Trinkwasserverbot: Hat es gefährliche Milchsäurebakterien im Luzerner Trinkwasser?

Aktualisiert

TrinkwasserverbotHat es gefährliche Milchsäurebakterien im Luzerner Trinkwasser?

Erst am Sonntagmorgen wurden die Bewohnenden im Quartier Langensand-Matthof informiert, dass ihr Trinkwasser verschmutzt ist. Bekannt war das schon seit Freitag.

von
Yann Bartal
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Betroffen vom verunreinigten Trinkwasser ist das Quartier Langensand-Matthof (ab Eisfeld Richtung Horw und Hirtenhofstrasse See-seitig).

Betroffen vom verunreinigten Trinkwasser ist das Quartier Langensand-Matthof (ab Eisfeld Richtung Horw und Hirtenhofstrasse See-seitig).

EWL
Am Sonntag, 31. Juli 2022, teilt die EWL mit, dass das Trinkwasser in gewissen Gebieten verschmutzt ist und nicht getrunken werden darf.

Am Sonntag, 31. Juli 2022, teilt die EWL mit, dass das Trinkwasser in gewissen Gebieten verschmutzt ist und nicht getrunken werden darf.

EWL

Darum gehts

  • Bereits am Freitag, 29. Juli 2022, stellte die EWL eine Verschmutzung im Trinkwasser fest.

  • Zurzeit geht man davon aus, dass Milchsäurebakterien ins Wasser gelangt sind. Diese können zu schweren gesundheitlichen Problemen führen.

  • Das Unternehmen Energie Wasser Luzern (EWL) empfiehlt, das Wasser abzukochen und nur Mineralwasser zum Trinken zu verwenden.

  • Die Ursache für die Verschmutzung ist noch nicht geklärt. Momentan geht man davon aus, dass eine Baustelle die Verunreinigung verursachte.

  • Aktuelle Analysen zeigen eine positive Tendenz. Das Trinkwasserverbot kann aber noch nicht aufgehoben werden.

Am Freitag, 29. Juli, stellte die EWL in der wöchentlichen Trinkwasser-Kontrolle eine Kontamination fest. Eine zweite Untersuchung am Samstagabend erhärtete den Verdacht: Das Trinkwasser im Gebiet Langensand-Matthof ist verschmutzt.

Daraufhin wurden Infoblätter gedruckt und an die Haushalte verteilt. Der städtische Energieversorger geht von 600 betroffenen Einheiten und damit circa 1800 Haushalten aus. Andere Gebiete seien nicht betroffen.

Milchsäurebakterien im Trinkwasser?

Wie Nina Kunz Rütimann, Ansprechperson der EWL, zur Auskunft gibt, könnte es sich bei der Verschmutzung um Milchsäurebakterien handeln – ganz sicher sei man sich aber noch nicht.

Sollte es sich tatsächlich um Milchsäurebakterien im Wasser handeln, wäre es ein schlechter Befund. Denn Milchsäurebakterien kommen zwar bei Menschen, Tieren und in Lebensmitteln, wie zum Beispiel der Milch, vor oder werden zur Haltbarmachung von Lebensmitteln eingesetzt, z. B. bei Joghurt, Sauermilch oder Käse.

Aber einige Arten können auch Krankheiten verursachen. Besonders gefährlich kann dies für ältere, geschwächte Menschen, Menschen mit instabilem Immunsystem und Babys werden. Auch besorgniserregend ist, dass viele dieser Erreger eine Resistenz gegenüber Antibiotika entwickelt haben. Wenn die Bakterien also nicht mit Antibiotika behandelt werden können, können sie im Trinkwasser sehr schwere gesundheitliche Komplikationen nach sich ziehen.

Wasser abkochen

Die EWL informiert in ihrem Schreiben, dass das Wasser unbedingt abgekocht werden muss, da dies das Abtöten der Krankheitserreger garantiert.

Verhaltensempfehlung

  • Abkochen des Wassers beispielsweise beim Zähneputzen, Waschen von Lebensmitteln, der Nahrungszubereitung oder beim Abwasch von Hand.

  • Zum Trinken und als Säuglingsmittelnahrung Mineralwasser verwenden.

  • Falls bereits vom verschmutzten Trinkwasser getrunken wurde, sollten Betroffene achtsam sein. Wenn innert 48 Stunden hohes Fieber, Durchfall und/oder Erbrechen auftreten, muss sofort ein Arzt konsultiert werden.

EWL sucht nach der Ursache

Milchsäurebakterien vermehren sich nicht im Wasser – das heisst, sie gelangen nur durch fäkale Verunreinigungen von aussen ins Trinkwasser. Wie die Bakterien ins Wasser gelangten, sei schwierig zu ermitteln. Nun wird mit Hochdruck nach der Quelle der Verschmutzung gesucht. «Wir gehen davon aus, dass eine Baustelle die Verunreinigung verursacht hat. Wir suchen gerade nach dem Leck, wo das verunreinigte Wasser einfliesst», erklärt Nina Kunz Rütimann.

Auch wurden die Wassertanks der EWL inzwischen dreimal komplett geleert. Durch das Durchspülen soll das verunreinigte Wasser ausgesondert werden.

Der Energieversorger hofft, dass durch das Spülen die Verunreinigung inzwischen behoben oder zumindest drastisch gesenkt werden konnte. Zurzeit wird die Wasserqualität in Labors erneut getestet. «Wir hoffen, dass die Testergebnisse demnächst vorliegen», sagt Kunz Rütimann gegenüber 20 Minuten auf Anfrage. Laut einer aktuellen Medienmitteilung zeigt die letzte getätigte Probe eine positive Tendenz in einzelnen Teilgebieten. Es müssen jedoch die Ergebnisse der nächsten Probe abgewartet werden, um allenfalls das Trinkwasserverbot in den einzelnen Gebieten aufheben zu können. Die nächsten Ergebnisse werden am Dienstag, 2. August, erwartet. Bis dahin gilt nach wie vor, dass das Trinkwasser abgekocht werden muss.

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