Aktualisiert 18.05.2019 15:58

Studie

Hat die Schweiz zu wenig Drogenspürhunde?

Im Ausland kontrolliert die Polizei häufiger Personen mit Drogenspürhunden als in der Schweiz. Dafür sind sie hierzulande fast in jedem 2. Fall erfolgreich.

von
rol
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Im Ausland kontrolliert die Polizei häufig Personen mit Drogenspürhunden. Laut der grössten Drogenumfrage der Welt machte in Italien oder England im Jahr 2018 jeder dritte Befragte diese Erfahrung, in Australien sogar fast jeder Zweite.

Im Ausland kontrolliert die Polizei häufig Personen mit Drogenspürhunden. Laut der grössten Drogenumfrage der Welt machte in Italien oder England im Jahr 2018 jeder dritte Befragte diese Erfahrung, in Australien sogar fast jeder Zweite.

Keystone/Gaetan Bally
Auch weltweit stieg der Wert laut Studie markant an. Anders in der Schweiz: Hier gaben nur knapp 6 Prozent an, sie seien im vergangenen Jahr mit Drogenspürhunden in Kontakt gekommen.

Auch weltweit stieg der Wert laut Studie markant an. Anders in der Schweiz: Hier gaben nur knapp 6 Prozent an, sie seien im vergangenen Jahr mit Drogenspürhunden in Kontakt gekommen.

Keystone/Gaetan Bally
Das verwundert Jörg Guggisberg, Vizepräsident des Schweizerischen Polizeihundeführer-Verbands (SPV), nicht. Es sei nicht die primäre Absicht, Endverbraucher mit Kleinstmengen aufzuspüren. Bei Personenkontrollen ohne Verdacht auf Drogenbesitz komme eigentlich nie ein Hund zum Einsatz.

Das verwundert Jörg Guggisberg, Vizepräsident des Schweizerischen Polizeihundeführer-Verbands (SPV), nicht. Es sei nicht die primäre Absicht, Endverbraucher mit Kleinstmengen aufzuspüren. Bei Personenkontrollen ohne Verdacht auf Drogenbesitz komme eigentlich nie ein Hund zum Einsatz.

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In der Schweiz sind vor allem Alkohol, Cannabis und Kokain hoch im Kurs. Das zeigt die grösste Drogenumfrage der Welt, der Global Drug Survey (siehe Box). Insgesamt wurden dafür letztes Jahr fast 124'000 Personen aus über 30 Ländern zu ihrem Konsum legaler und illegaler Drogen befragt, davon 3666 aus der Schweiz.

Jeder fünfte der befragten Schweizer kam 2018 wegen illegaler Substanzen in Konflikt mit der Polizei. In Australien und Dänemark war es jeder Zweite. Auffallend: Im Ausland kontrolliert die Polizei häufiger Personen mit Drogenspürhunden. In Italien oder England machte etwa jeder Dritte diese Erfahrung, in Australien fast jeder Zweite. Auch weltweit stieg der Wert stark an: Beinahe 15 Prozent (Vorjahr 9,5 Prozent) der Befragten hatten letztes Jahr Begegnungen mit Spürhunden.

Anders in der Schweiz: Hier gaben nur knapp 6 Prozent an, sie seien mit Drogenspürhunden in Kontakt gekommen. Das verwundert Jörg Guggisberg, Vizepräsident des Schweizerischen Polizeihundeführer-Verbands (SPV), nicht. Endverbraucher mit Kleinstmengen aufzuspüren, sei nicht die primäre Absicht der Polizei. In der Schweiz würden die rund 170 Betäubungsmittelspürhunde ganz gezielt eingesetzt: vor allem bei konkretem Verdacht und vorwiegend bei Grosskontrollen (Strasse, Flughafen, Bahn) oder Hausdurchsuchungen.

Fast bei jedem zweiten Einsatz erfolgreich

Bei Personenkontrollen ohne Verdacht auf Drogenbesitz komme nie ein Hund zum Einsatz, so Guggisberg. «Grundsätzlich gilt: Kontrollen an Personen werden durch Polizeifunktionäre durchgeführt, nicht durch Hunde.»

Dieser Ansatz sei positiv zu bewerten, sagt Larissa Meier, Mitautorin der Umfrage. «Es ist sinnvoll, Hunde dort einzusetzen, wo sie grössere Mengen an illegalen Substanzen ausfindig machen können.» Vor allem in Ländern mit repressiver Drogenpolitik würden Spürhunde viel sichtbarer eingesetzt – und diese auch vermehrt auf Personen mit Kleinstmengen angesetzt.

Die Strategie der Schweizer Polizeikorps scheint sich auszuzahlen: 2018 waren die hiesigen Drogenspürhunde bei 4791 Einsätzen 2198-mal erfolgreich. Ein Strategiewechsel oder eine Aufstockung des Bestandes sei daher nicht angezeigt, so Guggisberg. Die Polizeikorps verfügten über eine ausreichende Anzahl Spürhunde und könnten ihre Aufgaben gut wahrnehmen – und bei Engpässen würden die Hunde korpsübergreifend eingesetzt.

Am meisten Spürhunde (39) sind im Kanton Zürich stationiert. Nach rund einem Jahr Ausbildung können sie alle gängigen natürlichen und synthetischen Betäubungsmittel erkennen. Hunde besitzen etwa zehnmal mehr Riechzellen als Menschen. Sie können eine Million verschiedene Gerüche unterscheiden, ein Mensch nur etwa 10'000. In der Schweiz werden meist Deutsche Schäferhunde und Malinois als Betäubungsmittelsuchhunde eingesetzt.

Schnell und günstig an Kokain

In der Drogenumfrage gaben zudem 30 Prozent der befragten Schweizer an, im letzten Jahr Kokain konsumiert zu haben – vor allem gelegentlich: 60 Prozent nahmen es an bis zu 10 Tagen, 29 Prozent an bis zu 50 Tagen im Jahr. Gar 11 Prozent griffen mindestens einmal pro Woche zum weissen Pulver. Lange müssen die Konsumenten jeweils nicht auf den Stoff warten: Ein Viertel erhält ihn innerhalb von 30 Minuten, die Hälfte noch am gleichen Tag. Mit rund 94 Franken pro Gramm liegt der Kokainpreis in der Schweiz im globalen Mittel.

Global Drug Survey

Die anonyme Online-Umfrage wird seit 2011 jährlich durchgeführt. 2018 nahmen 123'814 Personen teil, davon 3666 aus der Schweiz. Die Umfrage ist nicht repräsentativ für die Gesamtbevölkerung: Junge Männer sind übervertreten, das Durchschnittsalter der Befragten liegt bei 29 Jahren. Zudem ist davon auszugehen, dass Drogenkonsumenten eher an der Umfrage teilnahmen als Abstinente. Entwickelt wurde sie vom englischen Psychiater Adam R. Winstock mit dem Ziel, weltweit Daten über positive wie negative Seiten des Drogenkonsums zu erforschen.

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