Bei Spielplatz gespritzt: Hat die Stadt Wil ein Drogenproblem?
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Bei Spielplatz gespritztHat die Stadt Wil ein Drogenproblem?

Eine Mutter ist sich sicher: Ein Mann hat in Wil SG in aller Öffentlichkeit Drogen konsumiert. Sie spricht von einem Drogenproblem in der Stadt. Die Polizei und eine Fachstelle äussern sich zur Problematik.

von
Michel Eggimann
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Eine Wiler Mutter ist nach einem Aufenthalt im Stadtpark entsetzt. Sie war am Samstagmorgen mit ihrem Mann und den zwei Kindern (zwei- und vierjährig) in der Stadt unterwegs.

Eine Wiler Mutter ist nach einem Aufenthalt im Stadtpark entsetzt. Sie war am Samstagmorgen mit ihrem Mann und den zwei Kindern (zwei- und vierjährig) in der Stadt unterwegs.

ajm
Im Park habe dann ein Mann morgens um 11 Uhr in aller Öffentlichkeit Drogen konsumiert.

Im Park habe dann ein Mann morgens um 11 Uhr in aller Öffentlichkeit Drogen konsumiert.

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Laut der Mutter hat der Mann Drogen von einem Löffel in eine Spritze gefüllt und sich dann in den Arm gespritzt.

Laut der Mutter hat der Mann Drogen von einem Löffel in eine Spritze gefüllt und sich dann in den Arm gespritzt.

Getty Images/iStockphoto

Darum gehts

  • Ein Mann hat sich laut einer Mutter im Stadtpark von Wil Drogen gespritzt.

  • Sie stand mit ihrem Mann und den zwei Kindern gleich daneben.

  • Sie spricht von einem Drogenproblem in der Stadt Wil.

  • Die Polizei bezeichnet Wil nicht als Drogen-Hotspot.

  • Eine Expertin sagt, was die Stadt gegen den Drogenkonsum unternimmt.

Eine Wiler Mutter ist nach einem Aufenthalt im Stadtpark entsetzt. Sie war am Samstagmorgen mit ihrem Mann und den zwei Kindern (zwei- und vierjährig) in der Stadt unterwegs. «Gegen 11 Uhr waren wir beim Weiher und haben mit Vögeln gespielt sowie Enten gefüttert. Dann ist mir plötzlich ein junger Mann auf einer Sitzbank ins Auge gestochen», erzählt die Frau. Der Mann habe komisch gewirkt und trotz schönem Wetter geschlottert. «Dann habe ich einen Löffel in seiner Hand entdeckt. Auf dem Löffel war eine Flüssigkeit.» Diese habe er anschliessend in eine Spritze gefüllt und sich in den Arm gespritzt. Die Mutter ist sich sicher: «Der Mann hat vor den Augen meiner Kinder Drogen konsumiert.» Sie habe sich gedacht, warum macht das ein Mensch – vor allem zu dieser Zeit und an diesem Ort? «Es fühlte sich an wie in einem schlechten Traum.»

Anderes Paar reagierte auch schockiert

Danach habe sie ihre Kinder genommen und sei davongelaufen. In der Zwischenzeit habe ihr Mann die Polizei angerufen. Auch ein junges Paar habe alles beobachtet und sei genau gleich schockiert gewesen. Den jungen Mann habe sie vorher auch schon einige Male in der Stadt angetroffen. Er sei meist in einer Gruppe mit anderen jungen Leuten unterwegs.

Durch den Vorfall macht sich die Mutter auch Sorgen um ihre Kinder. Sie meint: «Wenn jemand eine solche Spritze irgendwo liegen lässt und Kinder sie dann aufnehmen, ist das sehr gefährlich.» Weiter meint die Frau: «Wil hat ein Drogenproblem. Das wissen viele.» Spätestens seit dem Erlebnis am Samstag ist für sie klar, dass sie wegziehen will.

Wil gilt nicht als Drogen-Hotspot

Die Kantonspolizei St. Gallen bestätigt den Vorfall. Mediensprecher Pascal Häderli sagt: «Wir bekamen die Meldung, dass eine Person beim Weiher Drogen konsumiert. Wir konnten die Person aber nicht mehr im Stadtpark antreffen.» Bei der Polizei gelte Wil nicht als Drogen-Hotspot. Das zeige auch ein Blick in die Kriminalstatistik des letzten Jahres. Häderli meint auch: «Drogendelikte sind oftmals sogenannte Kontrolldelikte. Das heisst, je mehr wir kontrollieren, sprich zur richtigen Zeit am richtigen Ort sind, desto mehr Delikte stellen wir fest.»

Kriminalstatistik 2019

In der Kriminalstatistik des Kantons St. Gallen sind unter anderem alle Delikte gegen das Betäubungsmittelgesetz aufgelistet. Die Delikte werden auch nach Regionen unterteilt. Die Region Fürstenland-Neckertal, zu der Wil gehört, verzeichnete im letzten Jahr 305 Straftaten. Keine andere Region im Kanton St. Gallen hatte so wenige Straftaten bei Fällen gegen das Betäubungsmittelgesetz, und das obwohl Fürstenland-Neckertal die Region mit den meisten Einwohnern war. An der Spitze lag die Region St. Gallen mit 1109 Straftaten.

Den Ärger der Familie kann der Polizeisprecher verstehen. Eine offene Drogenszene kenne man im Kanton St. Gallen nicht. Dennoch kommen solche Meldungen von Drogenkonsum hin und wieder vor. Häufig seien sie aber nicht, so Häderli.

Öffentlicher Konsum ist ein No-go

Für Drogensüchtige oder Drogenkranke gibt es in der Stadt Wil das Angebot der Wiler Integrations- und Präventionsprojekte, kurz Wipp. Barbara Seger, Leiterin der Stelle, sagt auf den Vorfall im Stadtpark angesprochen: «In der Szene ist der Drogenkonsum in der Öffentlichkeit sehr verpönt. Es ist ein No-go.» Sie könne sich nicht vorstellen, dass der betroffene Mann die Angebote von ihnen beansprucht. Dennoch werde man nach diesem Vorfall auf die Leute einwirken. «Denn ich finde es bedauerlich, wenn in der Öffentlichkeit konsumiert wird, verhindern können wir es aber nicht», so Seger.

Hast du oder hat jemand, den du kennst, ein Problem mit illegalen Drogen?

Hier findest du Hilfe:

Sucht Schweiz, Tel. 0800 104 104

Safezone.ch, Onlineberatung

Feel-ok, Informationen für Jugendliche

Infodrog, Informationen und Substanzwarnungen

Laut der Expertin hat Wil nicht mehr mit Drogenkranken zu kämpfen als andere Städte in vergleichbarer Grösse. Je urbaner ein Ort werde, desto mehr ziehe er Drogensüchtige an. «In Wil haben wir aber verglichen mit anderen Städten ein breites Angebot für diese Leute.» Noch vor 30 Jahren, als Wipp gegründet wurde, holte man die Drogensüchtigen direkt von der Strasse. Diese Zeiten seien vorbei. Heute setze man auf Angebote direkt vor Ort und auf Begleitung.

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