktuell geforderten sieben Jahren und dem strengeren Urteil hinzugerechnet. Dass es also im aktuellen Fall nicht berücksichtigt wurde, ist für die Raser von Schönenwerd nur eine beschränkt gute Nachricht.

Initiative zum Schutz vor Rasern

Ein Unfall mit Folgen

Am 8. November 2008 verursachen Nekti T., Vedran B. und Cemal A. in Schönenwerd SO einen schweren Verkehrsunfall. Die drei Männer sind mit übersetzter Geschwindigkeit unterwegs. Nekti T. donnert schliesslich ungebremst in einen roten Golf. Dabei kommt die 21-jährige Schweizerin Lorena W. ums Leben. Sie sass auf dem Rücksitz des korrekt fahrenden Autos. Ein heute 61-jähriger Mann und seine 64-jährige Ehefrau wurden verletzt.

Kurz nach dem tödlichen Unfall kündigte die Strassenvereinigung RoadCross eine Volksinitiative zum Schutz vor Rasern an. Die Raserinitiative wurde im April lanciert und fordert unter anderen Gefängnisstrafen für Raser und lebenslänglichen Billetentzug im Wiederholungsfall.

Der Prozess gegen die Schönenwerd-Raser startete im September. Noch während der Verhandlung begehen Vedran B. und Cemal A. erneut Verkehrsdelikte. Vedran B. fährt trotz Fahrausweisentzug wieder Auto. Cemal A. wird als Beifahrer bei einem Raserrennen verhaftet. (meg)

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