Aktualisiert 03.03.2013 09:24

«Timeout»Hat Chris McSorley schon resigniert?

Der SC Bern ist gegen das weichste Servette aller Zeiten bereits auf dem Weg ins Halbfinale. Im ersten Viertelfinal-Auftritt liessen die Genfer das Rumpeln vermissen, das sie so auszeichnet.

von
Klaus Zaugg

So leicht hat der SC Bern in den Playoffs noch nicht oft gewonnen. Die erste Viertelfinal-Partie gegen Servette lief nach einem einfachen Drehbuch: Geduldiges Warten auf den unausweichlichen Sieg für den SCB. Die permanente Überlegenheit in jedem Bereich führte bereits in der zweiten Hälfte des Mitteldrittels zur Entscheidung. Das Resultat (4:0) dokumentiert die SCB-Überlegenheit zu wenig.

Servette hat eine grosse Chance leichtfertig vergeben. Denn bei der grossen, mächtigen SCB-Maschine arbeitete noch nicht einmal die Hälfte der Zylinder. Wer Meister werden will, muss ja nicht schon zum Auftakt der Viertelfinals seine ganze spielerische Herrlichkeit entfalten. Am Ende dieser Serie könnte sich herausstellen, dass die Chancen des Aussenseiters auf den zum Weiterkommen notwendigen Auswärtssieg nie so gross waren wie bei dieser ersten Partie.

Tanze nie mit dem Bären!

Servette verlor den Playoff-Auftakt an der Bande: Chris McSorley wählte die falsche Taktik. Er wollte den SCB mit spielerischen Mitteln besiegen. Oder noch einfacher: Chris McSorley hatte viel zu viel Respekt vor dem grossen SCB. Aber mit spielerischen Mitteln sind die Berner nicht zu besiegen.

Wenn Bern das Tempo und die Gangart einer Partie bestimmen kann, dann ist der Gegner chancenlos. Wer mit dem Bären tanzt, ist immer verloren. So ist Servette für den SCB nur ein «Freilos». Wir haben am Samstag in Bern das weichste Servette aller Zeiten gesehen.

Dabei hätten die Genfer durchaus eine Chance gehabt, wenn sie versucht hätten, durch Härte, garniert mit Provokationen, den normalen Lauf der Dinge zu verändern und den Fluss des Spiels zu stören. Nur wenn SCB-Trainer Antti Törmänen schon nach fünf Minuten die Hände verwirft, gibt es eine Siegeschance.

McSorleys Angst vor den Schiris und dem Einzelrichter

Aber für uriges «Goon-Hockey» fehlte Chris McSorley der Mut. Seine Schiedsrichter-Paranoia spielte ihm einen Streich. Schon vor dem Spiel hatte er gejammert, grosse Teams wie der SCB würden von den Schiedsrichtern bevorzugt. Zitieren lässt er sich mit dem Satz: «Der SCB muss keine Fehlentscheide der Schiedsrichter fürchten.» Nach dem Spiel lamentierte er: «Goon-Hockey funktioniert gegen Bern nicht. Dann gibt es Videos und am Ende sitzen meine Spieler gesperrt auf der Tribüne.»

Das ist barer Unsinn. Servette dominierte während der ersten Hälfte der Qualifikation die gesamte Liga mit einem Mix aus Tempo, einschüchternder Härte und Disziplin. Abgesichert vom starken Tobias Stephan im Tor wäre mit dieser Spielweise ein anfänglich noch unsicherer SCB zu packen gewesen.

Aus Angst vor dem SCB und den Schiedsrichtern hielt Chris McSorley seine Jungs zu höchster Disziplin und Zurückhaltung an. Drei der vier ersten Strafen kassierten die Genfer wegen Spielverzögerung. Die Entschlossenheit in den Zweikämpfen war oft nicht viel grösser als in den Vorbereitungspartien im August. Mit ein bisschen Rumpeln, ein bisschen Coaching-Voodoo (Time-Out und Herausnahme des Goalies bereits 4:10 Minuten vor Schluss) vermochte Servette die miserable Vorstellung im Schlussdrittel auch nicht mehr zu korrigieren.

Ruhmloses Ausscheiden oder doch eine Reaktion?

Für den SCB war es trotz des leichten Sieges doch nicht ein ganz gelungener Abend. Im ersten Drittel fiel Stürmer Joel Vermin nach einem Zusammenprall mit einem Gegenspieler durch eine Gehirnerschütterung aus. Ob er am Dienstag wieder eingesetzt werden kann, ist offen. Vermin war mit 35 Punkten aus 47 Spielen und einer Bilanz von +26 (die beste Plus/Minus-Bilanz des Teams) in der Qualifikation einer der kreativsten SCB-Stürmer.

Servettes Darbietung in Bern kommt letztlich einer schon beinahe schmählichen Kapitulation vor dem grossen, mächtigen SCB gleich. Nun sind für den Fortgang der Serie zwei Varianten möglich: Entweder verabschiedet sich Servette ruhm-, sieg- und ehrlos nach vier Partien aus diesen Playoffs. Oder es folgt am Dienstag im zweiten Spiel eine heftige Reaktion. Es kann nicht sein, dass der grosse Chris McSorley beim ersten Auftritt der SCB-Kavallerie bereits die Flucht ergriffen hat.

«Wir werden am Dienstag mit der Unterstützung unseres Publikums alles daran setzen, das Momentum zurückzuholen», verspricht Servettes Bandengeneral. Aber dieses Versprechen des sonst so charismatischen Kanadiers klang im Kabinengang des Berner Hockey-Tempels nicht sonderlich überzeugend. Das provoziert die Frage: Hat er schon resigniert?

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