Tödlicher Unfall: Hat die Mafia die Gotthard-Arbeiter bedroht?
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Tödlicher UnfallHat die Mafia die Gotthard-Arbeiter bedroht?

Die Tessiner Polizei muss sich je länger je öfter mit der Mafia herumschlagen. Sogar bei einem Unfall im Gotthard-Basistunnel soll sie ihre Finger im Spiel gehabt haben.

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Der erste Zug wird am Nordportal des Gotthard-Basistunnels bei Erstfeld mit Feuerwerk empfangen. (1. Juni 2016). Doch während des Baus sind insgesamt neun Menschen gestorben. Drei Projektleiter stehen nun vor Gericht, weil sie der fahrlässigen Tötung angeklagt sind. Sie sollen Verbindungen zur Mafia haben.

Der erste Zug wird am Nordportal des Gotthard-Basistunnels bei Erstfeld mit Feuerwerk empfangen. (1. Juni 2016). Doch während des Baus sind insgesamt neun Menschen gestorben. Drei Projektleiter stehen nun vor Gericht, weil sie der fahrlässigen Tötung angeklagt sind. Sie sollen Verbindungen zur Mafia haben.

Keystone/Laurent Gillieron
Sie sollen den Unfallort, an dem einer ihrer Mitarbeiter von einem Felsen erschlagen wurde, im Nachhinein verändert haben, um den Tod zu vertuschen.

Sie sollen den Unfallort, an dem einer ihrer Mitarbeiter von einem Felsen erschlagen wurde, im Nachhinein verändert haben, um den Tod zu vertuschen.

Keystone/AP/Martin Rütschi
Am 1. Juni wurde der länge Eisenbahntunnel der Welt, der Gotthard-Basistunnel, feierlich eröffnet. Matteo Renzi, Angela Merkel, Francois Hollande und Johann Schneider-Ammann im Sonderzug von Erstfeld nach Bodio. (1. Juni 2016)

Am 1. Juni wurde der länge Eisenbahntunnel der Welt, der Gotthard-Basistunnel, feierlich eröffnet. Matteo Renzi, Angela Merkel, Francois Hollande und Johann Schneider-Ammann im Sonderzug von Erstfeld nach Bodio. (1. Juni 2016)

Reuters/Ruben Sprich

Im Tessin hat sich offenbar die italienische Mafia 'Ndrangheta eingenistet. «Untersuchungen zeigen, dass die kalabrische Kriminalität, vor allem im Bereich der Immobilien und der Gastronomie, hier verwurzelt ist», sagt Dimitri Bossalini, Präsident der Tessiner Kommunalpolizeien. Diese Infiltration des organisierten Verbrechens im Tessin beunruhige ihn sehr.

Die Wirtschaft werde buchstäblich aufgefressen. «Wenn wir nichts unternehmen, kaufen sie alles.» Weitere wichtige Sektoren für die Mafia ist laut einem Bericht des Fedpol auch das Baugewerbe. «Sie profitieren von den tiefen Hypothekarzinsen, um günstig an Immobilien zu kommen und so ihr Geld zu waschen», so Bossalini.

In der Schweiz seien der Polizei aber oft die Hände gebunden: Sie hätten nicht dieselben Mittel zur Verfügung wie die italienischen Behörden – beispielsweise bei Telefonüberwachungen oder Beschattungen. Bossalini: «Das Gesetz ist bei uns viel restriktiver.»

Projektleiter des Gottard-Basistunnels vor Gericht

Nun sieht es laut dem italienischen Onlineportal «Il Fatto Quotidiano» so aus, als ob die Mafia sogar beim Gotthard-Basistunnel ihre Hände im Spiel hatte. Drei Projektverantwortliche stehen vor Gericht, weil unter ihrer Aufsicht 2010 ein 54-jähriger Italiener von einem Felsen erschlagen wurde und dabei sein Leben verlor. Sie sind wegen fahrlässiger Tötung angeklagt.

Der zuständige Staatsanwalt John Noseda sagt, der Unfallort sei im Nachhinein völlig verändert worden, wobei aber keine zusätzlichen Sicherheitsmassnahmen angebracht wurden. Man gehe davon aus, dass die Projektleiter im Mafiastil den Unfall zu vertuschen versuchten.

Von den 30 Arbeitern hat laut Noseda noch keiner Auskunft geben wollen. Sie hätten Angst um ihre Arbeit und ihre Familien. Diese Aussageverweigerung sei ebenfalls typisch für die Mafia – ein Schweige-Code quasi. «Sie bringen die Arbeiter aus Italien in die Schweiz, beuten sie aus und erpressen oder bedrohen sie danach.»

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