Aktualisiert 29.03.2017 06:43

Zurück ins Büro

Hat das Home-Office ausgedient?

IBM schafft das Home-Office teilweise ab. Im Büro könne kreativer und effizienter gearbeitet werden. In der IT-Branche gibt es längst einen Gegentrend zur Heimarbeit.

von
F. Lindegger
1 / 8
Kaffee trinken, Mails checken und bei schönem Wetter in die Badi? So lautet eines der häufigsten Vorurteile zu Home-Office.

Kaffee trinken, Mails checken und bei schönem Wetter in die Badi? So lautet eines der häufigsten Vorurteile zu Home-Office.

Unsplash
Tatsächlich sind Menschen, die ab und an von zu Hause aus arbeiten können, produktiver, wie zahlreiche Untersuchungen belegen. Allerdings kann die Vermischung von Privatem und Arbeit auch zu Problemen führen.

Tatsächlich sind Menschen, die ab und an von zu Hause aus arbeiten können, produktiver, wie zahlreiche Untersuchungen belegen. Allerdings kann die Vermischung von Privatem und Arbeit auch zu Problemen führen.

Colourbox
Wer häufig von zu Hause aus oder an einem anderen Ort ausserhalb des Büros arbeitet, gibt gemäss einer Studie der Fachhochschule Nordwestschweiz an, dass der informelle Austausch mit den Arbeitskollegen etwas verloren gehe. Um vorzubeugen, haben viele Teams andere Regeln eingeführt, etwa ein monatliches gemeinsames Mittagessen oder regelmässige Austausche nach Sitzungen.

Wer häufig von zu Hause aus oder an einem anderen Ort ausserhalb des Büros arbeitet, gibt gemäss einer Studie der Fachhochschule Nordwestschweiz an, dass der informelle Austausch mit den Arbeitskollegen etwas verloren gehe. Um vorzubeugen, haben viele Teams andere Regeln eingeführt, etwa ein monatliches gemeinsames Mittagessen oder regelmässige Austausche nach Sitzungen.

Flickr

Seit den 80er-Jahren können Angestellte des IT-Konzerns IBM von zu Hause aus arbeiten. Das Unternehmen gehörte damals zu den Home-Office-Vorreitern. Doch damit soll es nun vorbei sein. In den USA will IBM die rund 2600 Personen umfassende Marketingabteilung an sechs Standorten zusammenziehen, wie das Online-Portal The Register berichtet.

Angestellte, die vorher von zu Hause oder in kleineren dezentralen Büros arbeiteten, werden vor die Wahl gestellt: Arbeiten an der Zentrale oder sich auf Jobsuche begeben. 30 Tage beträgt die Bedenkzeit.

IBM will mit dem Schritt die Produktivität seiner Werber steigern, um es mit Rivalen wie Microsoft oder den Silicon-Valley-Firmen aufzunehmen. «Es ist Zeit, unsere Teams zusammenzubringen und Schulter an Schulter zu arbeiten», erklärte Marketingchefin Michelle Peluso in einer Videobotschaft an ihre Angestellten.

Die Arbeit in der Gruppe stärke die Effektivität und Kreativität, ist sie überzeugt. Und es führe hoffentlich dazu, dass die Angestellten mehr Spass hätten. Die Massnahme ist vorerst auf die Marketingabteilung beschränkt, soll später aber auch auf andere Divisionen und Länder ausgeweitet werden.

«Entwicklung der 80er- und 90er-Jahre»

Die Beweggründe für den Schritt kann Jens O. Meissner, Dozent an der Hochschule Luzern, teilweise nachvollziehen. «Das Brainstorming und der kreative Prozess gelingt bestimmt besser, wenn das zusammen in der Gruppe an einem Ort gemacht wird», erklärt der Ökonom. Doch viele kreative Dinge müssten anschliessend in Ruhe dokumentiert und strukturiert werden. «Ein grosses Bürogebäude ist meist nicht unbedingt der beste Ort dazu», so Meissner.

Das klassische Home-Office als Alternative zum Büro habe allerdings ausgedient. Laut Meissner ist das Home-Office «eine Entwicklung der 80er- und 90er-Jahre». Weil die Vermischung von Privatem und Arbeit zuhause auch problematisch sein könne, gehe der Trend in Richtung mobil-flexible Arbeit, bei der Ort und Zeit keine Rolle spiele. Und diese Flexibilität werde von den Angestellten geschätzt. «Bereits wenn es nur ein Tag im Monat ist, kann das viel bewirken.»

Büro wird attraktiver

Neben der Flexibilisierung gebe es aber auch einen Gegentrend. «Seit einigen Jahren setzen Firmen vermehrt auch auf das Campus-Modell, wobei der perfekte Ort zur Arbeit geschaffen wird», erklärt Meissner. Der Arbeitsplatz werde so attraktiv gestaltet, dass es den Angestellten an nichts fehle. «Der Hintergedanke ist natürlich, dass Mitarbeiter auf diese Weise dort freiwillig noch mehr leisten.» Vor allem Tech-Firmen wie Google, Facebook oder Apple sind für ihre üppig ausgestatteten Büros bekannt.

Möglich, dass diese Firmen IBM als Vorbild dienten. Der Schritt von IBM bedeutet auf jeden Fall eine Abkehr von der bisherigen Unternehmenspolitik. Noch 2009 pries das Unternehmen in einem Bericht seine Anstrengungen, die Arbeit weg vom Büro zu verlagern. 40 Prozent der damals weltweit rund 386'000 Angestellten würden kein traditionelles Büro haben und weitere Zehntausende würden zumindest teilweise von ausserhalb des Büros arbeiten.

So habe das Unternehmen zwischen 1995 und 2009 mehrere Milliarden US-Dollar durch reduzierte Büroflächen einsparen können. Kosten bei den Büroflächen sparen, reicht heute aber offenbar nicht mehr aus.

Deine Meinung

Fehler gefunden?Jetzt melden.