Kreisgericht St. Gallen: Hat falscher Model-Agent 15-Jährige missbraucht?
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Kreisgericht St. GallenHat falscher Model-Agent 15-Jährige missbraucht?

Ein angeblicher Agent soll eine 15-Jährige vergewaltigt haben. Er versprach ihr, sie als Model gross rauszubringen und fingierte Gespräche mit Heidi Klum. Nun muss er vor Gericht.

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taw
Tausende junge Mädchen hoffen bei Germany's Next Topmodel auf die grosse Chance. Das machte sich der Beschuldigte zu Nutze.

Tausende junge Mädchen hoffen bei Germany's Next Topmodel auf die grosse Chance. Das machte sich der Beschuldigte zu Nutze.

Keystone/AP/Martin Meissner

Laut Anklage begann alles im September 2009. Der heute 35-jährige Beschuldigte aus dem Kanton Luzern gab sich unter falschem Namen als Model-Agent aus und rief die damals 15-jährige St. Gallerin am 2. September auf ihrem Handy an. Um in Ruhe und im Beisein ihrer Mutter über einen Modelvertrag zu reden, kam der Luzerner später zu ihr nach Hause. Im Gespräch erwähnte er, wo er arbeitet, aber auch, dass er eigentlich eine eigene Agentur gründen will. Dies, weil bei der Agentur, für die er derzeit tätig sei, junge Mädchen belästigt würden. Auch über Geld und die Art der geplanten Fotos wurde gesprochen. «Selbstredend war alles, was der Beschuldigte bezüglich Modelagentur, Modelvertrag etc. von sich gab, vollkommen frei erfunden und ohne jegliche reale Grundlage», heisst es dazu in der Anklageschrift.

Entweder Sex mit ihm oder Peyman

Eine Woche danach kam es zum zweiten Treffen in St. Gallen. Nach einer halben Stunde gab der Beschuldigte vor, mit seinem Auftraggeber Peyman telefonieren zu müssen. Er wollte dem Mädchen offenbar weismachen, er stehe ihm Kontakt mit dem durch «Germany's Next Topmodel» bekannten deutschen Modelagenten Peyman Armin.

Nach dem Telefonat stellte er die 15-Jährige vor die Wahl: Entweder sie schläft mit ihm oder mit Peyman. Nur so käme ein Vertrag zu Stande. Sie weigerte sich. Wieder täusche der Beschuldigte laut Anklage ein Telefonat mit Peyman vor. Danach stellte er dem Mädchen ein Modelhonorar von 1,1 Millionen Franken in Aussicht. Allerdings müsse sie dazu die Vertragsbedingungen erfüllen. Nach längeren Diskussionen willigte das Mädchen schliesslich zu Petting ein. Dabei drang er ohne Ankündigung in sie ein. Sie begriff laut Anklage erst ihm Nachhinein, was da geschah. «Jetzt müsse sie nichts mehr machen, jetzt sei sie Model», soll der Beschuldigte gesagt haben. Würde sie jemandem etwas erzählen, sei der Vertrag hinfällig.

Bei dem einen Fall blieb es allerdings nicht. Drei Tage später soll er die 15-Jährige in Basel erneut zweimal vergewaltigt haben. Auch hier setzte er sie massiv unter Druck und drohte mit der Auflösung des Modelvertrags. Unter dem Vorwand, sie könne Heidi Klum und weitere Promis und Models an einer Party treffen, lockte er sie nach Basel. Dort angekommen, schlug er ihr vor, sich noch kurz zu duschen, weil sie so «kaputt» aussehe. Dann sagte er ihr, dass seine Auftraggeber und Klum gesagt hätten, er müsse sie am ganzen Körper streicheln. Sie liess es zu und wieder nutzte er die Situation aus und vollzog zweimal Geschlechtsverkehr an ihr, wie es in der Anklageschrift heisst.

Drei Jahre Freiheitsstrafe

Am Donnerstag muss er sich deshalb vor dem Kreisgericht St. Gallen verantworten. Die Staatsanwaltschaft beantragt eine Verurteilung wegen Schändung, mehrfacher Vergewaltigung, mehrfachen sexuellen Handlungen mit einem Kind. Ihm drohen drei Jahre Gefängnis. Deren Vollzug sei zugunsten einer stationären Massnahme aufzuschieben. Das Opfer tritt als Privatklägerin auf. Sie fordert eine Genugtuung von mindestens 18'000 Franken. Die Verhandlung findet unter Ausschluss der Öffentlichkeit statt.

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