Aktualisiert 17.03.2019 09:20

Gewinnsumme von 85'000 CHF

Hat er sich Tausende Follower erschwindelt?

Der Schweizer Influencer Dario Widmer soll sich mittels Fake-Gewinnspiele Reichweite erschlichen haben. Er weist die Vorwürfe zurück und bezeichnet sie als Falschaussagen.

von
jk
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Dario Widmer ist laut dem Schweizer Influencer-Ranking momentan der erfolgreichste Travel-Influencer der Schweiz. Widmer bezeichnet sich als World Traveller, Fotograf und Filmemacher und betreibt mindestens drei Instagram-Accounts mit insgesamt über 300'000 Follower. Doch laut dem Online-Format «Bento» hat er sich diese nicht erarbeitet, sondern mit  Fake-Gewinnspielen erschlichen.

Dario Widmer ist laut dem Schweizer Influencer-Ranking momentan der erfolgreichste Travel-Influencer der Schweiz. Widmer bezeichnet sich als World Traveller, Fotograf und Filmemacher und betreibt mindestens drei Instagram-Accounts mit insgesamt über 300'000 Follower. Doch laut dem Online-Format «Bento» hat er sich diese nicht erarbeitet, sondern mit Fake-Gewinnspielen erschlichen.

Screenshot Instagram
Bento ist aufgrund eines Insta-Wettbewerbs der Marke Fjällräven auf Widmer aufmerksam geworden. Ein Account, der sich später als Fake herausstellen sollte, versprach attraktive Gewinne, wenn man verschiedenen Accounts – allen voran jenem von Dario Widmer – folgen würde.

Bento ist aufgrund eines Insta-Wettbewerbs der Marke Fjällräven auf Widmer aufmerksam geworden. Ein Account, der sich später als Fake herausstellen sollte, versprach attraktive Gewinne, wenn man verschiedenen Accounts – allen voran jenem von Dario Widmer – folgen würde.

Screenshot Facebook
Tatsächlich hat Widmer etwa in der Nacht vom 24. Auf den 25. Februar knapp 12000 neue Follower gewonnen, wie das Analysetool Likeometer.com zeigt.

Tatsächlich hat Widmer etwa in der Nacht vom 24. Auf den 25. Februar knapp 12000 neue Follower gewonnen, wie das Analysetool Likeometer.com zeigt.

Screenshot Likeometer.com

Dario Widmer ist laut dem Schweizer Influencer-Ranking momentan der erfolgreichste Travel-Influencer der Schweiz. Widmer bezeichnet sich als World Traveller, Fotograf und Filmemacher und betreibt mindestens drei Instagram-Accounts mit insgesamt über 300'000 Follower. Doch laut dem Online-Format «Bento» hat er sich diese nicht erarbeitet, sondern mit Fake-Gewinnspielen erschlichen.

Bento ist aufgrund eines Insta-Wettbewerbs der Marke Fjällräven auf Widmer aufmerksam geworden. Ein Account, der sich später als Fake herausstellen sollte, versprach attraktive Gewinne, wenn man verschiedenen Accounts – allen voran jenem von Dario Widmer – folgen würde. Fjällräven liess kurz darauf verlauten, dass es sich um Betrug handle. Widmer bescherte die Aktion Tausende neue Follower. Gegenüber dem Online-Portal gab Widmer an, mit der Sache nichts zu tun zu haben, konkurrierende Influencer würden wohl dahinterstecken.

Gewinnsumme von 85'000 Franken

Der Journalist blieb hartnäckig und fand folgendes heraus: Immer wieder würden auf den Accounts von Widmer Gewinnspiele gepostet, bei denen man beispielsweise Apple-Produkte im Gesamtwert von über 2600 Schweizer Franken gewinnen könne. Eine Teilnahmebedingung sei es, insgesamt 17 Accounts zu folgen, die Widmer vorgebe. Insgesamt hätten sich 20 solche Wettbewerbe ausfindig machen lassen. Die ungefähre Gewinnsumme betrage 85'000 Schweizer Franken. Hinweise darauf, dass jemals ein Gewinner ermittelt worden sei, liessen sich laut Bento aber keine finden. Die Wettbewerbs-Posts würden nach Ablauf der Teilnahmefrist gelöscht. Die dazugewonnen Follower aber, bleiben Widmer erhalten.

«10'000 neue Follower über Nacht sind höchst unglaubwürdig»

Fabian Plüss, Co-Founder von Kingfluencers, einer Influencer Agentur und Plattform, sagt, es sei schon seit längerem ein grösseres Problem in der Influencer-Szene, dass einige Personen versuchen, mit unehrlichen Tricks Follower zu gewinnen. «Der Markt ist diesbezüglich in gewisser Weise sehr naiv. Es gibt einige Null-Potenzial-Influencer, die von irgendwelchen Brands beschäftigt werden – einfach, weil sie eine bestimmte Reichweite haben», so Plüss. Bei Kingfluencers werde jedes Profil akribisch analysiert, die Influencer, mit denen man zusammenarbeite, kenne man persönlich.

Für ihn sei es zentral, dass der Influencer über guten Content seine Relevanz fair erarbeitet und wie die Followerschaft hinter dem Influencer so sei, sagt Plüss. Seiner Meinung nach habe sich Widmer mit seinem Vorgehen – sofern sich alles so zugetragen habe – sehr nahe an die Grenze zur Kriminalität hin bewegt. Sich Follower so zu erschleichen, sei eine Art Betrug. «Wenn heute ein Influencer über Nacht 10'000 Follower dazu gewinnt, ist das sehr fragwürdig. Derart sprunghafte Anstiege sind kaum mehr möglich», sagt Plüss. Tatsächlich hat Widmer etwa in der Nacht vom 24. auf den 25. Februar knapp 12'000 neue Follower gewonnen, wie das Analysetool Likeometer.com zeigt.

Widmer sagt, es handle sich um «Falschaussagen»

Dario Widmer selber, antwortet auf Anfrage von 20 Minuten, er werde in ein, zwei Tagen eine detaillierte Stellungnahme veröffentlichen. Da er nach einem Auslandsaufenthalt erst vor wenigen Stunden in der Schweiz gelandet sei, habe er noch nicht die Zeit gefunden, seine Follower ausführlich über die Geschichte zu informieren. «Ich werde die Falschaussagen mit einem offiziellen Statement richtigstellen», so Widmer.

Mit der Fjällräven-Geschichte habe er ganz sicher nichts zu tun, das könne er vorab sagen: «Mit Giveaways lassen sich doch keine 100'000 Follower generieren. Da gewinnt man höchstens 1500 Follower und 1000 davon verliert man nach Teilnahmeschluss gleich wieder», sagt Widmer.

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