Bizarrer Kriminalfall : Hat ein 65-Jähriger junge Ausländer absichtlich in die Tiefe gestossen? 

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Bizarrer Kriminalfall Hat ein 65-Jähriger junge Ausländer absichtlich in die Tiefe gestossen? 

Einem heute 65-jährigen Berner wird vorgeworfen, in Kiental zwei Männer in eine Schlucht gestossen zu haben. Das sind allerdings nicht die einzigen Straftaten, für die er sich diese Woche vor Gericht verantworten muss.

von
Simon Ulrich
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Der Beschuldigte soll im Mai und im November 2019 zwei Männer in die Griesschlucht hinabgestossen haben. 

Der Beschuldigte soll im Mai und im November 2019 zwei Männer in die Griesschlucht hinabgestossen haben. 

Philippe Gyarmati/Berner Oberländer
Der Kriminalfall in Kiental sorgte landesweit für Schlagzeilen. 

Der Kriminalfall in Kiental sorgte landesweit für Schlagzeilen. 

Bruno Petroni/Berner Oberländer 
Der 65-jährige Tatverdächtige wurde am 5. November 2019 in Aeschi bei Spiez festgenommen. 

Der 65-jährige Tatverdächtige wurde am 5. November 2019 in Aeschi bei Spiez festgenommen. 

Google Maps 

Darum gehts 

  • Ein heute 65-jähriger Mann aus dem Berner Oberland muss sich unter anderem wegen vorsätzlicher Tötung und versuchter vorsätzlicher Tötung vor Gericht verantworten. 

  • Er soll 2019 zwei junge Flüchtlinge in die Griesschlucht in Kiental gestossen haben – einer von ihnen starb.

  • Weiter werden dem Mann mehrfache sexuelle Handlungen mit Kindern vorgeworfen. 

  • Der Prozess vor dem Thuner Regionalgericht startet am 22. September. 

Es ist der frühe Morgen des 5. November 2019, als ein Autolenker in Kiental, mitten im Wald unterhalb der Griesalp, auf einen blutenden und völlig durchnässten Mann trifft. Wie der 29-jährige afghanische Asylsuchende dem Fahrer und wenig später auch der Polizei erzählt, hat ihn tags zuvor ein Bekannter, mit dem er angeblich Vermessungen durchführen sollte, in die Schlucht gestossen. Nach dem Sturz habe er sich aus dem eisigen Wasser des Gornerenbachs auf einen Felsvorsprung retten können, wo er die Nacht über ausgeharrt habe. 

Nur wenige Stunden später rückt eine Spezialeinheit auf dem Dorfmärit in Aeschi bei Spiez an und führt einen 62-jährigen Verdächtigen ab. Der Einheimische soll jedoch nicht nur für die Tat vom 4. November verantwortlich sein: Die Ermittler finden Parallelen zu einem Fall im vorangehenden Mai, bei dem ebenfalls ein 18-jähriger Flüchtling aus Afghanistan in die Griesschlucht gestürzt war und dabei ums Leben kam. Handy-Daten zeigen, dass der mutmassliche Täter mit dem Opfer kurz vor dessen Todeszeitpunkt in Kontakt stand. 

Als die Polizei ihren Ermittlungserfolg im März 2021 bekannt gibt, sorgt der Fall für landesweite Schlagzeilen. Die Schweiz rätselt: Wer ist der Mann, der mutmasslich unter einem Vorwand junge Afghanen auf die Griesalp lockt und sie dann in die Schlucht hinabstösst? Und was hat ihn zu seinen Taten getrieben? 

Beschuldigter hat eine Vorgeschichte 

Wie Dorfbewohner gegenüber dem «Thuner Tagblatt» berichteten, lebte der Oberländer bis zu seiner Festnahme auf einem Bauernhof ausserhalb von Aeschi. Neben der Arbeit auf dem Hof war er als als Bus- und Carchauffeur tätig. Der heute 65-Jährige genoss einen zwiespältigen Ruf: Er galt als unauffällig und gesellig, aber auch als kauzig und eigenbrötlerisch. Wiederholt soll er sich fremdenfeindlich geäussert und sich darüber empört haben, wie «schön» es doch Flüchtlinge in den örtlichen Asylunterkünften hätten. Ein Thema, das ebenfalls zur Sprache kam: seine Vorliebe für junge Buben. 

Hierbei handelt es sich offenkundig um mehr als nur ein Gerücht: Wie der «Tagesanzeiger» im März 2021 publik machte, war der Beschuldigte bereits 2009 vom Kreisgericht Frutigen-Niedersimmental wegen versuchter sexueller Nötigung eines Minderjährigen verurteilt worden. 

Der Schuldspruch hielt ihn offenbar nicht davon ab, sich an weiteren (ausländischen) Jugendlichen zu vergehen: Laut Anklage, die die Regionale Staatsanwaltschaft Oberland im Juni dieses Jahres erhoben hat, soll es 2018 und 2019 zwischen dem Beschuldigten und einem 14- bzw. 15-Jährigen bei rund 20 Treffen zu sexuellen Misshandlungen mit gegenseitigem Oral- und Analverkehr gekommen sein. Einem 17-Jährigen soll er Ende 2017 Fahrstunden gegeben und ihn dabei gegen seinen Willen an seinem Glied gerieben haben. Für die sexuellen Handlungen soll er den Buben Geld gezahlt haben.

Beschuldigter teils geständig 

Der mutmassliche Täter wird daher nicht nur der vorsätzlichen Tötung und versuchten vorsätzlichen Tötung beschuldigt, sondern auch der sexuellen Nötigung, der mehrfachen sexuellen Handlungen mit Kindern sowie der sexuellen Handlungen mit Minderjährigen gegen Entgelt. Was die letzten beiden Anklagepunkte betrifft, ist der Angeklagte geständig. Die Tatvorwürfe der vorsätzlichen Tötung, der versuchten Tötung sowie der sexuellen Nötigung bestreitet er hingegen.

Gegen den Mann, der sich seit Dezember 2020 im vorzeitigen Strafvollzug befindet, wird am 22. September vor dem Regionalgericht in Thun der Strafprozess eröffnet. Im April dieses Jahres stellte er ein Haftentlassungsgesuch, welches das Zwangsmassnahmengericht ablehnte. Mit seiner dagegen erhobenen Beschwerde blitzte er sowohl vor dem Berner Obergericht wie auch vor dem Bundesgericht ab.  

Bist du minderjährig und von sexualisierter Gewalt betroffen? Oder kennst du ein Kind, das sexualisierte Gewalt erlebt?

Hier findest du Hilfe:

Polizei nach Kanton

Kokon, Beratungsstelle für Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene

Castagna, Beratungsstelle bei sexueller Gewalt im Kindes- und Jugendalter

Beratungsstellen der Opferhilfe Schweiz

Pro Juventute, Beratung für Kinder und Jugendliche, Tel. 147

Bist du selbst pädophil und möchtest nicht straffällig werden? Hilfe erhältst du bei Forio und bei den UPK Basel.

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